(periphere Notate): Haltung zeigen! Position beziehen! (der ganze „rechte“ Salat und seine Sauce und das Ende von allem)

Die Ukraine hat keinen Präsidenten mehr. Und zwar schon seit einiger Zeit – je nachdem, wann dieser Text erscheint, seit zwei, drei Wochen oder schon länger. Seltsamerweise ist das (anscheinend) niemandem aufgefallen von den grandiosen deutschen Politik- und Medienmöpsen, die andere, ordnungsgemäß gewählte Präsidenten so gerne als „Diktatoren“, „Autokraten“ und „Machthaber“ bezeichnen. Darauf hingewiesen hat zuletzt der russische „Diktator/Autokrat/Machthaber“, der in rechtlichen Fragen bekanntlich penibel ist und sich öffentlich fragte, mit wem in der Ukraine er eigentlich verhandeln soll. Zur Zeit steht ihm dafür laut ukrainischer Verfassung nur der Parlamentspräsident zur Verfügung.

Daß sich der Autokrat Selenskij (der sich von westlichen Steuergeldern gerade für 180 Millionen ein Casino-Hotel auf Zypern gekauft hat) weiterhin als Präsident „empfindet“ und von seinen Kommandanten und Kumpeln im Westen auch so behandelt wird, ist typisch für das langsam zerbröselnde Imperium, in dem niemand Lehren aus der Geschichte ziehen möchte, weil ja immer alles anders ist und man die Dinge nur in ihr Gegenteil umlügen muß, um die Welt zu der zu machen, die man gerne hätte.

In Deutschland ist inzwischen so gut wie alles mit dem ehemals etwas muffigen, aber recht (!) harmlosen Etikett „rechts“ beklebt, was sich nicht gänzlich der herrschenden Kriegsideologie unterwirft und nicht bei drei auf dem Baum ist. Da kommen lustige Konstellationen zusammen, deren Zustandekommen einen gestandenen Rechten wie Franz Josef Strauß schneller auf die Palme getrieben hätte, als man bis drei zählen könnte: eherne Altkommunisten, grundanständige exgrüne Ökos, messerbewehrte Islamisten, königstreue Bierdimpfel, hemmungsgestörte Machos, nationalbesoffene Fußballfans, ungeschorene und ungefärbte Frisurenträger, fröhliche Eremiten, gewissenstreue Pfarrer, moralische Philosophen, verblödete Schnöselpopper, verzweifelnde Pazifisten, Kritiker von Gentechnik, Kapitalismus und Wachstumsideologie, spießige Schwule, die nicht „queer“ sein wollen, Bauern und Hausfrauen, die sich nicht für Dax und Management begeistern, pharmafeindliche Gesundheitsapostel, spirituelle Meditierer, anarchistische Wahl- und Kriegsdienstverweigerer, freche Witzemacher, altmodische Satiriker und Kabarettisten, die keine Regierungsparolen nachbeten mögen, nachdenkliche Schriftsteller, besorgte Eltern, kritische Soldaten und Militärbefehlshaber, so oder so anders denkende Inländer, Ausländer, Einwanderer, Auswanderer, Zuwanderer und Abwanderer und so weiter und so fort.

Es fällt nicht leicht, Beispiele für etwas zu finden, was nicht irgendwie „rechts“ ist. Erstaunlicherweise entsprechen die meisten dieser Beispiele bis ins Detail dem, was man früher rechtsradikal beziehungsweise rechtsextrem nannte: ukrainische Bataillone etwa, die in Bandera-SS-Traditionsuniformen zum Hitlergruß „Sieg Heil!“ brüllen, Russen und Juden ausrotten möchten und sich dafür von deutschen Steuerzahlern Milliarden bezahlen lassen. Oder ein israelischer Minister, der sich selbst als „homophober Faschist“ bezeichnet. Oder ein Innenministerium, das die Bevölkerung, der es eigentlich dienen soll, mit einer geheimen Staatspolizei in einem Umfang und Ausmaß bespitzelt, kontrolliert und überwacht, daß Nancy Faesers auffallend ähnlich gesinnter Amtsvorgänger Wilhelm Frick Tränen der Rührung vergösse, das Meinungs- und Gedankenverbrechen unter schwerste und vollkommen willkürliche Strafen stellt und Zensurmaßnahmen erläßt, die die heilige Inquisition vor Neid erblassen ließen.

Nennen wir noch die Geschichtsfälscher, die derzeit die gesamte deutsche Propaganda in Staats- und Konzernmedien mit der Mitteilung fluten, das deutsche Reich sei im zweiten Weltkrieg nicht etwa durch die UdSSR besiegt und (wie auch immer) befreit worden, sondern durch den multimedial gefeierten D-Day der USA. Auch hier greift der empfindsame Geist zur Orwell-Lektüre und kann sie sich sparen. Können wir besser, heute.

