Reisen im Regal (25)

Die Zukunft, die heute in Europa bevorsteht, ist die einer säkularen Implosion des Gesellschaftsvertrags der kapitalistischen Demokratie im Übergang zu einem auf fiskalische Disziplin verpflichteten internationalen Konsolidierungsstaat. Dieser macht es nötig, zwischen Wirtschaft und Politik eine chinesische Mauer – im Jargon der Finanzwirtschaft: eine fire wall – einzuziehen, die es den Märkten gestattet, ihre Version von Gerechtigkeit unbehelligt von diskretionären politischen Eingriffen zur Geltung kommen zu lassen. Die dafür erforderliche Gesellschaft muß eine hohe Toleranz gegenüber wirtschaftlicher Ungleichheit aufweisen. Ihre ausgekoppelte Überschußbevölkerung muß gelernt haben, Politik als Unterhaltung der Mittelschicht anzusehen, von der sie nichts zu erwarten hat.
Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus (2015)

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(periphere Notate): eine klitzefitzekleine Lektion für den Schlitzer

Achtung, plakativ: Deutschlands Probleme lassen sich in etwa so zusammenfassen, daß die Armut ein unerträgliches Maß erreicht hat, Menschen hungern, frieren und auf der Straße leben, Firmen pleitegehen, Kommunen und Städte pleite sind und das ganze Land außer Schulden und einer weitgehend kaputten Infrastruktur nichts mehr hat. So ungefähr. Das sind aber, wenn man dem irren Kriegshampel Kiesehitler folgt, nicht die wahren Probleme.

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(periphere Notate): übrigens übrigens übrigens

In den meist sehr kalten ersten Tagen des Jahres, die 2026 trotz „Erderwärmung“ noch mal ein bisserl kälter ausfallen als gewohnt, ist es für gewöhnlich üblich, daß sich die aus traditionellen Gründen „Parteien“ genannten Herrschaftsorganisationen des Kapitals zu „Klausuren“, „Dreikönigstreffen“ und ähnlichen Veranstaltungen versammeln. Heraus kommt dabei nie mehr als ein paar Slogans, die angeblich dazu dienen sollen, Deutschland oder die Welt oder deren Bevölkerung „regierbar“ beziehungsweise „durchregierbar“ zu machen.

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Krach & Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Thin Lizzy „Vagabonds of the Western World“ (November 2010)

Eine Grunderfahrung der Rock-’n’-Roll-Generation: der Impuls, in die Knie zu gehen, der Welt mit einem trotzigen Grinsen die Faust entgegenzurecken und irgendeine sinnfreie Parole auszustoßen, „Yeah!“ oder „I’m a Rocker!“ oder so etwas. In solch lächerlichem Betragen (noch lächerlicher in der späteren Variante als „Luftgitarrenspiel“) einen späten Ausfluß der Klassenkämpfe der Nachkriegszeit zu sehen, mag ebenfalls lächerlich sein, aber es spricht einiges dafür – in Großbritannien, das den Krieg besonders schwer verloren hatte, tobte das Phänomen von Beat bis Punk besonders heftig (während es in den USA zwar schlimm aussah, aber immer in der Nähe des sicheren Country-Hafens blieb), und das alte Establishment wird schon gewußt haben, wieso es die Sache unbedingt zum Generationenkonflikt umdeuten wollte. „Krach & Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Thin Lizzy „Vagabonds of the Western World“ (November 2010)“ weiterlesen

Belästigungen 1/2026: Wenn der tote Baum fällt … erwacht das Leben

Die von dem Propagandasender NDR produzierte und ausgestrahlte Sendereihe „Die 100“ darf ohne Zweifel zum Bodensatz des ehemals öffentlich-rechtlichen Schwachsinns gezählt werden: zu den minderwertigsten Produkten, die der offensichtlich auf dem letzten Loch blasenden Bewußtseinsindustrie je entflutscht sind. Da tummelt sich in einer viel zu großen, angemessen düsteren Halle ein Häuflein von nummerierten Leuten, die mit verstaubten „Sommermärchen 2006“-Utensilien aus dem Tiefkeller so ausstaffiert und zugerichtet wurden, daß sie auf den ersten, zweiten und letzten Blick eher an die bemitleidenswerten Teilnehmer einer experimentellen Studie zur Gehirnamputation erinnern als an die früher mal so gerne beschworenen „mündigen Bürger“, läßt sich von armseligen Animateuren – unter anderem einem als Pleitegeier verkleideten Komparsen, der zu allem Überfluß den Namen „Schlandi“ trägt – dazu aufpeitschen, sinnloses, schlappes Synchrongehampel darzubieten und auf Kommando zur Beschallung mit dem Schlagerrudiment „Oh, wie ist das schön!“ mit den Armen herumzufuchteln, und verfolgt mit fassungslosen Visagen die vorgeführten Anlässe für den erbärmlich inszenierten Jubel: Deutschland sei insgesamt und total toll – und werde, das muß man sich dazudenken, diesmal dann aber endlich doch den Russen bezwingen und den Ami, den Chinesen und den Rest der Welt gleich dazu –, und gezeigt werden als strahlende Beispiele ausgerechnet die (vorläufig angeblich nur) 500 Milliarden Sonderschulden, die der Blackrock-Wackeldackel Merz per Kriegsvorbereitung seinen Befehlshabern aufs berstende Konto pumpt und die die armen Vorzeigetrottel beziehungsweise ihre Kinder und Kindeskinder bis an ihr jeweiliges Lebensende abstottern müssen. Und als Kirsche auf diesem Sahnehäubchen der dreisten Publikumsverhöhnung gibt’s noch ein zweites Argument: ein „Image“-Portrait der Biontech-Verbrecher Sahin und Türeci, wegen „Innovation“ und „Patente“ und so weiter – was die wenigen noch immer vor den Glotzkisten ausharrenden Opfer des Giftschmutzes, mit dem die beiden Milliarden „gemacht“ haben, sicherlich ganz besonders freut. „Belästigungen 1/2026: Wenn der tote Baum fällt … erwacht das Leben“ weiterlesen

(periphere Notate): … und „dann“?

Kurz vor dem Jahreswechsel mehr oder weniger zufällig vom Tod eines alten Freundes zu erfahren, hat bei aller nicht zu vermeidenden Gewöhnung an solche Vorfälle eine niederschmetternde Wirkung. Das liegt wenig an den Umständen, auch nicht mehr an der fehlenden Erwartung (er war elf Wochen jünger als ich), nicht an dem schäbigen Nachruf seines ehemaligen Arbeitgebers, sondern vor allem daran, daß ich (ohne es zu merken) auf etwas gehofft und es (ohne es zu merken) als unvermeidlich vorausgesetzt hatte.

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