(aus dem tiefen Archiv): Minimode und zugebundene Hosen (Juli 2002)

Wenn eine deutsche Mannschaft bei einer Welt- oder Europameisterschaft ausscheidet, ist der Jammer groß, denn eine Weltmeisterschaft ist für die Ewigkeit, und der Deutsche ist immer für die Ewigkeit; aber wer ausscheidet, dem ist die Ewigkeit verwehrt – es sei denn, er wird literarisch tätig, denn auch die Literatur ist für die Ewigkeit. Es sei denn, sie ist vergriffen. Das ist sie schnell, zumal in Deutschland, wo die Offsetmaschinen heißlaufen mit amerikanischem Krimikram und zumal in München, wo es eine Münchner Literatur und einen Münchner Verlag seit langem nicht mehr gibt und das eine im anderen sowieso nicht. „(aus dem tiefen Archiv): Minimode und zugebundene Hosen (Juli 2002)“ weiterlesen

4 Wochen Wahnsinn (Mai 2025)

Nachdem der russische Botschafter in Deutschland angekündigt hatte, trotz Ausladung durch die kommissarische Bundesregierung an den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen teilnehmen zu wollen, trompetete Axel Drecoll, Chef der Brandenburger Gedenkstätten, in deutsche Medien hinein, er werde „Putins Statthalter“ „in enger Abstimmung mit Sicherheitskräften“ notfalls gewaltsam hinausschmeißen lassen. Immerhin heißt der Chef des Sicherheitshauptamts nicht mehr Reinhard Heydrich. Der nämlich war vor allem darum bemüht, russische Untermenschen nicht etwa aus dem KZ hinauszuwerfen, sondern sie hineinzubringen, um sie dort einer Genickschußbehandlung zu unterziehen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, daß die aktuelle deutsche Politik ganz und gar nicht an die des Vorgängerreichs anknüpft. „4 Wochen Wahnsinn (Mai 2025)“ weiterlesen

(periphere Notate): Ein Kontinent unter der heiligen Acht

Ich bin gefragt worden, weshalb ich mich in letzter Zeit so selten schriftlich äußere und höchstens per Video ein paar launige Bemerkungen zu weniger wichtigen Geschehnissen veröffentliche. Ob ich etwa fürchte und vermeiden wolle, ebenfalls unter die Reichsacht zu fallen, wie es kritischen Autoren und Publizisten in letzter Zeit zunehmend geschehe, fragte einer, scherzhaft.

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Im Regal: Herman Bang „Sommerfreuden“

Daß in Extremsituationen das Leben intensiver sei, ist eine Binsenweisheit; erstaunlich jedoch, wie manchmal diametrale Extreme ineinander verschwimmen: fulminantes Lachen, das tiefste Trauer aufbricht, ein Wechselbad von Scham und Freude, leises Entsetzen, das im Amüsement herumbohrt wie ein Wurm.

Auch das Lesen wird durch solche Übersprünge intensiver. Zum (vielleicht) besten Beispiel in Herman Bangs Erzählung (oder Novelle oder Kurzroman) „Sommerfreuden“: Da irren und wimmeln Gestalten in grotesker, fast schon kafka-valentinesker Manier durch ein gerade noch in melancholischer Lähmung und vergeblicher Erwartung leerstehendes Gasthaus und bringen die Inhaber an den Rand des nervlichen und körperlichen Zusammenbruchs. „Im Regal: Herman Bang „Sommerfreuden““ weiterlesen

(periphere Notate): Da brennt ein Gaslicht, das keiner sieht

Die notorisch faschistoide Verfassungsfeindin und Kriegshetzerin Strackula „machte deutlich“, und zwar auf einem sogenannten „Ludwig-Erhardt-Gipfel“ einer „Weimer Media Group“: „Wir rüsten nicht auf, sondern wir machen uns verteidigungsbereit, und wer das nicht will, der sollte anfangen, Russisch zu lernen!“ Daß sie dabei Joseph Geobbels zitierte, ohne dies deutlich zu machen, sei ihr nachgesehen: Aus unerfindlichen Gründen ist es immer noch recht unpopulär, den Vordenker der derzeitigen deutschen Kriegspropaganda beim Namen zu nennen; seine sogenannten Gedanken werden indes eifrig geteilt.

