Im Rahmen von Professor Herbert Rosendorfers Seminar zur Nachkriegsliteratur befaßten wir uns vor einiger Zeit (anläßlich der Behandlung von „Unbelehrbaren“ und „inneren Emigranten“ von Kolbenheyer über Benn bis Jünger) ansatzweise mit der Frage, ob es gute, große, bedeutende Literatur ohne Moral geben könne. Die Frage blieb weitgehend unbeantwortet; ich möchte sie umdrehen: Gibt es gute, große, bedeutende, vor allem, um einen problematischen Begriff einzuführen: zeitlose Literatur mit Moral? „(aus dem tiefen Archiv): Der Zeigefinger des Zeitzeugen – Literatur, Engagement und die Gruppe 47 (Sommer 1998)“ weiterlesen
4 Wochen Wahnsinn (Januar 2026)
Die Geheime Staatspolizei erfreut sich in Deutschland traditionell keiner großen Beliebtheit, egal ob sie nun so heißt oder betrügerisch als „Verfassungsschutz“ maskiert wird. Die totalitäre NATO-Kriegspropagandistin Florence Gaub möchte, daß sich das ändert – weil ein richtig harter Krieg, also eine Massentötung der Zivilbevölkerung, ohne Geheimdienst erfahrungsgemäß nicht so leicht durchzuführen ist. Wie die Regimeillustrierte „Stern“ verkündet, „erklärte“, also: behauptete Gaub, „Deutschland brauche mehr Nähe zwischen Bevölkerung und Nachrichtendiensten – und sogar TV-Serien könnten dabei helfen“. „Es gibt keine gute Serie über den Verfassungsschutz und auch keine über den BND“, soll Gaub, die selbst als Produzentin des NATO-Propagandahorrorstreifens „Foresight to Warfight“ bekannt ist, gesagt haben. Dabei könnte eine solche Seifenoper dabei helfen, „Berührungsängste zwischen der Bevölkerung und den Diensten“ zu verringern. Deutschland, so Gaub, könne davon profitieren. Unsere Gegenfrage ist eine kurze: „Deutschland“? Wer soll das sein? „4 Wochen Wahnsinn (Januar 2026)“ weiterlesen
(aus dem tiefen Archiv): Wyatt/Atzmon/Stephen „… For The Ghosts Within“ (September 2010)
Heute (nein, gestern) ist Robert Wyatt 81 Jahre alt geworden. Das ist kein Grund für irgendwas, aber Anlaß für Erinnerungen. Zum Beispiel an ein Album, an das ich mich ansonsten tatsächlich kaum je erinnert hätte. Es folgt ein Text, den ich damals dazu geschrieben habe:
Man kommt auf seltsame Gedanken, wenn man sich vorstellt, daß Robert Wyatt, der große Jazz-Außenseiter und Rock-Einzelgänger, Kommunist, Marxbartträger, seit einem Fenstersturz 1973 mit dem Rollstuhl unterwegs, im Englischen mit dem Verb „wyatting“ geehrt (bedeutet: in Kneipen wirre, als Hintergrund unerträgliche Musik aufzulegen, um die Leute zu ärgern), – daß dieser notorisch liebenswerte Spinner fast mal ein Popstar geworden wäre (oder war, sogar mit Hitsingles). Was wäre das für eine Welt, in der aus dem Alltagsradio so merkwürdige, kaum ergründliche, unfassbar tiefe und weite Musik schallte, in der Castingshowkandidaten versuchten, diese wunderbar weiche, weise, wärmende Stimme nachzuahmen, Schlagerproduzenten Wyatts Neugier, Experimentierfreude, Feingefühl, seine fast übermenschliche Musikalität als Ideal ansähen? „(aus dem tiefen Archiv): Wyatt/Atzmon/Stephen „… For The Ghosts Within“ (September 2010)“ weiterlesen
München von unten …

Ich habe im Auftrag der Freien Akademie für Medien & Journalismus ein bisserl in Erinnerungen gekramt und einiges gefunden (den Text findet man hier).
Junger Unfug (Folge 14): Fenster und Bilder
Wie die meisten Buben spielten wir gerne Fußball, davon war schon die Rede. Und wie in den meisten Höfen war das verboten. Allerdings hatte man einen Rasen angelegt, was die Einhaltung des Verbots sehr erschwerte.
