Überdruß ist eine Taktik, um akuter Überflutung mit sinnloser Information zu begegnen. Es geht mir in den letzten Tagen und Wochen regelmäßig bis dauernd so: Ich öffne gewohnheitsmäßig Internetseiten, nehme irgendwas wahr, kopiere einen Teil davon heraus, weil ich vermute, daß mir dazu etwas einfällt, was ich gerne sagen möchte. Dazu habe ich dann aber doch keine Lust, weil die Sonne scheint und mir das, was ich sagen könnte, banal vorkommt und ich denke: Das habe ich doch schon tausendmal gesagt, und nicht nur ich. Notfalls sage ich es – im Wortsinn – ins Telephon hinein, als Video, das geht schneller; zudem sind die meisten Sachen, die mich zur Zeit beschäftigen (sollen), so geartet beziehungsweise banal, daß ihnen das sowieso besser entspricht.
„(periphere Notate): Was gemeldet wahr, war ist.“ weiterlesen

Ein deutscher Mensch mit dem Internationalnamen Whatafool (zu deutsch: „Welch ein Knallkopf“) schaffte Mitte April, was diverse Staatsdiplomaten zuvor vergeblich versucht hatten: den Konflikt um den Iran beizulegen. Auf X twitterte das im Rest der Welt unbekannte CDU-Mitglied: „Ich habe Iran aufgefordert, den Waffenstillstand einzuhalten und sich auf konstruktive Verhandlungen einzulassen sowie freie und sichere Schiffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.“ Daß des Knallkopfs Erfolg nur wenige Minuten lang ein bisserl spürbar war, lag daran, daß der Iran diese Forderungen längst erfüllt, Whatafool jedoch vergessen hatte, die USraelischen Aggressoren ebenfalls – wie man so sagt – zu „kontaktieren“. 
Es ist eine seltsame Sache mit der Welt: Wenn man sie etwas genauer anschaut, sieht man sie nicht mehr. Schaut man hingegen nicht so genau hin, sieht man gar nichts und meint aber, etwas zu sehen, was man für die Welt hält.