(periphere Notate): Kürbis, Flut und Strackula (die sowieso)

Es wird zu selten bedacht, daß Macht kein Zustand ist, sondern ein Prozeß. Er besteht in der fortlaufenden Aneignung des Eigentums vieler durch wenige. Beim Menschen mündet er immer automatisch irgendwann in die Selbstvergöttlichung: Der Mächtige hält sich für einen Gott (oder wird dafür gehalten). Das galt für Julius Caesar, Augustus, selbst den Spießer Tiberius, den Deppen Claudius, Nero und so weiter, für Ludwig XIV., Napoleon, Hitler, Musk und Gates. Der Transhumanismus ist nichts recht viel anderes als die Apotheose. Er könnte aber auch in der Apocolocyntosis enden, der „Verkürbisung“, die dem Philosophen Seneca zufolge den erwähnten Claudius nach seinem Tod ereilte und deren irdischer Teil mit seinen letzten Worten endete: „Weh mir! Ich glaube, ich habe mich angeschissen.“

Es ist (immer) mal wieder Zeit, darauf hinzuweisen, daß allein in Deutschland circa dreißig Millionen Menschen nicht „der Westen“ sind und auch nicht „der Westen“ sein wollen (selbst wenn sie im deutschen Westen leben). For what it’s worth.

Auf diese zugegeben unvorsichtige Äußerung meinerseits in einem „sozialen Medium“ antwortet jemand, den ich nicht kenne: „Und wo sind diese 30 Millionen? Was machen die? Gehen auf die Straße für den Frieden?“

Woraufhin mir dies einfällt: Ich vermute, die meisten davon sind täglich auf der Straße. Oder in der U-Bahn, Tram, im Bus. Im Büro. Es ist historisch betrachtet eine erstaunliche Tatsache, daß man von denen, die für den Krieg sind, der sie und alle anderen töten beziehungsweise ruinieren wird, oder die einfach so einverstanden sind, nie verlangt, daß sie auf die Straße gehen.

Es müßte doch eigentlich erwartet werden, daß sie das tun, um die Entscheidungen ihrer Herrscher zu legitimieren, nicht wahr? Schließlich haben die (die Herrscher) vor ihrer Wahl etwas ganz anderes versprochen, oder?

Also wieso sollten die Leute, die nur das erwarten und verlangen, was sie gewählt haben und was im Rahmen von Völkerrecht et cetera vollkommen selbstverständlich ist, auf die Straße gehen?

Ich weiß, das ist polemisch. Und es bildet die Wirklichkeit nicht ab: „Wir“ wählen Politiker, die uns Frieden (und alles mögliche andere) versprechen und direkt nach der Wahl das exakte Gegenteil ins Werk setzen. Dabei ist es vollkommen egal, was „wir“ wählen.

Aber die Frage, weshalb man für die selbstverständlichsten Dinge der Welt auf die Straße gehen sollte, stellt sich weiterhin. Zumal absolut klar ist: Wenn man für die selbstverständlichsten Dinge auf die Straße gehen (muß), dann sind sie nicht mehr selbstverständlich.

Dann sind sie ausgeschlossen und unmöglich.

Es kommt tatsächlich immer noch vor, daß mir beim Lesen eines Mainstreammediums der Atem stockt und die Haare zu Berge stehen. Die traditionell notorisch rechte, zwischendurch bisweilen pseudoaufklärerische NZZ meldet heute (am 6. Juni 2024): „Vor achtzig Jahren landeten die Alliierten in der Normandie: Mit dem D-Day begannen die Befreiung Europas vom Nazi-Terror und die europäische Nachkriegsordnung.

Es mag sein, daß das in den Redaktionen des totalitären „Westens“ mittlerweile wirklich niemandem mehr auffällt: Die „Alliierten“ waren mindestens drei, und einer davon befreite tatsächlich einen großen Teil Europas vom Naziterror. Das war jedoch die Rote Armee der UdSSR, und die Befreiung begann nicht damit, daß Amis und Briten endlich doch noch landeten. Sondern: zwei Jahre zuvor. Vor Moskau und in einem Ort namens Stalingrad, der heute nicht mehr so heißt und deswegen auch keinen eigenen „Wikipedia“-Eintrag mehr hat.

