(periphere Notate): Dann blitzt es, und alle schauen wie Autos

Der Schlafwandler unterscheidet sich vom Wandler dadurch, daß er nicht weiß, was er tut. Dem politischen oder historischen Schlafwandler ist von beiden etwas eigen: Er kann nicht wissen, was er tut, weil er – aktiv – ja nichts tut (außer mitzutun, was ihm aber als Tun nicht bewußt werden kann, so wenig wie die Verrichtungen seiner Niere). Es wird indes in seinem Namen so einiges getan, was er als „Souverän“ der (in seinem Namen!) Handelnden schon wissen könnte, wenn er es wissen wollte. Aber das will er nicht, weil er dann vielleicht etwas tun müßte, womöglich etwas, um das zu verhindern, was (in seinem Namen!) getan wird. Weil er ahnt, daß es um Verbrechen geht – nicht einfach nur Verbrechen wie Raub, Mord und Brandstiftung, sondern deren tausend-, hunderttausendfache Begehung im Rahmen eines Menschheitsverbrechens namens Krieg.

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(periphere Notate): Die Nazis und ihre Parteien (und die dagegen)

Die „Nazipartei“ (S. Esken, SPD), also: die Partei der „Nazis“ (L. Klingbeil, SPD) hatte den Plan, in der Essener Grugahalle einen Parteitag abzuhalten. Parteien tun so etwas: Sie tagen, setzen sich also zusammen, wählen sich in irgendwelche Posten, halten Reden, feiern sich öffentlich, zeigen, wie toll sie sind, und hoffen, daß sich von dem ganzen Firlefanz möglichst viel in den Medien niederschlägt.

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(periphere Notate): Kürbis, Flut und Strackula (die sowieso)

Es wird zu selten bedacht, daß Macht kein Zustand ist, sondern ein Prozeß. Er besteht in der fortlaufenden Aneignung des Eigentums vieler durch wenige. Beim Menschen mündet er immer automatisch irgendwann in die Selbstvergöttlichung: Der Mächtige hält sich für einen Gott (oder wird dafür gehalten). Das galt für Julius Caesar, Augustus, selbst den Spießer Tiberius, den Deppen Claudius, Nero und so weiter, für Ludwig XIV., Napoleon, Hitler, Musk und Gates. Der Transhumanismus ist nichts recht viel anderes als die Apotheose. Er könnte aber auch in der Apocolocyntosis enden, der „Verkürbisung“, die dem Philosophen Seneca zufolge den erwähnten Claudius nach seinem Tod ereilte und deren irdischer Teil mit seinen letzten Worten endete: „Weh mir! Ich glaube, ich habe mich angeschissen.“

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(periphere Notate): Haltung zeigen! Position beziehen! (der ganze „rechte“ Salat und seine Sauce und das Ende von allem)

Die Ukraine hat keinen Präsidenten mehr. Und zwar schon seit einiger Zeit – je nachdem, wann dieser Text erscheint, seit zwei, drei Wochen oder schon länger. Seltsamerweise ist das (anscheinend) niemandem aufgefallen von den grandiosen deutschen Politik- und Medienmöpsen, die andere, ordnungsgemäß gewählte Präsidenten so gerne als „Diktatoren“, „Autokraten“ und „Machthaber“ bezeichnen. Darauf hingewiesen hat zuletzt der russische „Diktator/Autokrat/Machthaber“, der in rechtlichen Fragen bekanntlich penibel ist und sich öffentlich fragte, mit wem in der Ukraine er eigentlich verhandeln soll. Zur Zeit steht ihm dafür laut ukrainischer Verfassung nur der Parlamentspräsident zur Verfügung.

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Belästigungen 6/2024: „Die Wissenschaft“ rettet das Universum (nicht)!

Ohren haben den großen Nachteil, daß man sie im Gegensatz zu den Augen nicht schließen kann. Was auch immer in unmittelbarer Umgebung ertönt, dringt ungehindert hinein, und elektrische Geräte sorgen dafür, daß die in der Ferne hervorgebrachte Propagandabotschaft mindestens mittelbar wird. Die Augen hingegen macht man zu, wenn ein Anblick allzu schwer erträglich wird. Der Vorteil ist jedoch ein geringer; er wirkt nur, wenn man still am Ort verharrt. Wer zum Beispiel über die Münchner Freiheit spaziert und vom Geschrei und Geblök der gedruckten Propaganda verschont bleiben möchte, hat als unerfahrener Teilzeitblinder kaum eine Chance, Unfälle zu vermeiden. „Belästigungen 6/2024: „Die Wissenschaft“ rettet das Universum (nicht)!“ weiterlesen

Reisen im Regal (11)

Denn was ich zu tun habe! In meinen vier Bezirkshauptmannschaften fallen – von meinen übrigen Arbeiten abgesehen – wie betrunken die Leute von den Gerüsten herunter, in die Maschinen hinein, alle Balken kippen um, alle Böschungen lockern sich, alle Leitern rutschen aus, was man hinauf gibt, das stürzt hinunter, was man herunter gibt, darüber stürzt man selbst: Und man bekommt Kopfschmerzen von diesen jungen Mädchen in den Porzellanfabriken, die unaufhörlich mit Türmen von Geschirr sich auf die Treppe werfen.
Franz Kafka an Max Brod (Sommer 1909)

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(periphere Notate): Barbarossa 2.0: Jetzt wird zurückgeschossen!

„Krieg: Jetzt feuern unsere Panzer auf Rußland“, meldet ein Münchner Boulevardblättchen am selben Tag, an dem zwei der größten Russenhasser der Welt – Habbels und Strackula – gleichzeitig in der Stadt gastieren möchten, um mit ihrem Hetzgeschrei schlechte Laune zu verbreiten. Zu ihrem Glück regnet es zum Zeitpunkt ihrer Auftritte seit knapp fünfzig Stunden durchgehend, was eine ganze Menge anständige Menschen abhalten wird, mit matschigen Tomaten und anderen Argumenten ihrer Meinung über derartige faschistische Provokationen Ausdruck zu verleihen.

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