(periphere Notate): total irrelevant! (dies und das Leben)

Als Kabarettist und/oder Satiriker darf man über „die Post“ bekanntlich ebensowenig etwas erzählen wie über „die Bahn“ und den eigenen „Lebensabschnittspartner“. Das mag der Grund dafür sein, daß das Post-Covid-Kabarett sich neben „Querdenkern“, „Schwurblern“ und „Verschwörungstheoretikern“ (also Menschen, die seit sechs Jahren die Frechheit besitzen, recht zu haben) hauptsächlich an Bahn, Post und Ehegatten abarbeitet: Das ist nur schal, fad, spießig und todeslangweilig – die Alternative hingegen (etwa Regimekritik) wäre der sichere Weg ins Abseits.

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(periphere Notate): … und „dann“?

Kurz vor dem Jahreswechsel mehr oder weniger zufällig vom Tod eines alten Freundes zu erfahren, hat bei aller nicht zu vermeidenden Gewöhnung an solche Vorfälle eine niederschmetternde Wirkung. Das liegt wenig an den Umständen, auch nicht mehr an der fehlenden Erwartung (er war elf Wochen jünger als ich), nicht an dem schäbigen Nachruf seines ehemaligen Arbeitgebers, sondern vor allem daran, daß ich (ohne es zu merken) auf etwas gehofft und es (ohne es zu merken) als unvermeidlich vorausgesetzt hatte.

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(periphere Notate): Eine Art Ende …

Das Jahresende ist ein synthetischer, dennoch willkommener Anlaß zum Aufräumen und Ausmisten, auch zum Schließen seit Monaten offener Browsertabs, zu denen einem einfach nichts einfallen will. Vielleicht kann man sich zwingen, vielleicht auch nicht, dann sei’s drum. Es ist halt einfach – 2025 noch mehr als im Jahr zuvor – im Grunde alles gesagt, und dennoch west über den Wassern die Lüge als alles überstrahlende Kraft, nun fast hegemonial und dennoch zu einem unrühmlichen, vielleicht baldigen Ende bestimmt, weil ihr das immer so geht, wenn sie sich überhebt (wie etwa die Buyx-Drosten-Spahn-Bagage im „Enquete“-Theater).

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Junger Unfug (Folge 13): Wolken und Jahre

Daran, daß man in die Schule gehen mußte, merkte man nach einiger Zeit auch, daß man älter wurde. Verwandte und Bekannte, die länger nicht mehr dagewesen waren, sagten voller Verwunderung: Du bist aber groß geworden!

Man gehe ja auch schon zur Schule, antwortete man brav und nahm ein paar Groschen als Geschenk entgegen, die für einen Besuch beim Friseur gedacht waren, weil man nämlich nicht nur selbst größer, sondern auch die Haare länger geworden waren. Alt sagten die Verwandten und Bekannten zwar nicht, aber die Eltern: „Du bist jetzt alt genug!“, so begannen viele strenge Sätze, wenn man Sachen gemacht hatte, für die man schon zu alt war. „Junger Unfug (Folge 13): Wolken und Jahre“ weiterlesen

(periphere Notate): endless, timeless

Zwischendurch sollte man sich erinnern: Am 6. Januar 2020 wurde der „Covid-Krisenstab“ im sogenannten „Robert-Koch-Institut“ (das unter dem Befehl des „Gesundheitsministeriums“ steht und nach einem sadistischen Massenmörder benannt ist) erstmals einberufen. Drei Tage später meldeten chinesische Behörden erstmals wirres Zeug über ein „neuartiges Coronavirus“. Die Deutschen waren halt schon immer recht früh dran.

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Belästigungen 04/2020: Wer mag denn (nicht) ewig leben?

Wenn man einen durchschnittlichen Zeitgenossen fragt, ob er gerne ewig leben täte, geht in den allermeisten Fällen sofort das Kokettieren los: „Ach nö, wozu denn, wird doch langweilig irgendwann“ und so weiter. Die reine Schwindelei, in so gut wie jedem einzelnen Fall!

Als wäre das Leben bloß so eine Episode, eine Art Ferienlager oder (falls man in die Falle von Lohnarbeit und TV-Unterhaltung getappt ist) Haftstrafe, die irgendwann zu Ende geht, woraufhin dann die nächste Episode daherkommt, im Himmel oder Jenseits oder in einer bislang unerkannt zusammengeknüllten Dimension. Es mag ja sein, daß es so etwas gibt. Es mag auch sein, daß es eine Zeit lang ganz nett ist, sich mit körperlosen Geistern im luftleeren Dunkelraum herumzutreiben und den Irdischen rätselhafte Botschaften zukommen zu lassen, damit ihnen die Haare zu Berge stehen, oder mit 72 Jungfrauen darüber zu disputieren, ob sie nicht am Ende doch Weintrauben sind. „Belästigungen 04/2020: Wer mag denn (nicht) ewig leben?“ weiterlesen

Belästigungen 23/2011: Der Mensch als Teil des Menschen – verstreute Gedanken zur Einverleibung

Man könne so gut wie gar nichts mehr essen, weil man sonst sterbe, hat mir vor einiger Zeit, als mal wieder ein durch den Lebensmittelmassenhandel verbreiteter Virus Menschen hinraffte, jemand gesagt. Rein statistisch betrachtet leuchtet das ein: Tatsächlich sind so gut wie alle Menschen, die in den letzten, sagen wir: fünf Millionen Jahren etwas gegessen haben, in erdgeschichtlichen Maßstäben ziemlich bald darauf gestorben, und zwar völlig unabhängig davon, womit der jeweilige Todgeweihte seinen Verdauungstrakt füllte. Das, möchte man meinen, ist eben die gemeine Hinterhältigkeit des Lebens und der Natur: Man müht sich redlich, nichts falsch zu machen, und eines Tages ist es doch vorbei.

