(periphere Notate): Dem ohne Uns (und wie man da so lebt)

Die beliebte Frage „Leben wir in einer Demokratie?“ muß zum Verständnis umformuliert werden: Lebe ich in einer Demokratie? Weil es in einer Demokratie keine Rolle spielt, ob es ein „Wir“ (F. W. Steinkopf) überhaupt gibt. Zur Beantwortung der Frage teilt man sie am besten in drei Einzelfragen:
1. Habe ich irgendeine Möglichkeit, an politischen Entscheidungen und Prozessen mitzuwirken?
2. Gibt es jemanden, der diese Möglichkeit hat und mich repräsentiert?
3. Ist irgendein Amtsträger und/oder in der Staatsverwaltung tätiger Mensch an meinen Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen interessiert?

In meinem Fall lautet die Antwort auf alle drei Fragen eindeutig und ohne Einschränkungen: nein. Ich lebe also nicht in einer Demokratie, und falls andere dies doch tun sollten (oder es zumindest „glauben“), spielt das keine Rolle, weil eine Demokratie kein territoriales Phänomen ist. Wenn von fünf Menschen in einem Raum vier satt sind und einer hungert, bedeutet das nicht, daß der Raum satt ist (oder hungrig) oder daß die fünf Personen in einem Hunger leben.

Ich will das übrigens nicht beklagen. Sondern erweitern: So lange ich zurückdenken kann, habe ich noch nie in einer Demokratie gelebt; das gilt lokal, regional, auf Landes- und Bundesebene und sowieso im Rahmen des EU-Reichs. Der Einwand, ich hätte doch u. a. mit dem damaligen Münchner Bürgermeister Christian Ude drei, vielleicht vier Gespräche geführt, verfängt nicht: Die Gespräche dauerten jeweils höchstens wenige Minuten und betrafen Belanglosigkeiten (und nicht einmal dazu gab es brauchbare Antworten). Aber das Nichtleben in einer Demokratie bedrückt mich nicht und schränkt mich auch nicht fühlbar ein, im Gegenteil: Zusammen mit der absoluten Nichtbetroffenheit von Propagandamedien und irgendwelchen offiziellen und offiziösen Vorgängen entsteht daraus ein Gefühl der Leichtigkeit und Unabhängigkeit. Fast möchte ich hin und wieder meinen, es gebe da vielleicht doch eine Art Staat, dem ich irgendwie angehöre, der aber nichts mit dem EUropäischen, dem deutschen, dem bayerischen und dem Münchner Staat zu tun hat (außer daß diese „meinen“ Staat ignorieren, nicht anerkennen und bisweilen mehr oder weniger intensiv bekämpfen).

Während NATO und EU die nächsten Eskalationsschritte im Krieg gegen Rußland vorbereiten, tobt durch den deutschen „Medien“-Schlamm eine der kuriosesten Täuschungskampagnen seit langer Zeit. Worum es geht, will ich nicht wissen (irgendwas mit einem TV-Hampel, der gefälschte Nacktphotos seiner Exfrau an irgendwen geschickt hat oder haben soll, weshalb nun die „sozialen Kanäle“ vor Schimpf, Schande und inszenierter Erregung nur so überquellen und die einschlägigen „gegen Rächtz!“-Agenturen „Correctiv“-mäßige Demonstrationszüge gegen irgendwas „Toxisches“ mit Männern organisieren).

Worum es geht, weiß eigentlich jeder: Es geht um die prinzipiell und grundsätzlich verbotene Abschaffung der Anonymität im Internet. Der Trick ist, daß 99,999 Prozent derer, die das eigentlich wissen, es im Gebimmel und Getrommel vorübergehend (?) vollständig vergessen haben. Das läßt mich dann doch ziemlich staunen, aber vielleicht nur weil ich anderes zu tun hatte, den ganzen Karneval deswegen überhaupt nicht mitbekommen habe und er mich auch so nicht im geringsten interessiert. Auch nicht mehr als die üblichen Parolen der Fanatiker: „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“

Worum es auch geht, ist dies: Wenn künftig jeder (unverfänglich oder verfänglich) zeigefreudige Teenager und sonstige unbedarfte Mensch sich mit einem sogenannten „Klarnamen“ und einer digitalen ID im Internet zeigen muß, wird es eventuelle wirklich Böse zehn Minuten und sechs Euro kosten, per Melderegisterauszug deren Privatadresse rauszukriegen und sich was zu überlegen. Das gilt dann übrigens auch für allfällig politisch Unerwünschte.