Im Gegensatz auch zu „D-Day“, „Operation Overlord“, „Operation Neptune“, „Der längste Tag“ (usw.). Gerne mal nachschauen, wie viel man dort jeweils erfährt und wie toll das alles war. Daß deutsche Staatsbürger mal Gelegenheit haben würden, sich auf diesem Umweg für Stalingrad zu schämen, hätte 1945 wohl niemand gedacht. Oder wer weiß.

Im Laufe seiner Geschichte hat der Mensch vielfältige Versuche unternommen, sich vor den Unbilden der Natur und Witterung zu schützen. Darunter waren Beobachtungen und Berechnungen, aus denen letztlich die Wissenschaften der Meteorologie und Klimatologie hervorgingen, aber auch mannigfaltige Eingriffe in die Landschaft, ihre Gestalt und ihren Charakter. Das Ansinnen, mit technischen Mitteln das weltweite „Klima“ (das in einer „weltweiten“ Form selbstverständlich nicht existieren kann) zunächst zu „retten“ und dann zu „schützen“, also es auf einem bestimmten Stand oder in einem bestimmten Zustand für alle Zeiten zu stabilisieren oder „einzufrieren“, dürfte eine der dümmsten und abwegigsten Ideen sein, die Menschen je eingefallen sind.

Hochwasser begleiten die Menschheit, seit es sie gibt. In vielen Gegenden könnte der Mensch noch heute ohne sie nicht überleben, auch wenn der „Preis“ bisweilen hoch ist. In Bayern waren Flußhochwasser und Überschwemmungen nicht nur eine Heimsuchung, sondern für die Landwirtschaft lebenswichtig. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert begann der Mensch die Landschaft nach seinen Vorstellungen zu verändern. Flüsse wurden begradigt, vertieft, ihre Ufer befestigt, teilweise mit Beton. Ziel war es (auch), Überschwemmungen künftig zu verhindern – neue Düngemittel und -methoden erwiesen sich als „wirtschaftlicher“. Generell begann sich die Ideologie durchzusetzen, der zufolge der Mensch die Landschaft gestalten und beherrschen kann (heute übersteigert zu dem Wahn, den ganzen Planeten „regeln“ und „steuern“ zu können).

Indes beruhten die Planungen und Konstruktionen des 19. Jahrhunderts auf den klimatischen Bedingungen der sogenannten „kleinen Eiszeit“, in der nicht nur die Temperaturen im langjährigen Mittel stark zurückgegangen waren, sondern auch die Niederschlagsmengen und ihre zeitliche und örtliche Konzentration. Ab etwa 1850 begannen die Temperaturen wieder zu steigen, und auch die Niederschläge veränderten ihren Charakter. Dafür waren die neuen Anlagen nicht angelegt; die Folge waren verheerende Hochwasser und Überflutungen. Das bekamen dann die Städte zu spüren – auch München. Daß die Verheerungen in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind, liegt wiederum auch (!) daran, daß man lernte, sich auf die Situation einzustellen.

Eine Binsenweisheit, die mir anläßlich des derzeit in regelmäßig eskalierender Pomposität absolvierten Fußballspektakels einfällt, und zwar speziell wegen der vor exakt fünfzig Jahren veranstalteten Weltmeisterschaft in der BRD: Da regnete es (hoffentlich nicht nur) meiner Erinnerung nach so dauerhaft und intensiv, daß uns Kindern zum ersten Mal klar wurde, weshalb neben Fußballplätzen gerne ziemlich beeindruckende Walzen aus Eisenstahl herumstanden. Die allerdings im Spiel der BRD gegen Polen auch nichts mehr halfen: Da rutschten und flatschten die Darsteller auf dem Platz herum wie betrunkene Pinguine und planschten hilflos in den Pfützen. Der einzige Spieler, der mit einem derartigen Schlamassel zurechtkam, war selbstverständlich Gerd Müller, während der Torschützenkönig Grzegorz Lato bei der einzigen polnischen Niederlage in diesem Turnier zum zweiten und letzten Mal nicht ins Tor traf.

