Wir erleben mal wieder so Tage, an denen jeder meint, seine nachgeplapperte „Meinung“ sei ein Stück Weltgeschichte. Und mit „wir“ meine ich wieder mal vor allem die „Außenstehenden“, die sich nicht entscheiden mögen, ob der Krieg gegen den Iran nun erfreulich ist (wg. „Befreiung“) oder unerfreulich (wg. „Völkerrecht“), ob schädlich (wg. „Benzinpreis“) oder nützlich (wg. was weiß ich).
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Manchmal denke ich gerne zwei oder drei Schritte voraus. Oder sagen wir: nicht gerne, aber ich kann es nicht verhindern. Zum Beispiel neulich sah ich ein Video, in dem ein offensichtlich gemeingefährlich wahnsinniges Rumpelstilzchen mit Naziwahn im nächtlichen Dunkel mit seiner Rotte oder Wehrsportgruppe oder wie man das heute nennt an der litauischen Grenze eine Art neogermanisches Fackelritual aufführte, das man für ein entgleistes Grillfest der Waffen-SS hätte halten können. Es gelang mir nur unter äußersten Verrenkungen sämtlicher Gehirngelenke und Phantasiemuskeln, zu begreifen, daß es sich dabei nicht um eine Comedy-Parodie handelte, sondern daß der übelvölkische Schabernack ernstgemeint war, und zwar als Einstimmung auf den dritten deutschen Krieg gegen Rußland innerhalb von hundertelf Jahren. Oder hundertzwölf oder vielleicht auch hundertsechzehn, da ist man sich im Führerhauptquartier wohl noch nicht ganz einig und bastelt noch an einem Vorwand, nachdem beim letzten Mal nur die Allerdümmsten den Quatsch mit dem angeblich geplanten und unmittelbar bevorstehenden Angriff Stalins auf die europäische Union des Gröfaz Hitler glauben wollten.
Wenn sich die frühherbstliche Überdrußlähmung auf mein Hirn senkt und infolge der durch die Maroniernte begünstigten Dauersattheit auch dem Bauch keine empörte Inspiration mehr zu entlocken ist, lausche ich gerne Gesprächen an benachbarten Biergartentischen – auch weil infolge der nunmehr verfestigten, sozusagen ins Gesellschaftsgefüge eingewachsenen „Corona“-Ausgrenzung zufällige Plaudereien mit sogenannten „alten Freunden“ mangels sogenannter „alter Freunde“ nicht mehr möglich sind.