Belästigungen 11/2022: Vom Nazi zur NATO – „Zeitgeist“ on Tour

Über den „Zeitgeist“ wurde während meiner späten Jugend viel geplappert. Ein kluger und witziger Professor veranstaltete sogar mal ein Seminar zum Thema „Fußball und Zeitgeist“ und bat mich um ein Referat. Das war ein großer Spaß, weil man unter „Zeitgeist“ damals so gut wie alles von Janet Jackson bis Anti-Atom, von Cybersex bis Naturkost und von Derrida bis Ferrari, Toskana und Basilikum verstehen konnte und verstand. Nur was ein „Zeitgeist“ überhaupt ist oder war, das verstand niemand und fragte auch keiner. „Belästigungen 11/2022: Vom Nazi zur NATO – „Zeitgeist“ on Tour“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Wenn der Hund beißt, hilft Tutsi-Tutsi auch nichts mehr (Belästigungen 21/2012)

Wer Geld braucht, kann sich, statt einer redlichen, aber öden und zeitraubenden Tätigkeit nachzugehen, zur Behebung des Mangels genausogut eine Einnahmequelle schaffen. Die Münchner Polizei bedient sich dazu gerne des Robin-Hood-Prinzips der Wegelagerei, wie sich anhand der Ampelanlage an der Kreuzung Belgrad-/Clemensstraße sehr typisch erweist: Die wurde vor einiger Zeit so umgeschaltet, daß Fußgänger und Radfahrer nun selbst mitten in der annähernd verkehrsfreien Nacht gefühlt stundenlang herumstehen; wenn ihnen dann endlich grünes Licht leuchtet und sie zur Überquerung schreiten, ist selbiges auch schon wieder rot und somit mindestens die Hälfte ihres Weges illegal zurückgelegt. „(Aus dem tiefen Archiv:) Wenn der Hund beißt, hilft Tutsi-Tutsi auch nichts mehr (Belästigungen 21/2012)“ weiterlesen

Belästigungen 10/2022: Der dunkle Gipfel der Angstmacht

Als ich in den Kindergarten kam, war das eigentlich recht lustig. Ich lernte neue Kinder kennen, neue Witze und neue Geschichten. Wir hauten uns auch mal die Köpfe blutig, wenn es um ein besonders begehrtes Matchboxauto oder die einzige Blechschaufel im Sandkasten ging. Alles recht harmlos, und wenn sich mal einer am rostigen Stacheldraht aufspießte und mit Blutvergiftung ins Krankenhaus mußte, war er automatisch zwei Stufen stärker und eine Art Held.

Aber dann kam der 5. Dezember. Da sagte mir jemand: Morgen kommt der Krampus! Ich fragte, was das sei, und erfuhr, es handle sich um eine Art unmenschliches, grausiges Ungeheuer, das die Kinder, die etwas angestellt hatten, mit Eisenketten verprügle, in einen Sack stecke und davontrage. Bislang sei noch kein solches Kind lebendig zurückgekehrt. „Belästigungen 10/2022: Der dunkle Gipfel der Angstmacht“ weiterlesen

Belästigungen 9/2022: Der Stich der toten Biene (eine Spätsommerschnurre)

Neulich bin ich von einer Biene gestochen worden und dabei auf einen interessanten Gedanken gekommen. Das ist ungewöhnlich. Ich werde oft von Bienen gestochen, weil ich im Sommer den ganzen Tag barfuß unterwegs bin, meistens in Wiesen, komme dabei aber selten auf andere Gedanken als „Aua!“ oder „Scheißdreck!“ Normalerweise nämlich sehe ich die Biene unter meinem nackten Fuß rechtzeitig, bevor ich drauftreten kann, vollführe dann eine meistens sehr ungeschickt stolpernde Ausweichbewegung, werde gestochen und denke „Aua!“ oder „Scheißdreck!“. Weil ich aber offenbar eine recht zarte Haut an den Füßen habe, zieht die Biene ihren Stachel wieder raus, fliegt davon, und wir sind beide froh, sie wohl mehr als ich, aber ich auch, weil ich nicht gerne irgendwas umbringe. „Belästigungen 9/2022: Der Stich der toten Biene (eine Spätsommerschnurre)“ weiterlesen

Belästigungen 8/2022: Schluß mit der Wählerei (und den Flöhen im Bauch)!

Wenn ich mir ab und zu – aus angemessener Entfernung – das anschaue, was die Knallchargen, die derzeit eine Art deutsche Regierung darstellen (!), so fabrizieren, fällt mir ein Sprichwort ein, das ich aus meiner Kindergartenzeit kenne und das auf uns damals möglicherweise auch zutraf: „Dumm und frech, das paßt zusammen!“

