Manchmal denke ich gerne zwei oder drei Schritte voraus. Oder sagen wir: nicht gerne, aber ich kann es nicht verhindern. Zum Beispiel neulich sah ich ein Video, in dem ein offensichtlich gemeingefährlich wahnsinniges Rumpelstilzchen mit Naziwahn im nächtlichen Dunkel mit seiner Rotte oder Wehrsportgruppe oder wie man das heute nennt an der litauischen Grenze eine Art neogermanisches Fackelritual aufführte, das man für ein entgleistes Grillfest der Waffen-SS hätte halten können. Es gelang mir nur unter äußersten Verrenkungen sämtlicher Gehirngelenke und Phantasiemuskeln, zu begreifen, daß es sich dabei nicht um eine Comedy-Parodie handelte, sondern daß der übelvölkische Schabernack ernstgemeint war, und zwar als Einstimmung auf den dritten deutschen Krieg gegen Rußland innerhalb von hundertelf Jahren. Oder hundertzwölf oder vielleicht auch hundertsechzehn, da ist man sich im Führerhauptquartier wohl noch nicht ganz einig und bastelt noch an einem Vorwand, nachdem beim letzten Mal nur die Allerdümmsten den Quatsch mit dem angeblich geplanten und unmittelbar bevorstehenden Angriff Stalins auf die europäische Union des Gröfaz Hitler glauben wollten. „Belästigungen 12/2025: Ein übles Gespenst kehrt wieder“ weiterlesen
Belästigungen 11/2025: Größenwahn und Stadtbild (Achtung: Whataboutism!)
Donald Trump, so höre ich, ist mal wieder größenwahnsinnig geworden. Der seltsame Mann, den ein ehemaliger UN-Waffeninspekteur neulich als „dumm wie Dreck“ bezeichnete, den andere je nach Nachrichtenlage für genial bis faschistisch, nett bis idiotisch halten und den wohl deswegen niemand so recht verstehen will und soll, weil man ihn dann nicht mehr so toll als Buhmann der halben Welt verkaufen könnte, dieser eigentümliche Mann will nämlich einen Ballsaal bauen. Ans Weiße Haus hin, und so richtig protzig, nämlich „bis zu“ 300 Millionen Euro teuer (umgerechnet; er blecht selbstverständlich in Dollar, weil man dafür vielleicht noch ein bisserl länger etwas kriegt). „Belästigungen 11/2025: Größenwahn und Stadtbild (Achtung: Whataboutism!)“ weiterlesen
Belästigungen 10/2025: „Früher war alles besser?“ Heute auch!
Vor neunundzwanzig Jahren schrieb ich die erste Folge dieser Kolumne: „Belästigungen“, die Anfang Dezember 1996 in einem längst vergessenen Heftchen die letzte Seite füllte. Das ist zum Glück kein Jubiläum, sondern nur ein zufälliger Anlaß, sich zu besinnen und zu erinnern, wie man das so ungern und gerne zugleich tut in dieser Jahreszeit, wenn der Herbst – wie immer völlig unerwartet – von einem Tag auf den anderen einbricht und den fassungslosen Menschen vom schimmernden Isarstrand vor den knisternden Kaminofen vertreibt. „Belästigungen 10/2025: „Früher war alles besser?“ Heute auch!“ weiterlesen
Belästigungen 9/2025: Willkommen in der Anti-Realität!
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht: Ich bekomme hin und wieder das Bedürfnis, mal zu schauen, was die deutschen Staats- und Propagandamedien so verkünden. Und zwar ausdrücklich nicht deswegen, weil ich wissen möchte, was sich jenseits meines privaten Erlebens in der Welt so tut – davon kriege ich sowieso mehr mit, als ein zufriedenes Gemüt in einigermaßener Harmonie ertragen kann. Nein, ich schaue in das Zeug gelegentlich hinein, weil mich das, was ich da zu sehen, zu hören und zu lesen kriege, auf eine Art fasziniert, wie das früher nur bestimmte Comichefte hinbekamen, zum Beispiel Asterix, Lucky Luke, Clever & Smart und sowieso das Gesamtwerk von Carl Barks. „Belästigungen 9/2025: Willkommen in der Anti-Realität!“ weiterlesen
Belästigungen 7/2025: Niemand ist sicher, wenn alle sicher sind!