Zum Glück standen die Wettermeßstationen damals noch weit entfernt von der (sowieso noch viel harmloseren) städtischen Brodelhitze irgendwo in der Landschaft herum. Sonst hätte man uns sicherlich erzählt, der Juni und der Juli 1974 seien der jeweils heißeste ihrer Art seit 125.000 Jahren oder überhaupt aller Zeiten gewesen. So wie der Juni 2024, in dem die Stadien längst überflutungssicher sind, viele andere Einrichtungen und Orte jedoch nicht, trotz jahrhundertelanger Erfahrung.

Die schlimmste deutsche Kriegshetzerin, Frau Strackula, behauptete in letzter Zeit nicht nur, Rußland töte täglich 400.000 Ukrainer (mithin etwa eine Drittelmilliarde seit seinem Kriegseintritt) und Menschen, die sie scheiße finden, seien zu blöd, um eine Trillerpfeife zu bedienen. Neuerdings will sie 900.000 deutsche „Reservisten“ zum Kriegsdienst beordern, vorläufig in Kasernen, die es nicht mehr gibt, und mit Waffen, die zum Glück zu einem nicht geringen Teil als Schrott im ukrainischen Osten herumflacken beziehungsweise in Moskau ausgestellt werden.

Daß 900.000 Soldaten ihrer eigenen Berechnung zufolge für gerade mal gut zwei Tage Krieg gegen Rußland reichen, hat sie selbstverständlich nicht bedacht, weil dafür (zum Bedenken) ein Gehirn nötig wäre. In Strackulas Kopf sitzt an der entsprechenden Stelle zwar eine Rechenmaschine, aber die berechnet nur eigene Profite.

Ihre Begründung für die Mobilmachung lautete (wörtliches Zitat): „Putin bringt sein Volk in Stellung.“ Darf man ruhig zweimal lesen, den Satz. Er wird davon nicht besser. Es kommt auch nicht mehr heraus als eine „Landser“-Heft-mäßige Umschreibung der Behauptung: Der „Müll“, die „Tiere“ und „Schweine“ (um einen ukrainischen Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels zu zitieren) wolle Deutschland und den Rest der Welt erobern, und zwar bald! (oder, Pistolerius zufolge: in fünf oder acht Jahren, wenn es in Deutschland außer Waffen nichts mehr gibt und Deutschland so kriegstüchtig sein wird, daß es selber die ganze Welt erobern kann.)

Das ist – gelinde gesagt – die blödeste Scheiße, die seit sehr langer Zeit aus einem deutschen Führermaul herausgewurstet wurde. Nicht einmal der Hitler behauptete ernsthaft, Polen wolle Deutschland überfallen oder erobern, als er sein „Zurückschießen“ ab fünf Uhr fünfundvierzig notdürftig zu begründen versuchte. Eine derart idiotische Dreistigkeit hätte ihm wohl nicht einmal die eigene gleichgeschaltete Presse durchgehen lassen.