Allerdings waren wir Kinder. Eines unserer schlimmeren Vergehen war, auf dem Klo aus dem Wasserhahn zu trinken, weil man davon laut Auskunft von Fräulein Schreiber Flöhe im Bauch bekam. Wir hätten aber nie behauptet, die Flöhe im Bauch (die es wahrscheinlich gar nicht gab) würden sich durch exponentielles Wachstum asymptomatisch auch auf Nichtwassertrinker übertragen und dafür sorgen, daß bis Weihnachten Millionen Münchner Kindergartenkinder durch Flohbisse in der Magenschleimhaut qualvoll sterben müßten. So einen Schmarrn hätten selbst unsere Kindergartenfräuleins Deckenbach und Schreiber nicht verbreitet. „Belästigungen 8/2022: Schluß mit der Wählerei (und den Flöhen im Bauch)!“ weiterlesen

13 Thesen für asoziale Irre (revisited)

Wer von Armut und Reichtum redet, spricht – oft ohne es zu bemerken – von Arbeit. Eigenartigerweise nämlich hat sich die Menschheit, zumindest im sogenannten zivilisierten „Westen“ – der den „Osten“ mit umfaßt – im Laufe ihrer Geschichte (die man in dieser Hinsicht auch als Evolution bezeichnen darf) in zwei „Kasten“ aufgeteilt. Die eine besteht aus der weit überwiegenden Mehrheit der Menschen, die arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – eine absurde Umschreibung, deren Absurdität deutlich wird, wenn man sie leicht umformuliert: Diese Menschen müssen arbeiten, um zu „verdienen“, daß sie auf Erden leben dürfen. „13 Thesen für asoziale Irre (revisited)“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Belästigungen 3/1998: Wir wollen alles hören!

Neuerdings, so teilt man mir mit, gibt es in Deutschland einen sogenannten Großen Lauschangriff. Damit ist nicht etwa eine autonome Aktion geplagter Radiohörer gemeint, die sich zusammengetan haben, um den Idiotiesirup, der ihnen tagtäglich aus ihren Geräten entgegenbrandet wie aus einem Kuharsch, mal so richtig anzuhören und ihm dadurch die Larve vom Gesicht zu reißen. Nein. Das heißt auch nicht, daß unsere glorreiche Bundeswehr die kompaniedeckende Einführung von Hörgeräten angeordnet hat, damit die Herren Staatsbürger in Uniform die regelmäßigen Gastvorträge prominenter Neo- und anderer Nazis besser verfolgen können. Nein. „(Aus dem tiefen Archiv:) Belästigungen 3/1998: Wir wollen alles hören!“ weiterlesen

Belästigungen 5/2022: Vom stillen Verschwinden eines Telephons (und anderer Dinge)

Ich habe mein Mobiltelephon verloren. Das ist heutzutage wohl einer der normalsten Vorgänge der Welt und beunruhigt mich nicht sehr. Ich vermute, daß täglich Millionen von diesen Dingern verlorengehen. Mir ist das ja auch schon diverse Male passiert, und meist habe ich das Telephon bald darauf wiederbekommen oder gefunden. Ich bin (zumindest gefühlt) kein Online-Junkie, telephoniere äußerst selten und komme dank meinen jahrelangen Erfahrungen mit miserablen Netzen auch ganz gut mal ganze Tage ohne Verbindung zur vermeintlichen „Außenwelt“ aus. Zudem leben wir ja bekanntermaßen in einer lücken- und grenzenlos überwachten und kontrollierten Welt, in der eigentlich nichts wirklich verlorengehen kann. Früher hätte man in einem solchen Fall ziemlich viel Glück haben müssen. Allerdings konnte man früher kein Mobiltelephon verlieren, weil es so etwas nicht gab. „Belästigungen 5/2022: Vom stillen Verschwinden eines Telephons (und anderer Dinge)“ weiterlesen

(aus dem tiefen Archiv): Belästigungen 03/2005: Achtung, wer das liest, ist Bob Dylan!

Neulich kam das Gespräch auf Elfriede Jelinek. Das ist freilich Unfug, weil Gespräche so etwas (kommen und gehen) nicht tun, aber jetzt mal egal: „Igitt! Wer hat denn das dahergebracht!“ hieß es jedenfalls. „Der soll es gefälligst auch wieder wegschaffen!“ Dies erledigte ich, indem ich sagte, daß es Frau Jelinek wahrscheinlich gar nicht gibt. Es handle sich dabei in Wirklichkeit um Stephen Hawking. Das konnte Daniel Kehlmann bestätigen: beide, Hawking und Jelinek, seien zumindest noch nie gemeinsam photographiert worden. Ich stellte die These auf, es sei grundsätzlich jeder, der noch nie gemeinsam photographiert worden sei, identisch. Juli Zeh, die ansonsten gerne mal meine Sätze zu lang und verwurstelt und überhaupt findet, lachte hier, weil ihr gar nicht auffiel, daß dieser Satz so verwurstelt war, daß er sich – pliff! – in nichts auflöste. „(aus dem tiefen Archiv): Belästigungen 03/2005: Achtung, wer das liest, ist Bob Dylan!“ weiterlesen

Belästigungen 4/2022: Dein Held ist eine schrumpelige Zitrone!

Ohne Helden geht heutzutage gar nichts mehr. Das ist eigentlich schon ein bißchen verwunderlich, wenn man sich überlegt, wie das in unserer Jugend war: Wenn da einer mit einem „Sigurd“-Hefterl dahergekommen ist und sich im Rausch der Manipulationsverblödung mit seinem Holzschwert minutenweise selber für den germanischen Haudrauf gehalten hat, konnte es schon mal klingeln – im übertragenen Sinne: in den Ohren, von der mütterlichen Watschn.

