The Monkees: Das anarchistische Marionettentheater

Die Beatles waren an allem schuld: Ihr kometenhafter Erfolg und vor allem Richard Lesters Film „A Hard Day’s Night“ brachten die Hirne der US-amerikanischen Musik- und Filmindustrie zum Rattern. Daß sich dann ausgerechnet die Durchgeknalltesten davon sammelten, war Zufall und führte zur vielleicht irrsten, wirrsten, genialischsten und schrägsten Geschichte, die die Popwelt je erlebt hat. „The Monkees: Das anarchistische Marionettentheater“ weiterlesen

Belästigungen 25/2019: Post, Post-Post und andere verschwindende Dinge

Wenn man hört, was „Kulturkritik“ und Feuilleton so in die Welt blasen, stellt man fest: Wir leben im Postzeitalter. Wir sind postmodern, postindustriell, postpolitisch, postfaktisch, postironisch, posterotisch, postdies und postdas – man braucht nur vor jedes beliebige Wort, mit dem wir unsere Befindlichkeiten umreißen möchten, ein „post“ zu bappen, schon ist man ziemlich nah dran am Konsensgeschwätz und fühlt sich betroffen.

Ich finde: Man kann da noch einen Schritt weiter gehen. In Wirklichkeit leben wir im Postdasein, in der Postwelt. Der Mensch ist buchstäblich nicht mehr da, zumindest nicht auf der Welt. „Belästigungen 25/2019: Post, Post-Post und andere verschwindende Dinge“ weiterlesen

40 Jahre, 13 Tage (The Clash: „London Calling“)

Es gibt einige große Rockalben, die auch abseits der Musik und ihrem Anhangsapparat von Trends, Einflüssen, Querbeziehungen und stilistischen Entwicklungen die Welt verändert haben, aber wahrscheinlich keines so gründlich wie London Calling (vielleicht noch die erste Elvis-LP, die das Cover zitiert). Und keines hat eine so abenteuerliche, anekdotenreiche, irrwitzige und signifikante Entstehungs- und Wirkungsgeschichte wie dieses, das (damit wir das gleich hinter uns haben) der US-„Rolling Stone“ zum größten Rockalbum der Achtziger ernannte, obwohl es 1979 erschienen ist. „40 Jahre, 13 Tage (The Clash: „London Calling“)“ weiterlesen

Riesig! (und ewig)

Der 28. April 1975 war ein luftig-schöner Tag, aber solche Tage gibt es viele in einem Kinderleben, und nur die wenigsten davon bleiben fünfundzwanzig Jahre lang im Gedächtnis wie ein ungeschickt geschnittener Super-8-Film. An diesem Tag machte ich eine Begegnung, die ich lange herbeigesehnt hatte, ohne es zu wissen (das sind die intensivsten Begegnungen!). „Riesig! (und ewig)“ weiterlesen

Belästigungen 24/2019: Achtung, diese Seite ist leer (und warum?)!

Framing ist eine ziemlich fiese Sache. Vor allem weil man merkt, wie klein das eigene Hirn eigentlich ist: Wenn da erst mal alle Regale voll sind mit Brexit, Elektroautos, Hongkong und Klimakrise, dann ist halt nichts mehr frei für MeToo, Waldbrand, Chile, Bolivien und Bienensterben. Dann denkt nicht mal an Halloween jemand dran, den Deckel zuzunageln, aus dem der untote Friedrich Merz schon wieder herauskriechen möchte, und selbst der TSV 1860 müßte schon mit fünf Punkten Rückstand am Tabellenende stehen, damit man sich eine halbe Sorge macht. „Belästigungen 24/2019: Achtung, diese Seite ist leer (und warum?)!“ weiterlesen

Der letzte der aufrechten Verlierer (ein Nachruf auf Joe Strummer)

Sommer 1976, ein Nachmittag auf der Londoner King’s Road: Drei junge (neunzehn, zwanzig, einundzwanzig) Burschen, frisch verpackt in die Punk-Mode des Tages, treffen einen etwas älteren Burschen (vierundzwanzig); man kommt ins Plaudern – “Hey, wir sind eine Band und suchen einen Sänger, willst du nicht mal vorbeikommen?” – und ein paar Tage später erlebt London (ohne es zu ahnen) die Geburtsstunde der größten Rock-‘n‘-Roll-Band aller Zeiten. Alte Geschichte, oft erzählt, auch von den Beteiligten selbst. Nur leider nicht wahr.

„Der letzte der aufrechten Verlierer (ein Nachruf auf Joe Strummer)“ weiterlesen

Belästigungen 23/2019: Menschheit, Menschlichkeit und der große Knall

Es ist manchmal schwer mit den Begriffen. Zum Beispiel dieses Teil fürs Klo, bei dem man dann, wenn man es braucht, nie weiß, wie es heißt. Hinterher fallen einem tausend Namen dafür ein, Pömpel, Fluppi, Strempfler, Plunscher, Planscher, Plömpel, Plöppel, Prömpel und so weiter – aber wenn man einmal „Pimmel“ sagt, ist man schlagartig in einer ganz anderen Geschichte.

Schlimmer ist es bei Begriffen, die von Haus aus zweideutig sind, wie das englische Wort „humanity“. Das heißt „Menschheit“, aber auch „Menschlichkeit“, weshalb beim Übersetzen mal was daneben gehen kann. Dann kommt ein so grundfalscher und dummer Schmarrn wie „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ heraus, und weil der Mensch ein Plappertier ist, plappert er den nach und fragt sich gar nicht erst, ob das nicht ein Riesenquatsch und jedes Verbrechen generell ein Verstoß gegen die Menschlichkeit ist (was aber auch nur stimmt, wenn man eine bestimmte Form von Menschlichkeit meint und nicht die allgemeine, die etwa in dem Sprichwort „Irren ist menschlich“ drinsteckt). „Belästigungen 23/2019: Menschheit, Menschlichkeit und der große Knall“ weiterlesen

Belästigungen 22/2019: Alle Wege des Aberglaubens führen nach Rom

Es ist kaum etwas so hartnäckig wie ein Aberglaube. Wenn man den mal hat, geht er nicht mehr weg, weil er sich seine eigenen Denkwege ins Gehirn gräbt und alle Gedanken irgendwie da hineinverführt, und dann steht man oft da und muß selber lachen über die eigene Blödheit, weil man schon wieder auf den Schmarrn hereingefallen ist.

Wenn man in der Lage ist, über sich selbst zu lachen. Manche Leute können das von Haus aus nicht, weil der Aberglaube nicht nur Tunnels für Gedanken gräbt, sondern auch Mauern baut und Dämme aufschüttet.

Zum Beispiel gibt es im 21. Jahrhundert immer noch Menschen, die glauben, man könne Straßen, Stadtviertel, ganze Städte „entlasten“. „Belästigungen 22/2019: Alle Wege des Aberglaubens führen nach Rom“ weiterlesen

Lebensplatten #001: Yes „Tales From Topographic Oceans“

Der 12jährige schrieb in sein Tagebuch: „Heute wurde ich von einer Platte gepackt.“ Rausch- und Wahnsinnssymptome habe die Musik bei ihm hervorgerufen, was a) ungeheuer erstrebenswert gemeint war (man schrieb die mittleren 70er, man!), b) schon was heißen wollte, nachdem man sich über Monate durch Deep Purple, Emerson, Lake & Palmer und diverse Deutschrock-Abstrusitäten gearbeitet hatte, und c) selbstverständlich einer Mischung aus Hysterie und Selbsthypnose entsprang. „Lebensplatten #001: Yes „Tales From Topographic Oceans““ weiterlesen