Tausend Kilometer weit weg war ich, als in München nun tatsächlich der „grüne“ Kasperl in ein Amt gewählt wurde, das mich spätestens jetzt ebenfalls absolut nicht mehr tangiert und interessiert. Ich wünsche ihm viel Spaß beim Anzapfen im September, und ansonsten hoffe ich, ich kriege von seinem „Klima“-Gerammel so wenig wie nur möglich mit. Ist es übergriffig, ihn als wenigstens nettaussehend zu bezeichnen?

Daß sich der Mythos von den generell „defensiven“ Atomwaffen – heutzutage mit dem vollidiotischen Label „Schirm“ beklebt – seit achtzig Jahren hält, ist angesichts der Geschichte dieser Massenmordgeräte doch erstaunlich. Tatsächlich müßten jedem Menschen mit einem rudimentären Gehirn die Unterschiede auf den ersten, spätestens zweiten Blick weitgehend klar sein: Die US-amerikanischen Atomwaffen waren von Anfang an ausschließlich offensiv gedacht und wurden auch nur so eingesetzt, weil es da schlichtweg nichts zu „verteidigen“ (oder zu beschützen) gab und gibt.

Das sollte man präzisieren: Tatsächlich „schrecken“ US-amerikanische Atomwaffen sehr wohl und durchaus „ab“ – und zwar die überfallenen Länder, die sich in den meisten Fällen nicht oder kaum zu „wehren“ wagen (oder wagten, wenn sie es überhaupt könnten), weil ihnen in diesem Fall die vollständige Vernichtung nicht droht, sondern sicher ist. Und hier kommt das Paradoxon: Die Atomwaffen der meisten anderen Länder, die über solche verfügen, dienen nämlich umgekehrt tatsächlich und ausschließlich deren Schutz (vor US-amerikanischen und mit den Eroberungs- und Dominanzansinnen der USA irgendwie verbundenen Überfällen) oder sollen das tun.

Hat man dies erst einmal begriffen, kann man die Politiker in Deutschland und im EU-Reich, die stur und geradezu autistisch (gegenüber „ihren“ Untertanen und deren Wunsch, weiterzuleben) den Krieg gegen Rußland (etc.) weiterhin vorantreiben und eskalieren, nur noch für absolute Vollidioten halten. Nein: als solche erkennen. Ich bin allen Indizien und Beschwörungen zum Trotz ganz und gar nicht ganz und gar von den apokalyptischen Plänen des Netanjahu-Regimes überzeugt. Aber daß Verbrecher wie Merz, Leyen, Starmer und Macron unbedingt entschlossen sind, einen wenigstens partiellen Weltuntergang herbeizuführen, um aus den Trümmern ihrer „Politik“ mit einer Ausrede herauszukommen, erscheint mir immer wahrscheinlicher. Was sollten sie denn mit ihren Verbrechen sonst vorhaben? (Für einen seriösen (!) Alternativvorschlag wäre ich dankbar.)

Sogar die scheinbar vollkommen „normale“ und alltägliche Kündigung des Kontos des Rußlandkorrespondenten Ulrich Heyden paßt in das allgemeine Eskalationsschema: Als Begründung wird nämlich genannt, Heyden lebe in einem „Hochrisikoland“ – selbst Sparkassen haben offenbar begriffen, daß der „heiße“ reichseuropäische Angriff auf Rußland bevorsteht und ein „Risiko“ für dort lebende Menschen und Investitionen darstellt.