Reden wir nicht vom Coronaregime. Es ist dokumentiert, belegt und nachgewiesen, was da passierte, und es interessiert ganz offensichtlich niemanden, nicht einmal die schwerst Geschädigten. Deutsche Regierungen vor 1945 hätten für den Trick ihre Großmütter verkauft.

Oder nennen wir noch einen Minister, Mitglied einer einst notorisch nationalliberalen Partei, der nicht nur Bonzen und Fürsten „steuerlich entlasten“ möchte, sondern dazu die Einführung eines Zentrums (neudeutsch: „Hub“) für „psychologische Verteidigung“ vulgo „kognitive Kriegsführung“ fordert. Die nannte man früher schlicht Propaganda, und der letzte dafür zuständige Minister hieß Joseph Goebbels.

Wo wir schon beim unstatthaften Vergleichen sind: Wieso ist es anständigen deutschen Volksgenossen wohl verboten, mit den oben genannten „Rechten“ auch nur „zu reden“? Stellen wir uns zur Beantwortung der Frage vor, bei einer Besprechung der NSDAP-Führung während der „Kampfzeit“ oder nach der Machtübergabe hätte jemand gefragt, ob man nicht mal mit den Juden reden solle. Das war nicht etwa deshalb verboten, weil diese Kerle mehrheitlich an den „wissenschaftlichen“ Antisemitismus geglaubt hätten. Sondern weil sie wußten, daß die, die sie zum absolut Bösen aufbauschten, vollkommen normale Leute waren und ihr „wissenschaftlicher“ Antisemitismus in nullkommanichts wie ein angestochener Luftballon zerpludert wäre, wenn sie den Volksgenossen erlaubt hätten, Juden anders zu begegnen als mit Haß und Hetze.

So leid es mir tut: Hier gibt es auffällige Parallelen, die es übrigens vor sechzig Jahren (in geringerem Maße) auch schon bei Kommunisten, verlausten Gammlern und Studenten gab. Die sollten ja auch „raus“, und zwar „nach drüben“. Die starrköpfige Weigerung der deutschen und der NATO-Führer, mit „Putin“ (also: irgendeinem Russen) zu reden, geschweige denn zu verhandeln, entspringt dem gleichen ideologischen Prinzip: Reden tut man nur mit Menschen, nicht mit Ungeziefer.

Deshalb findet oder fand gerade in der Schweiz eine „Konferenz“ statt, auf der die „Guten“ (NATO und Ukraine) eine Lösung des Konflikts in der Ukraine zu suchen behaupten, zu der die „Bösen“ (Rußland) jedoch selbstverständlich nicht eingeladen sind, wo kämen wir da hin? Daß so unsichere Kantonisten wie China, Südafrika, Brasilien, Indien, Saudi-Arabien zu dem blödsinnigen Spektakel auch nicht anreisen, nimmt man murrend hin: Die reden ja mit Russen. Die wandelnde Gehirnamputation aus Übersee kommt ebenfalls nicht: Der macht irgendwas in Las Vegas oder so.

„Verhandlungen“, so lautet der „Plan“, den der Privatmann und ehemalige Präsident Selenskij als Hampelmann mal wieder „präsentieren“ muß, könne es nur geben, wenn Rußland seine Streitkräfte vollständig aus ehemals ukrainischen Gebieten (den Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie der Krim) zurückzieht, also bedingungslos kapituliert. In Moskau, heißt es, sei man nur deshalb nicht amüsiert, weil man Ukrainer für ein „Brudervolk“ halte, das so bescheuert doch gar nicht sein könne.

Man möge mir den (ironisch gemeinten!) Anflug von Rassismus verzeihen. Mir fällt dazu eine Anekdote ein, die mir einst einer meiner Geschichtsprofessoren erzählt hat: Wohl gegen Ende 1943 (ich bitte um Nachsicht für mein Gedächtnis) beauftragte ein hoher Offizier der deutschen Wehrmacht einen deutschen Diplomaten in Genf, eine Verbindung zu sowjetischen Diplomaten herzustellen – unter strengster Diskretion, weil es Deutschen damals ebenso wie heute verboten war, mit Russen zu verhandeln. Der Diplomat fand einen schweizerischen Vermittler, der über einen US-amerikanischen Agenten den gewünschten Kontakt herstellte. Der sowjetische Diplomat erfuhr nun die Bedingungen, unter denen Deutschland zu Verhandlungen mit der UdSSR bereit sei (wofür allerdings möglicherweise erst der Führer beseitigt werden mußte): vollständiger Rückzug der Roten Armee aus allen bis dahin besetzten Gebieten, insbesondere aus dem ukrainischen Donbas. Der sowjetische Diplomat soll schallend gelacht und sich danach zum Mittagessen begeben haben, ohne den deutschen Kollegen auch nur zu empfangen.