Als ich klein war, gab es keine Sicherheit. Das heißt: Manchmal sagte zwar ein Erwachsener etwas Hochgestochenes wie „Mit Sicherheit wirst du eine Watschn kriegen, wenn du so weitermachst!“, aber das war was anderes. Eine Ahnung dessen, was Sicherheit sein könnte, gab es höchstens medizinisch, weil wir als Kinder ja auch schon geimpft wurden, allerdings gegen Krankheiten, die es entweder gar nicht mehr gab oder von denen niemand wußte, was das eigentlich war, und insgesamt summierte sich diese vage Sicherheit auf ungefähr vier Impfungen, zu denen man immer irgendwie hingetrickst wurde, so ungefähr: „Komm, wir gehen ein Eis essen!“ „Belästigungen 7/2025: Niemand ist sicher, wenn alle sicher sind!“ weiterlesen
Belästigungen 6/2025: Im Antigleichschritt Marsch! – Deutschland wiederholt sich
Eine Anmerkung vorab: Das folgende ist eine Sammlung von Gedanken, nur teilweise geordnet, teils fragmentarisch, mäandernd, aber hoffentlich trotzdem wert, gelesen zu werden.
Am 3. Oktober 1941 meldete sich Adolf Hitler nach monatelangem Schweigen öffentlich zu Wort, im Berliner Sportpalast, zunächst ungewohnt verhalten, dann aber so, wie man ihn kannte: Der im Juni mit Verspätung – weil erst noch Jugoslawien zerschlagen werden mußte – begonnene Angriffskrieg gegen „die Russen“ sei unvermeidlich gewesen, um einem russischen Überfall zuvorzukommen, bellte er. In der Sowjetunion habe sich „gegen Europa eine Macht zusammengeballt, von der leider die meisten keine Ahnung hatten und viele auch heute noch keine besitzen“. Eine „einzige Waffenfabrik“ sei die UdSSR gewesen, eine „Waffenfabrik gegen Europa“. Ein „zweiter Mongolensturm“ habe gedroht! Diese Gefahr sei abgewendet worden, und die Nachwelt werde feststellen, daß damit eine „neue Zeitenwende“ begonnen habe. Auch diesen Kampf habe er nicht gewollt, er sei dazu gezwungen worden. „Belästigungen 6/2025: Im Antigleichschritt Marsch! – Deutschland wiederholt sich“ weiterlesen
Belästigungen 5/2025: Das ist nicht meine Regierung!
Ich weiß, die Überschrift dieser Kolumne hört sich so an, als trüge ich Eulen nach Athen – „Ja ja, du alter Quertreiber, das hätten wir ja nie gedacht, daß du mal wieder gegen alles bist, wie immer halt, gähn“ und so weiter. Die Diagnose ist zweifellos nicht unbegründet. Es ist aber schon ein bisserl mehr dazu zu sagen, gerade jetzt und gerade heute, unter anderem weil da ein paar Begriffe zu erläutern, Mißverständnisse zu klären und Irrtümer zu berichtigen sind. Ein Job für Sisyphos, auch das ist mir klar, aber ich habe gerade nichts besseres zu tun. „Belästigungen 5/2025: Das ist nicht meine Regierung!“ weiterlesen
(aus dem tiefen Archiv): Alles Neue ist doof und stinkt! (Belästigungen 4/2003)
Das allerwichtigste und superste an dem, was man einst „Leben“ nannte und heute „Wirtschaft“ nennt, gewissermaßen also das, was das Existieren überhaupt erst coolomat macht, ist die „Innovation“. Man möchte meinen, man wisse das ja schon: Es muß sich halt alles ab und zu erneuern, weil es alt und stinkig geworden ist. Falsch gedacht: „Innovation“ heißt nicht Erneuerung, sondern im Gegenteil Altundstinkigmachung. Zum Beispiel: Wenn das Bier aus ist, holt man ein neues. Das ist keine Innovation. Wenn man hingegen das Bier im Kühlschrank ignoriert und sich dafür was GANZ NEUES, nämlich ein innovatives, von einer Horde ekstatisch in der Gegend herumzappelnder Volltrottel in Reklamespots „vorgestelltes“ Industriezucker-Kunstaroma-Blubberlutsch mit angeblich zellerneuernden oder sonstwie dynamisierenden „Wirkstoffen“ und mordspeppigen Neonfarben usw. reintut und sich dabei topfit und fittop fühlt – dann wird das Bier im Kühlschrank sauer und zehn Jahre später hat man Krebs oder schaut aus wie ein amerikanischer Großstadt-Whopper und weiß nicht warum. Das ist eine Innovation. „(aus dem tiefen Archiv): Alles Neue ist doof und stinkt! (Belästigungen 4/2003)“ weiterlesen
Belästigungen 4/2025: Die Zeit der toten Städte
Der große italienische Kleindichter Luigi Malerba hat diese Anekdote überliefert: Da spazieren ein paar schweizer Touristen durch Rom und erfahren, die Straßen und Wege lägen heute vier Meter höher als früher, weil sich seit der Zeit der antiken Kaiser eine derartige Menge Schmutz, Dreck, Schutt und Müll angesammelt habe, daß sich die Stadt sozusagen über sich selbst erhoben habe.
