Belästigungen 5/2020: Wo kommt eigentlich das ganze Geld her? (und warum? und wozu?)

Geld ist ein Monster. Es hat unser Gehirn erobert und okkupiert es wie die Suppe die Nudeln. Wir sind nicht mehr in der Lage, uns die (genau: die, nicht „eine“) Welt ohne Geld vorzustellen.

Oder versuchen wir das doch mal. Da sind wir schnurstracks bei der Geschichte, der Mensch habe das Geld erfunden, um den Tauschhandel zu erleichtern. Das erzählen uns sogar sogenannte „Wissenschaftler“, die sich (vielleicht aus Restscham) ein „Wirtschafts-“ vor ihre Berufsbezeichnung bappen, und manch unbedarfter Pfuschhistoriker plappert es fröhlich nach.

Aber der Tauschhandel, von dem da gefaselt wird, ist auch nichts anderes als ein Handel mit Geld, bloß ohne Münzen und Scheine, und außerdem hat es ihn VOR dem Geld nachweislich nie gegeben. „Belästigungen 5/2020: Wo kommt eigentlich das ganze Geld her? (und warum? und wozu?)“ weiterlesen

Belästigungen 24/2019: Achtung, diese Seite ist leer (und warum?)!

Framing ist eine ziemlich fiese Sache. Vor allem weil man merkt, wie klein das eigene Hirn eigentlich ist: Wenn da erst mal alle Regale voll sind mit Brexit, Elektroautos, Hongkong und Klimakrise, dann ist halt nichts mehr frei für MeToo, Waldbrand, Chile, Bolivien und Bienensterben. Dann denkt nicht mal an Halloween jemand dran, den Deckel zuzunageln, aus dem der untote Friedrich Merz schon wieder herauskriechen möchte, und selbst der TSV 1860 müßte schon mit fünf Punkten Rückstand am Tabellenende stehen, damit man sich eine halbe Sorge macht. „Belästigungen 24/2019: Achtung, diese Seite ist leer (und warum?)!“ weiterlesen

Belästigungen 23/2019: Menschheit, Menschlichkeit und der große Knall

Es ist manchmal schwer mit den Begriffen. Zum Beispiel dieses Teil fürs Klo, bei dem man dann, wenn man es braucht, nie weiß, wie es heißt. Hinterher fallen einem tausend Namen dafür ein, Pömpel, Fluppi, Strempfler, Plunscher, Planscher, Plömpel, Plöppel, Prömpel und so weiter – aber wenn man einmal „Pimmel“ sagt, ist man schlagartig in einer ganz anderen Geschichte.

Schlimmer ist es bei Begriffen, die von Haus aus zweideutig sind, wie das englische Wort „humanity“. Das heißt „Menschheit“, aber auch „Menschlichkeit“, weshalb beim Übersetzen mal was daneben gehen kann. Dann kommt ein so grundfalscher und dummer Schmarrn wie „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ heraus, und weil der Mensch ein Plappertier ist, plappert er den nach und fragt sich gar nicht erst, ob das nicht ein Riesenquatsch und jedes Verbrechen generell ein Verstoß gegen die Menschlichkeit ist (was aber auch nur stimmt, wenn man eine bestimmte Form von Menschlichkeit meint und nicht die allgemeine, die etwa in dem Sprichwort „Irren ist menschlich“ drinsteckt). „Belästigungen 23/2019: Menschheit, Menschlichkeit und der große Knall“ weiterlesen

Belästigungen 21/2019: Jetzt neu: Diskriminierung für alle!

Wenn eine Gesellschaft ein richtig schlimmes Problem hat, ist es immer erfreulich, ein anderes Problem zu finden, das sich scheinbar leichter lösen läßt. Und supertoll ist es, wenn man den Eindruck erwecken kann, mit diesem anderen Problem lasse sich das richtig schlimme Problem nebenbei gleich mitlösen!

Zum Beispiel ist im letzten halben Jahrhundert – seit der Durchsetzung der ersten jener neoliberalen „Reformen“, die seither unregelmäßig bis dauernd wie Erdbebenwellen über den Planeten rumpeln – öfter mal festgestellt worden, daß die Welt ungerecht ist und immer ungerechter wird: Eine winzige Klasse von Superreichen besitzt fast alles, was es gibt, die Hälfte der Menschheit hingegen hat überhaupt nichts und muß ihr ganzes Leben für dreckige, sinnlose Lohnarbeit verschwenden, um wenigstens existieren zu können. „Belästigungen 21/2019: Jetzt neu: Diskriminierung für alle!“ weiterlesen

Belästigungen 20/2019: Der alte Mann und das Klimamädchen

Passiert ist dies: Ein junges Mädchen reist zu einer dieser Versammlungen von alten (und jüngeren) Männern (und Frauen), deren Tätigkeit darin besteht, die Welt zu zerstören, indem sie Wirtschaftswachstum herbeiführen, fördern und propagieren. Das Mädchen hält eine flammende Rede, in der sie das mörderische Treiben dieser Leute anprangert, ihnen ihre Wut und Verzweiflung in die hohlen Gesichter wirft und sie auffordert, endlich vernünftig zu werden und die Zerstörung der Welt und des Klimas zu stoppen. Kameras und Mikrophone übertragen die Rede, Millionen hören zu. „Belästigungen 20/2019: Der alte Mann und das Klimamädchen“ weiterlesen

Belästigungen 15/2019: Der Einzelne und sein Gewohnheitstum

Gewohnheiten sind tückisch. Sie schleichen sich ein, und ehe man irgendwas davon bemerkt, sind sie da und man bemerkt sie nicht mehr.