Damals war es auch noch nicht sooo lange her, daß in praktisch jeder Familie einer oder zwei oder mehr Onkels und andere den „Heldentod“ gestorben sind. „Belästigungen 4/2022: Dein Held ist eine schrumpelige Zitrone!“ weiterlesen

Belästigungen 3/2022: In Zeiten der Kriege – Erläuterungen zu einem Ende

Der kanadische Professor und Buchautor Paul Robinson, bekannt für seine oft NATO-kritischen Versuche, „die andere“ (russische) „Seite“ – ebenfalls kritisch – verständlich zu erklären (was ihm logischerweise den ungerechtfertigten Vorwurf einbrachte, er sei als „Putin-Versteher“ automatisch auch ein „Putin-Verteidiger“), gab am 23. Februar in einem Blogeintrag bekannt, er werde im Falle eines tatsächlichen russischen Einmarschs in die Ukraine diesen Blog sofort und ohne weitere Erklärung nach acht Jahren beenden, weil es ihm nicht möglich sei, einen solchen Bruch des Völkerrechts und der Zivilisation auch nur scheinbar zu rechtfertigen.

Seine Argumente sind durch diesen kriegerischen Akt kein Jota weniger stichhaltig geworden, sie werden aber – auch das liegt in der Logik des Kriegs – nun selbstverständlich so umgekehrt, daß sie sich selbst diskreditieren. „Belästigungen 3/2022: In Zeiten der Kriege – Erläuterungen zu einem Ende“ weiterlesen

Was ist das „eigentlich“ für ein dummer Krieg?

„Am Mittwoch“, raunte es zuletzt aus dunklen Kanälen, „marschieren die Russen in der Ukraine ein! Diesmal endgültig!“

Ob sie das getan haben, kann ich noch nicht wissen – es ist Mittwoch, aber vielleicht noch zu früh für Kriege. Obwohl früher ja gerne schon um 5 Uhr 45 „zurückgeschossen“ wurde, aber der Mensch ist eben bequem geworden. Oder ist der „gefrorene Boden“, den russische Panzer verläßlichen Leitmedien zufolge zum Einmarschieren unbedingt brauchen, noch nicht gefroren genug? Hat die CIA mal wieder eine ganz geheime Geheimmeldung irgendwie falsch übersetzt? Steht da gar nicht „Mittwoch“, sondern „Sanktnimmerleinstag“ oder „Wie kommt die CIA immer wieder auf so einen Schmarrn“? „Was ist das „eigentlich“ für ein dummer Krieg?“ weiterlesen

Belästigungen 1/2022: Wo sind meine tausend Millionen?!

Daß die Welt ungerecht ist, wußten wir schon vor den Corona-Sanktionen, in deren Verlauf jedoch einige Dinge sich enorm verstärkt und beschleunigt haben. Oder vertieft oder verbreitert, zum Beispiel der berühmte „Graben“ zwischen der Masse der „Normalmenschen“ und dem kleinen Kreis der Milliardäre.

Da muß man vielleicht erst einmal was klären: Ein Milliardär ist jemand, der über einen privaten Geldberg (der meistens kein Berg ist und auch nicht in einem Geldspeicher gelagert wird, wo man drin herumplanschen könnte) von mindestens tausend Millionen Euro oder Dollar verfügt. Dann gibt es noch den Multimilliardär mit mehreren tausend Millionen und seit kurzem auch noch den Supermilliardär mit fünfzigtausend oder hunderttausend oder noch mehr Millionen. Eine Million Millionen hat meines Wissens noch keiner, aber das kann sich schnell ändern, und wenn man den Zaster dazurechnet, den der eine oder andere zwecks Steuerabzug in seiner pfiffigen „Stiftung“ parkiert hat, schaut das vielleicht schon anders aus. „Belästigungen 1/2022: Wo sind meine tausend Millionen?!“ weiterlesen

Belästigungen 14/2021: Was, wenn wir uns geirrt haben?

Ein Leser schrieb, freundliche Worte fände ich in letzter Zeit nur noch für Tiere und schrübe offenbar deswegen lieber über solche als über die schlimmen Menschen. Das könne er nachempfinden, weil es ihm (mit Ausnahme von Zecke und Mücke) ebenso gehe, allerdings nicht aus Menschenfeindlichkeit, sondern weil wahre Menschen heute selbst mit Diogenes’ Laterne nicht mehr aufzutreiben seien.

Da bin ich anderer Meinung. Zwar: Vom Marxisten bis zum Technofaschisten, vom Menschenfreund bis zum satanischen Ausbeuter, vom pädagogischen Idealisten bis zum grimmigen Militärmordplaner ist seit je her so gut wie niemandem der Mensch, so wie er ist, recht – alle wollten und wollen ihn pimpen, erweitern und insbesondere aufrüsten, um ihn „besser“ zu machen. „Belästigungen 14/2021: Was, wenn wir uns geirrt haben?“ weiterlesen