Da sind die Schweizer entsetzt: So etwas sei in ihrer Heimat niemals möglich, nicht mal denkbar, weil man dort auf Sauberkeit achte! Ja nun, merkt die Fremdenführerin an, deshalb habe Rom ja auch eine Geschichte und die Schweiz – oder sagen wir: Zürich, Zug oder Luzern – eben nicht. Okay, das stammt von mir. Malerbas Fremdenführerin sagt: „Wir Römer mögen große Schweine sein, aber wir haben Rom erbaut – und ihr?“ „Belästigungen 4/2025: Die Zeit der toten Städte“ weiterlesen
Belästigungen 3/2025: Irgendwann muß doch einmal „Nie wieder!“ sein
Deutschland kann nicht militärisch verteidigt werden.
Man muß diesen Satz zweimal lesen, am besten laut, am besten in der Öffentlichkeit, vor vielen Menschen, denen man zuvor den Propagandakleisterpfropfen aus den Ohren entfernt hat:
Deutschland kann nicht militärisch verteidigt werden.
Der eine oder andere wird widersprechen, aber dies entweder weil der eine oder der andere nicht nachgedacht hat oder weil er nicht nachdenken kann, weil er dumm ist, verblödet durch den Propagandakleister, der in sein Hirn vorgedrungen ist und auch dort alles verkleistert. „Belästigungen 3/2025: Irgendwann muß doch einmal „Nie wieder!“ sein“ weiterlesen
Belästigungen 2/2025: Drei Akkorde gegen Massenmord
„Die nächste Revolution“, schrieb mir vor sieben Jahren (am 18. Januar 2018) ein alter Freund, „wird nicht von Musik ausgelöst. Eher von der Abwesenheit derselben.“
Heute, gut sieben Jahre später, ist mir das wieder eingefallen, weil mir etwas aufgefallen ist: Die Welt, in der wir heute leben, ist gezeichnet durch die Abwesenheit von Musik. Das heißt nicht, daß keine Musik zu hören wäre. Aber es ist keine Musik, die wir da hören, selbst wenn es sich um Musik handelt, die mal Musik war. Inzwischen ist sie das geworden, was man früher „Muzak“ nannte: belangloses Gedudel, das minutenlange Haft in einer Liftkabine erträglich machen, Supermärkte in wenigstens kurzzeitig bewohnbare Orte verwandeln und Lust auf wert- und sinnlose Produkte machen soll. Dazwischen findet stellenweise noch eine Behämmerung mit monotonen Geräuschschleifen statt, die aufgrund physiologischer Eigenheiten des Gleichgewichtsorgans Zuckungen der Gliedmaßen hervorruft. Und, das sei eingeräumt, es gibt richtig populäre Schlagersänger, die meist aussehen wie wandelnde Doppelwhopper ohne Friseur und eigenes Badezimmer, musikalisch wahlweise an die schlimmsten Momente von Christian Anders bzw. den Böhsen Hosen oder Toten Onkelz anknüpfen und dazu Selbstgeschriebenes absondern, das vor allem durch eine unverbrüchliche Untertanenmentalität, ein bisserl tumbe Partymachaufruferei und plumpe Parolen gegen Randgruppen und Außenseiter auffällt. Eine Revolution ist damit so wenig zu machen wie einst mit Heino, Freddy Quinn und dem James-Last-Orchester. „Belästigungen 2/2025: Drei Akkorde gegen Massenmord“ weiterlesen
Belästigungen 1/2025: Und jetzt: das Ganze noch mal von vorn?