Noch trefflicher und lustiger wird diese Anekdote dadurch, daß die angeblichen „Bedingungen“ angeblich gar nicht von deutscher Seite kamen, sondern von dem US-Diplomaten, der als Übermittler diente, frei erfunden worden waren. Was er damit bezweckte und ob er im Auftrag seiner Regierung handelte (die USA betrachteten sich damals noch nicht als Kriegspartei), ist nicht bekannt. Überhaupt ist die ganze Anekdote apokryph, wurde mir jedoch Jahrzehnte vor dem jetzigen Krieg der NATO gegen Rußland und also sicher ohne Bezug zu diesem übermittelt. Der Professor galt im übrigen nach damaligen Maßstäben als eher rechts.

Daß der ehemalige Präsident Selenskij die „Wahl“ oder wenigstens Bestellung eines Nachfolgers nicht zuläßt, mag ein Versuch sein, den sozusagen letzten Fehler des Nazireichs nicht zu wiederholen: Wo es keinen legitimen Führer mehr gibt, kann auch niemand legitimiert sein, eine bedingungslose Kapitulation zu unterzeichnen, wie das damals Jodl, Keitel et al. taten. Zuständig wäre derzeit der erwähnte Parlamentspräsident, möglicherweise ein Herr Stefantschuk. Ob der es wagt, sich dem Endkampf der faschistischen Bataillone und ihrer Befehlshaber in den Weg zu stellen? So oder so wäre auch das egal, solange „der Westen“ seinen Selenskij als Galionsfigur in die Schweiz trägt, als wäre der noch irgendwas. Das Kriegs-, Völker- und internationale Recht ist besät mit Stolperfallen.

Es ist derweil hierzulande eine große Müdigkeit, ein allgemeines Aufgeben und Loslassen zu spüren. Der große, möglicherweise atomare (und dann immerhin in fünf Minuten erledigte) Krieg, den die Berliner Handlanger der transatlantischen Herrscher herbeiführen und in Gang setzen, ist nicht mehr aufzuhalten, aber er hat immerhin den Vorteil, daß diesmal niemand groß mitmachen muß. Man läßt es einfach geschehen und nimmt es auf sich, das Ende allen Lebens auf diesem Planeten. Wer weiß, was danach kommt.

4 Antworten auf „(periphere Notate): Haltung zeigen! Position beziehen! (der ganze „rechte“ Salat und seine Sauce und das Ende von allem)“

  1. “Der große, möglicherweise atomare Krieg, (.) ist nicht mehr aufzuhalten“
    Dann spring doch ausm Fenster, ist auch schon wurscht.

    Diagnose: massive Verbitterung ICD-11 6B4Y

  2. Ich bin inzwischen auch alt genug, die grassierende Geschichtsvergessenheit überall zu sehen. Bestimmt bilde ich mir das nur ein – alles ist doch in bester Ordnung, wären da nur nicht solche Spinner wie ich …

    Das kenne ich noch (sinngemäß) aus den Siebzigern, und heute, fünfzig Jahre später, darf ich es mir wieder anhören. Grandios! Der Kreis schließt sich …

  3. Habe heute mal wieder ÖRR gehört, weil es in unserem altmodischen Auto nichts anderes gibt. Thema war der Selensky Besuch und der „Wiederaufbau“ der Ukraine. Der Moderator telefonierte mit einer grünen Oberbürgermeisterin.

    Das ganze dauerte einige Minuten. Es war die Rede von Städtepartnerschaft, Hilfskonvois und staatlich abgesicherte Investitionen von Konzernen in der Ukraine.

    Diese Leute haben es fertig gebracht die ganze Zeit lang das Offensichtliche, nämlich die Sinnlosigkeit des Unterfangens bei fortdauerndem Krieg, gar nicht zu erwähnen. Sie haben einfach so getan, als wäre der Krieg schon vorbei, oder als stände die Ukraine kurz vorm Sieg.

    Hier könnte ich den NS-Analogien im obigen Text noch eine weitere hinzufügen:

    So ähnlich könnte es gewesen sein, als Hitler im bereits zerbombten Berlin an seinen Plänen für die „Welthauptstadt Germania“ gefeilt hat.

  4. ein Musikerfreund war gerade für zehn Tage als Leiter von Workshops für dieses Instrument in Hiroshima. Man sieht viele fröhliche junge Studenten und Studentinnen, alle strahlen.
    Gruß aus der Taiga

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