(periphere Notate): Dem ohne Uns (und wie man da so lebt)

Die beliebte Frage „Leben wir in einer Demokratie?“ muß zum Verständnis umformuliert werden: Lebe ich in einer Demokratie? Weil es in einer Demokratie keine Rolle spielt, ob es ein „Wir“ (F. W. Steinkopf) überhaupt gibt. Zur Beantwortung der Frage teilt man sie am besten in drei Einzelfragen:
1. Habe ich irgendeine Möglichkeit, an politischen Entscheidungen und Prozessen mitzuwirken?
2. Gibt es jemanden, der diese Möglichkeit hat und mich repräsentiert?
3. Ist irgendein Amtsträger und/oder in der Staatsverwaltung tätiger Mensch an meinen Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen interessiert?

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(Aus dem tiefen Archiv) Belästigungen #218: Zwei Großhirne auf dem Weg durchs Weltgedärm

Zwei Herren, die in Deutschland leider als recht bekannt gelten müssen, schockierten kürzlich das Gemeinwesen mit Ungnade: „Wenn ich jünger wäre und diese Aufgabe nicht hätte, wäre ich längst weg!“ tönte ein Herr Döpfner, dessen „Aufgabe“ darin besteht, Vorstandsvorsitzender des Springer-Konzerns zu sein. Recht hat er, möchte man meinen: Wenn der Mann sich nicht seine jüngere Lebensphase damit um die Ohren geschlagen hätte, durch den Darm der Axel-Cäsar-Witwe zu krabbeln, bis er es endlich hineingeschafft hatte ins Allerheiligste der Blut-und-Busen-Presse, – dann wäre er mit einiger Sicherheit tatsächlich weg. Vom Fenster.

Gemeint hat der Döpfner aber was anderes, in dem ihm Frank Schirrmacher, sein etwa gleichaltriger Kumpan von der FAZ (der sich auf dem Weg dorthin seinerseits durch die Eingeweide von Joachim Cäsar Fest wühlen mußte), bestätigend vorausgeeilt war: Die beiden, die zu den Mittätern der ekelhaften „Du bist Deutschland!“-Kampagne gehören, wollten wohl auch mit dieser Kampagne genau dies sagen: Weil Deppen wie du Deutschland sind, halte ich es hier nicht aus! Und wenn ich nicht so unglaublich wichtig wäre, daß ohne mich alles zusammenbräche, dann hätte ich mich längst verzupft!
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