Magie ist eine ganz eigenartige Kunst. Doch, eine Kunst! Ich weiß, unter diesem Begriff – „Kunst“, den mein alter Leistungskurslehrer Rudolf Emmer nach einem Blick auf meine Werke gerne mit dem Spruch „Kunst mir mal fünf Mark leihen!“ zu erklären pflegte –, darunter versteht man heute meist banales Geschmier oder ein paar Trottel, die auf einer Bühne milde Scherze über die deutsche Bahn absondern oder aktivistisch nachplappern, was die Regierung vorgeplappert hat, woraufhin ein gedrilltes Publikum grundlos lacht. Aber das war einmal anders, und aus diesen Zeiten, als Kunst noch etwas Wundervolles war, stammt auch die Magie, die ebenfalls eine Kunst ist. „Belästigungen 1/2025: Und jetzt: das Ganze noch mal von vorn?“ weiterlesen
Belästigungen 12/2024: Die Angst als Herrscher der Welt
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, daß es eine Sache gibt, die den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet? Diese eine Sache ist nicht die Sprache – da sind uns, was Präzision, Melodie und Poesie angeht, viele Viecher überlegen. Es ist auch weder Verstand noch Intelligenz, Vernunft oder – um mal was Moderneres zu nennen – Kreativität. Von all dem haben die meisten Pflanzen und Tiere mehr als genug und die meisten Menschen viel zu wenig. Es geht auch nicht um so einen Quatsch wie „Leistungsbereitschaft“ – die hat niemand, weder Pilz noch Wildsau und auch nicht das sogenannte „Menschenmaterial“, außer auf dem Papier diverser Pläne von Wirtschaftsberatungs- und Kapitalanlagekonzernen. „Belästigungen 12/2024: Die Angst als Herrscher der Welt“ weiterlesen
Belästigungen 11/2024: Warum wollt ihr unbedingt sterben?
Unter dem Begriff „Fatalismus“ konnte ich mir nie viel vorstellen, im Gegensatz zu anderen Wörtern mit lateinischer Wurzel, etwa Optimismus: Da erschien mir schon als kleinem Buben die (noch unsichtbare) Sonne hinter den Bergen, die mit Sicherheit aufgehen und mich wärmen würde, mochten Pessimisten noch so sehr beschwören, daß nun wahrscheinlich doch endlich mal aller Tage Abend eingetroffen und alles verloren sei – was manchmal indes ebenfalls recht charmant sein konnte, wenn man zum Beispiel beim Fußball null zu sechs verloren hatte, mit gesprengter Gelenkkapsel sowie zwanzig Donald-Duck-Heften auf dem Sofa lag und von schönem Wetter sowieso nichts gehabt hätte. Auch der Realismus ließ ein klares, scharf geschnittenes, selbst in düstersten Lagen inwendig leuchtendes Bild einer Welt aufscheinen, die vielleicht nicht die beste aller denkbaren, sicher aber besser als alle anderen möglichen Welten ist, wenn man sich auf sie einläßt und sich als wesentlichen Teil ihres Fortgangs begreift. „Belästigungen 11/2024: Warum wollt ihr unbedingt sterben?“ weiterlesen
Belästigungen 10/2024: Das „grüne“ Ende der Politik
Wenn sich die frühherbstliche Überdrußlähmung auf mein Hirn senkt und infolge der durch die Maroniernte begünstigten Dauersattheit auch dem Bauch keine empörte Inspiration mehr zu entlocken ist, lausche ich gerne Gesprächen an benachbarten Biergartentischen – auch weil infolge der nunmehr verfestigten, sozusagen ins Gesellschaftsgefüge eingewachsenen „Corona“-Ausgrenzung zufällige Plaudereien mit sogenannten „alten Freunden“ mangels sogenannter „alter Freunde“ nicht mehr möglich sind. „Belästigungen 10/2024: Das „grüne“ Ende der Politik“ weiterlesen