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Reisen im Regal (19)

Deutschland 1960 – jeder Dritte vergleicht es mit dem Deutschland von 1933; was vor zehn Jahren als eine Ungeheuerlichkeit hätte abgewiesen werden müssen, wird heute schon als abgegriffene Münze beifällig weitergegeben. Professoren fliegen „wie damals“ aus Amt und Würden, Militärs gelten soviel wie Politiker, Sozialdemokraten sitzen in der Klemme zwischen den Kompromissen ihres Vorstandes und eigener Oppositionshaltung, die Verfassung gilt als manipulierbar und veränderlich, der Präsident ist erneut der supra-parteiliche Propagandist reaktionärer Programme, das Vertrauen in die Judikative ist zutiefst geschwächt, und noch ist kein Ende abzusehen von jener Kette aus zweitem Fernsehprogramm, einer Bundeswehrdenkschrift, einem Lücke-Plan, einer Speidel-Rede, einer Wehrpflichtnovelle und Gesetzesvorlagen in ministeriellen Schubfächern contra Presse, Parlament und Parteien.
Ulrike Meinhof: Notstand? Notstand! (1960)

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9783819278693

Bitte nicht wundern: Diese Zahl (9783819278693) ist eine ISBN-Nummer. Mein Buch „Was ist passiert?“ ist nun auch im „ganz normalen“ Buchhandel erhältlich, unter eben dieser Nummer.

Das heißt: Es ist bestellbar; vorrätig wird es niemand haben (falls doch: Bitte gerne bescheidsagen!). Und: Die Suche über die ISBN-Nummer ist die sicherste. Bei einigen bekannten Großkonzernen führt die Suche über meinen Namen oder den Titel zur Auskunft „Dieses Buch gibt es nicht“ …

Der Preis der „Sonderausgabe“ ist derselbe (34 Euro 99), auch das Buch ist das gleiche – lediglich das Format ist aus technischen Gründen ein kleines bißchen anders, was aber hoffentlich nicht (unangenehm) auffällt.

(periphere Notate): „Rechtsstaat“ „gegen Recht(s)“

Rechtsextrem – Verzeihung: „rechtsextremistisch“ – ist, wer eine gesamte Gesellschaft, einen Staat, ein Land aus seiner/ihrer Verfassung und Verfaßtheit herausreißen und in eine geführte Kriegsgemeinschaft verwandeln, sie sozusagen total durchmilitarisieren möchte. Dazu müssen Staatsbürger zu Soldaten gedrillt werden, wie das schon während der „Corona“-Kampagne geschah: Der „Krieg gegen das Virus“ erforderte „Folgebereitschaft“ (H. Bude), also absoluten Gehorsam, und wer sich unterordnete und im Gleichschritt mitmarschierte (in die „Impfzentren“), war ein guter Volksgenosse. Wer nicht mitmachte, wurde in einer beispiellosen Welle und Walze von propagandistischer Herabwürdigung, Beschimpfung, Ausgrenzung, Entrechtung und Unterdrückung „ausgestoßen“ und zum „Paria“ degradiert.

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Belästigungen 5/2025: Das ist nicht meine Regierung!

Ich weiß, die Überschrift dieser Kolumne hört sich so an, als trüge ich Eulen nach Athen – „Ja ja, du alter Quertreiber, das hätten wir ja nie gedacht, daß du mal wieder gegen alles bist, wie immer halt, gähn“ und so weiter. Die Diagnose ist zweifellos nicht unbegründet. Es ist aber schon ein bisserl mehr dazu zu sagen, gerade jetzt und gerade heute, unter anderem weil da ein paar Begriffe zu erläutern, Mißverständnisse zu klären und Irrtümer zu berichtigen sind. Ein Job für Sisyphos, auch das ist mir klar, aber ich habe gerade nichts besseres zu tun. „Belästigungen 5/2025: Das ist nicht meine Regierung!“ weiterlesen