Weil selbige Pseudoführer beim Krieg gegen den Irak fast ebenso diensteifrig und unterwürfig mitwursteln wie in der Ukraine (wobei ihnen diesmal möglicherweise nicht die Gefahr droht, daß sie den Schlamassel irgendwann selber weiterführen müssen), steigen im gesamten Reich die Benzinpreise. Oder nicht deswegen, sondern weil die einschlägigen Konzerne dies als Vorwand zum Absahnen von Milliardenprofiten nützen. Die sogenannte Bundesregierung hatte dazu eine Idee, die von einer derart überirdischen Blödheit ist, daß sie umgekehrt schon fast genial erscheint: Die Preise dürfen künftig nur noch einmal täglich erhöht werden, und zwar um zwölf Uhr mittags.

Ein Freund meldet aus der Transsibirischen Eisenbahn: Alle Züge in Rußland fahren auf die Minute pünktlich, es gibt Duschen an Bord, die ebenso wie die Toiletten stündlich geputzt und gereinigt werden. Auch das hört sich recht „normal“ an (außerhalb des Wirkungsbereichs der „deutschen Bahn“). Allerdings melden derweil US-amerikanische „Stellen“, der Sieg gegen den Iran werde sich verzögern, weil an Bord des Flugzeugträgers „Gerald Ford“ die Klos kaputt sind und die Mordbomberpiloten nicht mit Windeln fliegen können. Von Meutereien an Bord ist bislang nichts zu hören. Der Namensgeber des Schiffs war übrigens glaubwürdigen Zeugen zufolge freundlich und sympathisch, aber dumm wie ein leeres Bierglas. Das hat hiermit aber nichts zu tun.

FAZ-Herausgeber Berthold Kohler findet den Krieg gegen den Iran übrigens „empörend“. Nein, sorry, so stimmt das nicht. Seine „Empörung“ gilt selbstverständlich nicht dem Massenmord an der iranischen Bevölkerung, sondern „Trumps strategischem Dilettantismus“, also der Tatsache, daß der US-Oberkasperl das souveräne Land noch nicht niedergeworfen, ausgelöscht, vernichtet oder wenigstens komplett zerstört und viel größere Menschenmassen in die Luft sprengen, zerfetzen, verbrennen, vergiften und sonst wie ermorden hat lassen. Das Sprachrohr des weltdeutschen FAZchismus hängt an diesen kriminellen Sermon auch gleich die Uraltpropaganda vom letzten und vorletzten Jahr und allen Jahren hinten dran: „Die größte Gefahr für die Freiheit und die Sicherheit Europas heißt Putin.“

Ob es den gefühlt hundertfünfzigjährigen Kohler wirklich noch gibt oder seine lahmen Nazitiraden von einem KI-Bot ausgestoßen werden, bleibt im weiteren fraglich: „Er darf in der Ukraine nicht als Sieger vom Schlachtfeld gehen.“ Da setzen wir den Stalin als „er“ hinein, dann befinden wir uns im Jahr 1944 und hören einen müden Goebbels tönen, für den sich der Kohler möglicherweise hält. Falls – wie gesagt – er noch west und nicht selbiges mit einem ver- davor tut, weil die folgenden Sätze so blöd sind, daß sie wirklich nur von einer KI stammen können: „Die Europäer müssen daher alles in ihrer Macht Stehenden tun, um Trump möglichst nahe bei der Fahnenstange der Europäer zu halten.“

Das mit der „Stange“, die ihm der Trump aus naher Ferne halten und reiben soll, ist aber noch nicht der Gipfel. KI-Kohler deliriert das sozusagen freihändig in die Grube hinein, in der der Kotzschleim von Goebbels Leiche vielleicht immer noch herumschwappt: „Wenn der Preis dafür die Entsendung von Minensuchern in den Persischen Golf ist, dann sollte auch Berlin nicht lange damit zögern, ihn zu zahlen.“

Ja nun, „zögern“ immerhin darf „Berlin“ also noch, aber nicht zu lang, weil sonst der Putin kommt, ohne daß der Trump nahe genug an der Fahnenstange stünde. Die Kriegsverbrecher aus Ramstein und anderen Besatzungskastellen und den Kohler aus dem Leuchtturm der gehirnerweichten Trottelpropaganda hinausschmeißen hingegen darf das „Berlin“ nicht, weil … ja, weil was? Weil der Kohler sonst die Klotür zuknallt oder irgend so was. Hilfe!