Im Parterre des Hauses lagen die Büros der Firma, der die ganzen Wohnungen im Haus gehörten, und immer dann, wenn der nasse Lederball auf eine der Scheiben zuflog, befanden wir uns bereits auf der Flucht in den Sandkasten oder zur Hausmauer zwischen den Fenstern, wo uns die Angestellten nicht sehen konnten, wenn sie erschreckt und wütend durch die vibrierende Scheibe mit dem Ballabdruck starrten. „Junger Unfug (Folge 14): Fenster und Bilder“ weiterlesen
(periphere Notate): Vernichtet die Feinde von Demokratie!
Das Getöse um die Zensur- und Verbotsforderungen des schleswig-holsteinischen Machthabers Daniel Günther gegen unliebsame Medien und die folgende Lügenkomödie des Moderators Lanz („Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Hat er nicht gesagt! Fake News!“) wirkt für Beobachter außerhalb der „ÖRR“-Blase seltsam und unwirklich. Weil es in einem Land, einer Situation und Stimmung stattfindet, in denen derartiges eigentlich längst als normal, im Kern der Blase gar als wünschenswert akzeptiert ist – wie viele oder alle Elemente der offen diktatorischen Politik der Herrschenden, etwa Ein- und Ausreiseverbote, Kontokündigungen und Versuche der finanziellen, sozialen und physischen Vernichtung von Regimekritikern und -gegnern, die willkürliche juristische Verfolgung von Ärzten und Medizinern, die (meistenteils stillen) Widerstand gegen Absurditäten wie Maskenzwang und „Impf“-Pflicht leisteten, sowie die Abschaltung, Löschung und Sperrung eben jener unliebsamen Medien.
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… und noch ein bisserl Reklame!
… für lebendige Vorträge spaßiger und weniger spaßiger Texte und Klänge.
Ein bisserl Reklame …
… für ein Buch und ein Gespräch mit einem wundervollen Menschen, das auch ohne Buch sehr erfreulich gewesen wäre.
Reisen im Regal (25)
Die Zukunft, die heute in Europa bevorsteht, ist die einer säkularen Implosion des Gesellschaftsvertrags der kapitalistischen Demokratie im Übergang zu einem auf fiskalische Disziplin verpflichteten internationalen Konsolidierungsstaat. Dieser macht es nötig, zwischen Wirtschaft und Politik eine chinesische Mauer – im Jargon der Finanzwirtschaft: eine fire wall – einzuziehen, die es den Märkten gestattet, ihre Version von Gerechtigkeit unbehelligt von diskretionären politischen Eingriffen zur Geltung kommen zu lassen. Die dafür erforderliche Gesellschaft muß eine hohe Toleranz gegenüber wirtschaftlicher Ungleichheit aufweisen. Ihre ausgekoppelte Überschußbevölkerung muß gelernt haben, Politik als Unterhaltung der Mittelschicht anzusehen, von der sie nichts zu erwarten hat.
Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus (2015)
(periphere Notate): eine klitzefitzekleine Lektion für den Schlitzer
Achtung, plakativ: Deutschlands Probleme lassen sich in etwa so zusammenfassen, daß die Armut ein unerträgliches Maß erreicht hat, Menschen hungern, frieren und auf der Straße leben, Firmen pleitegehen, Kommunen und Städte pleite sind und das ganze Land außer Schulden und einer weitgehend kaputten Infrastruktur nichts mehr hat. So ungefähr. Das sind aber, wenn man dem irren Kriegshampel Kiesehitler folgt, nicht die wahren Probleme.
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REPLAY: Der innere Nazi … und seine ewige Wiederkehr (März 2024)
Ein ungeordnetes Stück Gartenpsychologie über Generationen und ihren Wiederholungszwang, das nach wie vor aktuell sein dürfte. „REPLAY: Der innere Nazi … und seine ewige Wiederkehr (März 2024)“ weiterlesen
(periphere Notate): übrigens übrigens übrigens
In den meist sehr kalten ersten Tagen des Jahres, die 2026 trotz „Erderwärmung“ noch mal ein bisserl kälter ausfallen als gewohnt, ist es für gewöhnlich üblich, daß sich die aus traditionellen Gründen „Parteien“ genannten Herrschaftsorganisationen des Kapitals zu „Klausuren“, „Dreikönigstreffen“ und ähnlichen Veranstaltungen versammeln. Heraus kommt dabei nie mehr als ein paar Slogans, die angeblich dazu dienen sollen, Deutschland oder die Welt oder deren Bevölkerung „regierbar“ beziehungsweise „durchregierbar“ zu machen.