Zum Beispiel beschlossen wir neulich, weil wochenendbedingt unsere bevorzugten Isarbadeplätze sämtlich total übervölkert waren, mal eine andere Stelle am ferneren Flußufer auszuprobieren. Und stellten fest: Da ist es ganz nett, aber liegen kann man nicht gescheit, ins Wasser kommt man auch nicht gescheit hinein, und wenn man drin ist, kann man nicht recht was damit anfangen. Den Leuten um uns herum wäre es an unseren Lieblingsstellen wahrscheinlich ähnlich gegangen: Lauter Steine! und saugefährliche Wasserfälle! Urg! „Belästigungen 15/2019: Der Einzelne und sein Gewohnheitstum“ weiterlesen

Belästigungen 10/2019: Dreck und Geld und Sachzwänge: Wir planen eine Stadt!

Im mittleren Norden der Münchner Stadt schlummert die Eggartensiedlung, ein Idyll, wie man es in Europa kein zweites Mal findet.

Das heißt: Sie schlummert nicht mehr, sondern sie kümmert auf dem Krankenbett dahin, seit vor einigen Jahren Immobilienspekulanten auf den Plan traten und seitdem Bewohner umsiedeln, Häuser einreißen, Bäume fällen und das gesamte Gelände vermüllen lassen. Klar: die wollen bauen, am besten zehnstöckig!

Neulich bei einem „Bürgerdialog“ (dazu gleich mehr), mit dem den umliegenden Anwohnern die Vernichtung der Siedlung und ihre Ersetzung durch eine der üblichen ortlosen Wohnmaschinen verklickert werden sollte, war zu sehen, was dort geplant ist: stumpf-brutale Bunkerarchitektur für 1.700 bis 2.000 Unterzubringende, die dann täglich die wenigen schmalen Straßen außenrum verstopfen und die ganze Gegend in eine Hölle von Lärm, Gestank und Häßlichkeit verwandeln werden. Plus Supermarkt, Garagen und diverse „Kitas“ – was man halt so braucht, wenn man sein Leben im Auto und am Arbeitsplatz verbringt. „Belästigungen 10/2019: Dreck und Geld und Sachzwänge: Wir planen eine Stadt!“ weiterlesen

Belästigungen 26/2017: Gleich und Selb: von Schlössern, Suiten, Burgen und deutschen Sonder(irr)wegen

Wenn zwei das gleiche tun, ist es meistens nicht dasselbe. Und ob es das gleiche ist oder als das gleiche betrachtet wird, hängt sehr stark von etwas ab, das man die jeweilige gesellschaftliche Verfaßtheit nennen könnte.

Zum Beispiel gilt es im Rahmen der Regeln, auf die sich unsere Herrschenden geeinigt haben, als durchaus normal, daß einer einen tonnenschweren, giftausstoßenden Blech-Plastik-Kasten auf öffentlichem Grund abstellt. Daß das grundsätzlich ganz und gar nicht normal ist, bemerkt man (falls man überhaupt noch was bemerkt), wenn ein anderer eine verrostete Badewanne oder einen alten Kühlschrank danebenstellt, der höchstens einen Zentner wiegt, niemanden töten kann (außer er fiele aus mindestens drei Meter Höhe „Belästigungen 26/2017: Gleich und Selb: von Schlössern, Suiten, Burgen und deutschen Sonder(irr)wegen“ weiterlesen

Belästigungen 20/2017: Von Büchern, Drogen und der Glückseligkeit der „Finanzmärkte“

Jede Epoche der Menschengeschichte, so mag es dem Freizeithistoriker scheinen, hat ihre eigenen Drogen und Kulturtechniken. Zum Beispiel war es vor nicht allzu langer Zeit (nicht nur) in unseren Breiten durchaus üblich, tiefgängige und fundierte Literatur zu gesellschaftlichen Problemen, Fehlentwicklungen und Skandalen zu lesen, zu diskutieren und daraus sogenannte Handlungskonzepte abzuleiten. Das heißt: sich zu überlegen, was man am besten dagegen tut, daß die Welt in Einzelheiten und insgesamt nicht so eingerichtet ist und läuft, wie sie das sollte, damit es möglichst vielen Leuten gut geht.

