(periphere Notate): Was gemeldet wahr, war ist.

Überdruß ist eine Taktik, um akuter Überflutung mit sinnloser Information zu begegnen. Es geht mir in den letzten Tagen und Wochen regelmäßig bis dauernd so: Ich öffne gewohnheitsmäßig Internetseiten, nehme irgendwas wahr, kopiere einen Teil davon heraus, weil ich vermute, daß mir dazu etwas einfällt, was ich gerne sagen möchte. Dazu habe ich dann aber doch keine Lust, weil die Sonne scheint und mir das, was ich sagen könnte, banal vorkommt und ich denke: Das habe ich doch schon tausendmal gesagt, und nicht nur ich. Notfalls sage ich es – im Wortsinn – ins Telephon hinein, als Video, das geht schneller; zudem sind die meisten Sachen, die mich zur Zeit beschäftigen (sollen), so geartet beziehungsweise banal, daß ihnen das sowieso besser entspricht.

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4 Wochen Wahnsinn (April 2026)

Ein deutscher Mensch mit dem Internationalnamen Whatafool (zu deutsch: „Welch ein Knallkopf“) schaffte Mitte April, was diverse Staatsdiplomaten zuvor vergeblich versucht hatten: den Konflikt um den Iran beizulegen. Auf X twitterte das im Rest der Welt unbekannte CDU-Mitglied: „Ich habe Iran aufgefordert, den Waffenstillstand einzuhalten und sich auf konstruktive Verhandlungen einzulassen sowie freie und sichere Schiffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.“ Daß des Knallkopfs Erfolg nur wenige Minuten lang ein bisserl spürbar war, lag daran, daß der Iran diese Forderungen längst erfüllt, Whatafool jedoch vergessen hatte, die USraelischen Aggressoren ebenfalls – wie man so sagt – zu „kontaktieren“. „4 Wochen Wahnsinn (April 2026)“ weiterlesen

Ein schönes (!) Buch!

Wir haben es schon länger angekündigt (und noch viel länger daran herumgewerkelt), jetzt ist es endlich da: das erste Jahrbuch des Wahnsinns – eine durch und durch satirische, dennoch nicht (nur) unernste Sammlung von Geschehnissen aus dem Jahr 2025, kommentiert von Franz Esser und mir. Wer die Sendung „4 Wochen Wahnsinn“ auf Radio München (immer am letzten Freitag im Monat) kennt und schätzt, wird sich freuen, daß im Buch nicht nur alle gesendeten, sondern dazu ein ganzer Haufen Beiträge (nach)zulesen sind, die aus Gründen der knappen Zeit nicht gesendet werden konnten. „Ein schönes (!) Buch!“ weiterlesen

(periphere Notate): Örr ist nicht der Ort für Begegnungen

Neulich habe ich zwei alte Freunde nach längerer Zeit wiedergesehen. Es war keine „gute“ Begegnung, nein, es waren zwei „nicht gute“. Sie haben mich nicht bemerkt, weil ich bloß auf einen Bildschirm gestarrt und ihnen dabei zugesehen habe, wie sie extrem schlechte und dumme Gagschreibergags aufsagen und sich dabei sichtlich unwohl fühlen mußten. Es war so schlimm, daß ich mich zum vielleicht ersten Mal unironisch fremdgeschämt habe.

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(periphere Notate): Das Ende von allem (vorerst)

Zwischenbemerkung: Am „Dritten Reich“ waren übrigens weiße Männer schuld. Hätte man 1933 alle weißen Männer ausgerottet, hätte es keinen zweiten Weltkrieg und keinen Holocaust gegeben. Ach so, das Ergebnis wäre ungefähr das gleiche gewesen?
Und mehr möchte ich zu der idiotischsten Ersatz-Täter-Opfer-Vertuschungs-Hysterie der letzten fünfzig Jahre nicht sagen. Es sei denn, die Amadeu-Antonio-Stiftung „weist“ nächste Woche „nach“ oder „darauf hin“ oder „prangert an“, daß bei allen Konflikten der letzten tausend Jahre Popper die Opfer und Punks die Täter waren. Oder umgekehrt. Dann könnte mich das wieder „interessieren“.

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Belästigungen 4/2026: Liebe deinen nächsten Staat, nie dich selbst!

Es ist eine seltsame Sache mit der Welt: Wenn man sie etwas genauer anschaut, sieht man sie nicht mehr. Schaut man hingegen nicht so genau hin, sieht man gar nichts und meint aber, etwas zu sehen, was man für die Welt hält.

Vor bald 93 Jahren – am 20. April 1933 – hatte im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt ein Stück Premiere, das in den folgenden Monaten ein singulär sensationeller Erfolg wurde, der so weit über den Bereich des Theaters hinausschwappte, daß dieser Bereich sozusagen nur noch ein Zehennagel am Leib des Phänomens war. Das Stück hieß „Schlageter“ und war streng genommen gar nicht als Theater konzipiert, sondern ausdrücklich politisch auf die gesamte Gesellschaft gerichtet, deren Umstülpung in eine neue Zeit hinein es als Massenphänomen gleichzeitig abbildete und vor allem befeuerte. Am Ende der Uraufführung erhob sich das Publikum – eine Art repräsentative Versammlung von Protagonisten und Mitläufern der intendierten (und auch so genannten) „Zeitenwende“ – zutiefst aufgewühlt und entflammt von den Plätzen und sang die Nationalhymne, nur minimal deplaziert, weil es eine Hymne des eigentlich gemeinten großeuropäischen Reichs halt noch nicht gab. „Belästigungen 4/2026: Liebe deinen nächsten Staat, nie dich selbst!“ weiterlesen