4 Antworten auf „(periphere Notate): Dem ohne Uns (und wie man da so lebt)“

  1. Demokratie ist (vielleicht habe ich das schon einmal hier geschrieben) die Staatsform, in der die Beherrschten aktiv, idealerweise stolz und voller Freude, an ihrer eigenen Beherrschung mitwirken („was, du gehst nicht wählen? Hast du nichts aus der Vergangenheit gelernt?“). Warum sollte man sich also wünschen, in einer Demokratie zu leben?

  2. ich träume gerne von einem Land, in welchem ein weiser und gütiger König herrscht. Dieser verkleidet sich des öfteren als Bettler und hört sich dann vollkommen inkognito die Nöte und Sorgen seiner Untertanen auf den Strassen, Tankstellen und Kneipen an und regiert darauf reagierend. Auch den Umstand, daß die 75 bis 80 Prozent der Gespritzten, nun teils mit zerebralen Schäden, genau auch den gleichen Wert bei Abstimmungen einbringen können, ist absurd. Wie „früher“, als Bildzeitungsleser in Zug und S-Bahn, als die Fronten noch klarer verliefen.
    In den 80ern gab es ein Brettspiel aus den USA mit dem Namen „Fulda Gap“. Das hatte doch ziemlich für Aufruhr gesorgt, da in diesem Spiel davon ausgegangen wurde, daß der Russ` durch das Fuldatal einbricht und demzufolge dort die ersten Atombomben eingesetzt würden. Gleichzeitig gab es einen besonderen Vogel, Bruder des Münchner ex-OB, der Rheinland-Pfalz als den größten, gleichzeitig auch noch unsinkbaren, Flugzeugträger Amerikas anpries, besang. Demokratie bedeutet, daß drei Wölfe und ein Schaf über das Frühstück abstimmen.
    Die jetzige „woke“ deutsche Demokratie bedeutet, daß 99 Schafe und ein Wolf über das Frühstück abstimmen, immer noch traut sich kaum jemand, die Zwangsgebühr zu verweigern, …. doch man kann fühlen, daß das der „Kontrolleure“ Panik ist, was da abgeht, Trost und Ansporn.

    1. Die Monarchie hat ihre Nachteile und Tücken … immerhin: Der bayerische Prinzregent Luitpold pflegte in „Alltagskleidung“ am Isarufer entlangzuspazieren und in den Biergärten stundenlang mit seinen Untertanen zu disputieren.
      Und bei der „Demokratie“ gilt generell: Gänsefüßchen nicht vergessen, so oder so.
      (Ach so, und Bernhard Vogels „Flugzeugträger“ ist als Begriff jetzt wieder gängig. Liegt ja auch in Reichweite iranischer Raketen.)

  3. Zur “Demokratie- Frage” 3 mal , auch von mir, klares Nein!
    Noch zu dem Buch 979-827 83 790 58 möchte ich unbedingt anmerken:
    “Die nützlichsten Bücher sind diejenigen,
    welche den Leser zu ihrer Ergänzung auffordern.”
    -Voltaire-
    Hier ein Gedanke dazu.
    Wenn mir auch nur einer der zahlreichen von den ach so
    “grünlich-öko-CO2-fanatisch” eingestellten “Modellierern” einen sehr wichtigen Nachweis erbringen könnte? (spendiere ich 10 Maß)
    Den Nachweis in einer detaillierten Darlegung eines
    “Gesamt-Energie- und Gesamt-Ressourcen-Verbrauchs”
    nur der veröffentlichten Rüstungs-Güter-Ausgaben weltweit 2025. Man könne nicht von dieser Summe jedem wirklich jedem Erdenbürger ein Haus und genügend Nahrung und Kleidung zur Verfügung stellen?
    Also kein Hunger mehr!
    Das war einmal ein u.a. UN-Ziel verkürzt gesprochen
    “Nahrung-Kleidung-Obdach” für alle auf allen Kontinenten!
    “Wenn du klug bist,
    so mische eines mit dem anderen:
    Hoffe nicht ohne Zweifel und
    zweifle nicht ohne Hoffnung.”
    -Seneca-

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