Heute spielen solche Fragen und Antworten keine Rolle mehr, weil das Wohlbefinden gewöhnlicher Menschen nicht mehr von Bedeutung ist. Wem es heute gutgehen soll und muß und wessen Lust und Laune deshalb das „Belästigungen 20/2017: Von Büchern, Drogen und der Glückseligkeit der „Finanzmärkte““ weiterlesen

Belästigungen 12/2017: Es lebe die Weiße-Tücher-Armee-Fraktion! (ein konstruktiver Vorschlag)

Eine „repräsentative“ Umfrage ergab neulich, daß die Münchner – also hauptsächlich jene Menschen, die sich aus beruflichen Gründen momentan vorübergehend hier aufhalten – München gut und zugleich schlecht finden. Die einzelnen Resultate waren ebenso widersprüchlich: Man wünscht sich zum Beispiel weniger Autos, aber mehr Parkplätze. Was sich so deuten läßt, daß jeder einzelne weiterhin einen Großteil seiner Lebenszeit in Blechkisten absitzen und den Rest der Welt vergasen und totdröhnen möchte, die anderen sollen aber gefälligst darauf verzichten. Wie das halt so ist in einer Leistungsgesellschaft.

Auch daß man die Mieten einerseits zu hoch, andererseits aber das grundlegende System, daß überhaupt jemand Wohnraum vermieten und damit ohne jede Anstrengung stinkreich werden darf, ganz in Ordnung findet, „Belästigungen 12/2017: Es lebe die Weiße-Tücher-Armee-Fraktion! (ein konstruktiver Vorschlag)“ weiterlesen

Belästigungen 11/2017: Wem was wie wo und warum droht (und wem was nicht)

Manche Blödheiten funktionieren wie Brennesseln und Ameisen: Man kriegt sie einfach nicht weg, sie nesseln und wimmeln immer wieder aus denselben Ritzen und Löchern hervor, um arglose Menschen zu ärgern. Zum Beispiel trompetete mich neulich auf dem Weg ins Grüne mindestens zwanzigmal die gleiche „Zeitung“1 an: „Jeder 5. Münchner von Armut bedroht!“

Das war zum Glück gelogen, sonst wäre es schlimm: Von Armut bedroht ist bekanntlich so gut wie jeder, selbst der Multimilliardär, der zwar von seinen devoten Ausgebeuteten in Deutschland nichts zu befürchten hat, dem aber sämtliche Steuergeschenke und Spezln nichts helfen, wenn am Börsentheater die falsche Blase platzt. Die einzigen, die tatsächlich nicht von Armut bedroht sind, das sind: selbstverständlich die „Belästigungen 11/2017: Wem was wie wo und warum droht (und wem was nicht)“ weiterlesen

Belästigungen 14/2015: Wenn die Krähen eine Idee haben … haben die Menschen wohl auch eine Idee gehabt

Soweit ich weiß, sind Krähen und Menschen die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die ab und zu Ideen haben. Andere Viecher lösen ihre Probleme anders: Hunde bellen sie so lange an, bis sie weggehen oder durch etwas Eßbares ersetzt werden; Katzen legen sich daneben, schlafen ein und haben beim Aufwachen vergessen, was das Problem war (und alles andere auch). Ameisen tragen einfach alles weg oder fressen es zusammen. Hasen haben keine Probleme, solange irgendwo was Grünes wächst, und wenn sie doch mal ein Problem haben, merken sie’s erst, wenn es zu spät ist.

Der Unterschied zwischen Menschen und Krähen ist, daß die Ideen der Rabenvögel meistens recht pfiffig und elegant sind, während die Sachen, auf die der Mensch so kommt, im Normalfall ziemlich ausarten. „Belästigungen 14/2015: Wenn die Krähen eine Idee haben … haben die Menschen wohl auch eine Idee gehabt“ weiterlesen

Belästigungen 10/2015: Ich und die Krakenschwester bei der Toten Armee (inkl. Farbeinspritzung und DNA-Kneifzange)

Die Finger sind manchmal kaum mehr als ein Werkzeug, das das Unterbewußtsein (oder das Überbewußtsein? Wer weiß so was schon!) einsetzt, um seinem Protest gegen die Zumutungen des Alltags ein Ventil zu verschaffen, das ordentlich zischt.

Das zeigt sich bei der Haupttätigkeit des modernen Tätigkeitlers: dem Drauftippen auf Tasten, wodurch angeblich sinnvolle „Informationen“ erzeugt werden, die man dann hinaussenden kann in die Welt, damit die Menschen zu informierten Menschen werden und ihre Lebensqualität ein Ausmaß erreicht, das vor dem Informationszeitalter ungeahnt war – also etwa im Garten Eden, dessen Bewohner über keinerlei Information verfügten, abgesehen von einem vagen botanisch-disziplinarischen Hinweis (und übrigens auch keinerlei Tätigkeit nachgingen). „Belästigungen 10/2015: Ich und die Krakenschwester bei der Toten Armee (inkl. Farbeinspritzung und DNA-Kneifzange)“ weiterlesen