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Krach & Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Thin Lizzy „Vagabonds of the Western World“ (November 2010)

Eine Grunderfahrung der Rock-’n’-Roll-Generation: der Impuls, in die Knie zu gehen, der Welt mit einem trotzigen Grinsen die Faust entgegenzurecken und irgendeine sinnfreie Parole auszustoßen, „Yeah!“ oder „I’m a Rocker!“ oder so etwas. In solch lächerlichem Betragen (noch lächerlicher in der späteren Variante als „Luftgitarrenspiel“) einen späten Ausfluß der Klassenkämpfe der Nachkriegszeit zu sehen, mag ebenfalls lächerlich sein, aber es spricht einiges dafür – in Großbritannien, das den Krieg besonders schwer verloren hatte, tobte das Phänomen von Beat bis Punk besonders heftig (während es in den USA zwar schlimm aussah, aber immer in der Nähe des sicheren Country-Hafens blieb), und das alte Establishment wird schon gewußt haben, wieso es die Sache unbedingt zum Generationenkonflikt umdeuten wollte. „Krach & Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Thin Lizzy „Vagabonds of the Western World“ (November 2010)“ weiterlesen
Belästigungen 1/2026: Wenn der tote Baum fällt … erwacht das Leben
Die von dem Propagandasender NDR produzierte und ausgestrahlte Sendereihe „Die 100“ darf ohne Zweifel zum Bodensatz des ehemals öffentlich-rechtlichen Schwachsinns gezählt werden: zu den minderwertigsten Produkten, die der offensichtlich auf dem letzten Loch blasenden Bewußtseinsindustrie je entflutscht sind. Da tummelt sich in einer viel zu großen, angemessen düsteren Halle ein Häuflein von nummerierten Leuten, die mit verstaubten „Sommermärchen 2006“-Utensilien aus dem Tiefkeller so ausstaffiert und zugerichtet wurden, daß sie auf den ersten, zweiten und letzten Blick eher an die bemitleidenswerten Teilnehmer einer experimentellen Studie zur Gehirnamputation erinnern als an die früher mal so gerne beschworenen „mündigen Bürger“, läßt sich von armseligen Animateuren – unter anderem einem als Pleitegeier verkleideten Komparsen, der zu allem Überfluß den Namen „Schlandi“ trägt – dazu aufpeitschen, sinnloses, schlappes Synchrongehampel darzubieten und auf Kommando zur Beschallung mit dem Schlagerrudiment „Oh, wie ist das schön!“ mit den Armen herumzufuchteln, und verfolgt mit fassungslosen Visagen die vorgeführten Anlässe für den erbärmlich inszenierten Jubel: Deutschland sei insgesamt und total toll – und werde, das muß man sich dazudenken, diesmal dann aber endlich doch den Russen bezwingen und den Ami, den Chinesen und den Rest der Welt gleich dazu –, und gezeigt werden als strahlende Beispiele ausgerechnet die (vorläufig angeblich nur) 500 Milliarden Sonderschulden, die der Blackrock-Wackeldackel Merz per Kriegsvorbereitung seinen Befehlshabern aufs berstende Konto pumpt und die die armen Vorzeigetrottel beziehungsweise ihre Kinder und Kindeskinder bis an ihr jeweiliges Lebensende abstottern müssen. Und als Kirsche auf diesem Sahnehäubchen der dreisten Publikumsverhöhnung gibt’s noch ein zweites Argument: ein „Image“-Portrait der Biontech-Verbrecher Sahin und Türeci, wegen „Innovation“ und „Patente“ und so weiter – was die wenigen noch immer vor den Glotzkisten ausharrenden Opfer des Giftschmutzes, mit dem die beiden Milliarden „gemacht“ haben, sicherlich ganz besonders freut. „Belästigungen 1/2026: Wenn der tote Baum fällt … erwacht das Leben“ weiterlesen
REPLAY: „Mehr Schrumpfung wagen?“ (März 2024)
Ein paar ungeordnete Gedanken über Ulrike Hermann und ihre Vorstellungen vom Ende des Kapitalismus (oder seiner Überwindung), die wenig an Aktualität verloren haben. „REPLAY: „Mehr Schrumpfung wagen?“ (März 2024)“ weiterlesen