Die Strackula, die man uns da als böseste Comicfigur aller Zeiten vorführt, ist – Achtung, es folgt ein Stück Küchenpsychologie aus der Feder eines fiktiven Küchenpsychologen! – der Prototyp der gefährlichsten und mörderischsten Art „Politiker“ überhaupt: vollkommen skrupellos, von keinerlei moralischen Bedenken angehaucht, emotional innerlich verfault, vom Haß auf alles Lebendige so erfüllt wie eine Tüte Milch von Milch, fanatisch auf den eigenen „Vorteil“ (das Abgreifen jedes greifbaren Geldbetrags) versessen, durch und durch asozial und antisozial bis zur schulterzuckenden Hinnahme der Schlachtung von hunderttausenden Mitmenschen, wenn sich daraus etwas Profit melken läßt, dazu noch im schlimmsten Sinne absolut desinteressiert an allem, was irgendeine Bemühung erforderte, die nicht irgendein Anwalt stellvertretend erledigen könnte, geistlos bis an die Grenze eines Schwarzen Lochs, unerzogen, dreist, rüpelig, ungebildet wie ein Stück moderndes Holz und komplett durchdrungen vom Pilz (sorry, liebe Schwammerl, das ist nur eine Metapher) der Selbstüberhöhung. Ein Mensch, den man mit der verzweifeltsten Philanthropie nicht schätzen kann und dennoch retten müßte vor dem „Atomtod“, den schon vor längerer Zeit eine ihrer Geistesgenossinnen aus dem Lager der irren Suizidnarzißten herbeisehnte.

Ich weiß nicht, wie man mit solchen Menschen umgehen soll – sie sind ja da und sind (irgendwie) Menschen und können vielleicht gar nichts dafür, daß sie solche gemeingefährlichen Monstren geworden sind. Wenn solche Exemplare mutwillig ganze Kontinente in Lebens- und Existenzgefahr bringen, wird die Toleranz leider irgendwann ein Ende finden müssen. Das ist tragisch, und auch ich werde damit und darüber nicht glücklich sein, aber die Alternative wäre, ein Recht auf Leben generell zu leugnen und es dem Recht einer verwahrlosten Irren und ihrer Kumpane auf Zerstörung, Tötung, Vernichtung und vermeintliche Selbstbereicherung zu opfern.

Vielleicht wird ihr ein neuer Seneca dereinst einen allegorischen Kürbis überstülpen. Ihr diesbezüglicher, menschlich wie intellektuell weit überlegener Vorgänger Claudius mußte (oder muß noch) übrigens letztlich auf Ewigkeit polizeiliche Kleinarbeit leisten, wohl so was mit Strafzetteln, Wildpinkeln und verlorenen Geldbeuteln. Ob sie dafür taugt?

Ich bin Deutscher, leider. Als Deutscher darf ich wg. Holocaust den US-Amerikanern keinen Vorwurf wg. Hiroshima und Nagasaki machen. Oh, aber Entschuldigung: Dann kann ich doch den Deutschen den Holocaust auch nicht vorwerfen, oder verstehe ich da was falsch?

Übrigens hört man, der selbsternannte Weltensteuermann Klaus Schwab habe sich in eine Art Altersteilzeit zurückgezogen („eine Art“, weil er, wie wir wissen, transhuman unsterblich ist und seine verbliebenen Funktionen spätestens in zehn Jahren als USB-Stick ausüben wird).

Es ist schwer einzuschätzen, wie viel „das Volk“ im „alten“ Feudalismus von den Macht- und Ämtermauscheleien und -schiebereien der adeligen „Elite“ mitbekam und was es davon hielt. Im neuen Feudalismus wird man zwar durch die Hofberichtspropaganda informiert, wenn der Kaiserthron neu besetzt werden soll, aber spannend ist daran nichts mehr: Es sind immer die gleichen Ersatzfressen und -ärsche, die seit Jahrzehnten auf dem Schachbrett von einem Feld aufs andere geschoben werden, und letztlich ist es egal, ob nun Lagarde, Blair oder Brende den weichgefurzten WEF-Chefsessel einnimmt: Selbst dieser exponierteste aller westlichen Posten ist ja nicht mehr als die Grußaugustei von Blackrock, Gates und Konsorten, die sich dafür selber sicher nicht hergeben. Und uns Untertanen kann es egal sein, wer dem Menschenvieh die Befehle des Kapitals verkündet.

(All dies sind übrigens Überbleibsel aus den letzten Wochen; ich hoffe auf Nachsicht für historische Irrelevanz und inhaltliches Durcheinander.)

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