Gründliche Pessimisten könnten unter solchen Umständen der Ansicht zuneigen, es sei am vernünftigsten, sich den Unsinn, da letztlich ja doch vergeblich, von Anfang an zu sparen und gleich gar nichts zu essen. Aber da tritt der natürliche Überlebenswille auf den Plan: Freiwillig zu verhungern, „Belästigungen 23/2011: Der Mensch als Teil des Menschen – verstreute Gedanken zur Einverleibung“ weiterlesen

WM-Tagebuch 2006 – 05 Mittendrin der Tod

Donnerstag, 15. Juni 2006:

Nur Minutenwege entfernt vom tobenden WM-Metropolenkessel finde ich mich in einem grenzenlosen Areal scheinbarer Idylle, wo das Wasser schläft wie weiches Silber, die Bäume müde ragen, die Sonne vanillebleich hineinschmilzt in den ewigen Himmel; da sitzt man zwischen offenen Ziegelwänden und findet nichts zu betrachten als eine längliche Kiste aus Holz, in der angeblich der Körper eines lieben Kollegen und guten Freundes liegen soll. Den sieht man nicht, und ich habe ihn lange nicht gesehen, und wie ich so darüber nachdenke, habe ich ihn überhaupt nicht oft gesehen und kaum je berührt; und dennoch schien er irgendwie immer da zu sein, konnte ich seine Stimme hören, sein Lächeln sehen, seine Argumente, Geschichten und Deutungen einfließen lassen in das, was man so gerne für das eigene Denken hält. „WM-Tagebuch 2006 – 05 Mittendrin der Tod“ weiterlesen

Belästigungen 05/2015: Vom plötzlichen Hervorblühen der Gegenwart aus der stillen, großen, leeren Welt

Es gibt Zeiten, da wird es plötzlich still. Da erwacht man vormittags in einen Tag hinein, der angeblich schon läuft, und hat beim ersten Blick aus dem Fenster das Gefühl, dieser Tag sei stehengeblieben, so wie der Wecker und die Küchenuhr, die man manchmal nicht aufziehen mag, weil sie ja doch jeden Tag das gleiche erzählen.

Da bleibt man dann stehen und betrachtet ihn, diesen stehengebliebenen Tag, in dem offenbar gar nichts passiert, und während man sich fragt, ob man vielleicht über Nacht in ein Paralleluniversum transferiert worden ist oder die Grüne Wolke verpaßt hat (das, liebe Leser, müßt ihr jetzt selber recherchieren), wird einem klar, daß der Tag gar nicht wirklich stehengeblieben ist (weil sich etwas bewegt: „Belästigungen 05/2015: Vom plötzlichen Hervorblühen der Gegenwart aus der stillen, großen, leeren Welt“ weiterlesen

Belästigungen 15/2014: Randbemerkungen zum größten Skandal der Welt

Ich habe heute meinen alten Kater beerdigt. Es war ein langes, langsames Sterben, das er hinter sich bringen mußte; und während ich das schreibe, wird mir wieder einmal klar, daß Sprache für gewisse Dinge in den Randbereichen der Welt nicht geeignet ist. Denn selbstverständlich hat er nichts hinter sich gebracht, weil er nicht mehr ist und deshalb auch nichts hinter sich haben kann. Eher hat etwas ihn hinter sich gebracht, aber auch dafür müßte er noch sein. Es ist gleich.

Es mag pietätlos wirken, aber während man am Sterbebett eines alten Katers sitzt und nichts tun kann außer warten, gehen einem mancherlei Dinge durch den Kopf, und da hat man auch mal wieder Zeit, die Zeitungen durchzublättern, die man sonst achtlos in den Müll wirft, weil einem das Gebrumsel und Gebrabbel der neoliberalen Journalistendarsteller den Nerv tötet und die gute Laune zersetzt. „Belästigungen 15/2014: Randbemerkungen zum größten Skandal der Welt“ weiterlesen

Belästigungen #418: Letzte Ausfahrt Palliativstation (bitte vorher abbiegen!)

Es zählt zum festen Repertoire meiner alljährlichen Sommervorsätze, so viele lustige, spannende, schöne, begeisternde, mindestens erfreuliche, bewußtseinserweiternde, hin-, mit- und umreißende Dinge wie nur möglich zu erleben, Tag und Nacht von wunderbaren Menschen umgeben zu sein, Sex zu haben, Bier zu trinken, Drogen zu nehmen, geile Musik zu hören, schöne Bücher zu lesen, in kristallperlenden Seen und Flüssen zu schwimmen, den blauen Himmel zu überstrahlen und in Gewitterschauern nackt auf der Straße zu tanzen. Deshalb entwickle ich in gewissen Momenten eine Art pädagogischer Radikalität: Wenn ich mit einer Ananas und einer Avocado in der Hand stundenlang an entwürdigenden Kassen herumstehen und zuschauen muß, wie brunzhäßliche Menschen tonnenweise Müll, Dreck und notfalls noch fünf Packungen Erfrischungsstäbchen aufs Rollband legen, dann möchte ich ihnen zurufen: Was ihr da tut, ist falsch! Es ist böse! Es wird euch noch unglücklicher und brunzhäßlicher machen, als ihr sowieso schon seid! „Belästigungen #418: Letzte Ausfahrt Palliativstation (bitte vorher abbiegen!)“ weiterlesen