Belästigungen 5/2026: Derweil im (vor)letzten Vorkriegsfrühling

Am ersten spätwarmen Tag des Jahres – an dem man also aufgrund des Zaubers von Sommerzeit und Frühling um halb zehn Uhr abends die eigene Einsamkeit noch müßig mitten im Trubel des tobenden „Stadtbilds“ zelebrieren kann, – an diesem Tag überfluten mich gewohnheitsmäßig Empfindungen, Bilder und Eindrücke, die ich weder ordnen noch deuten und schon gar nicht erklären kann. Sie fluten einfach. „Belästigungen 5/2026: Derweil im (vor)letzten Vorkriegsfrühling“ weiterlesen

(periphere Notate): Was gemeldet wahr, war ist.

Überdruß ist eine Taktik, um akuter Überflutung mit sinnloser Information zu begegnen. Es geht mir in den letzten Tagen und Wochen regelmäßig bis dauernd so: Ich öffne gewohnheitsmäßig Internetseiten, nehme irgendwas wahr, kopiere einen Teil davon heraus, weil ich vermute, daß mir dazu etwas einfällt, was ich gerne sagen möchte. Dazu habe ich dann aber doch keine Lust, weil die Sonne scheint und mir das, was ich sagen könnte, banal vorkommt und ich denke: Das habe ich doch schon tausendmal gesagt, und nicht nur ich. Notfalls sage ich es – im Wortsinn – ins Telephon hinein, als Video, das geht schneller; zudem sind die meisten Sachen, die mich zur Zeit beschäftigen (sollen), so geartet beziehungsweise banal, daß ihnen das sowieso besser entspricht.

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4 Wochen Wahnsinn (April 2026)

Ein deutscher Mensch mit dem Internationalnamen Whatafool (zu deutsch: „Welch ein Knallkopf“) schaffte Mitte April, was diverse Staatsdiplomaten zuvor vergeblich versucht hatten: den Konflikt um den Iran beizulegen. Auf X twitterte das im Rest der Welt unbekannte CDU-Mitglied: „Ich habe Iran aufgefordert, den Waffenstillstand einzuhalten und sich auf konstruktive Verhandlungen einzulassen sowie freie und sichere Schiffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.“ Daß des Knallkopfs Erfolg nur wenige Minuten lang ein bisserl spürbar war, lag daran, daß der Iran diese Forderungen längst erfüllt, Whatafool jedoch vergessen hatte, die USraelischen Aggressoren ebenfalls – wie man so sagt – zu „kontaktieren“. „4 Wochen Wahnsinn (April 2026)“ weiterlesen

Ein schönes (!) Buch!

Wir haben es schon länger angekündigt (und noch viel länger daran herumgewerkelt), jetzt ist es endlich da: das erste Jahrbuch des Wahnsinns – eine durch und durch satirische, dennoch nicht (nur) unernste Sammlung von Geschehnissen aus dem Jahr 2025, kommentiert von Franz Esser und mir. Wer die Sendung „4 Wochen Wahnsinn“ auf Radio München (immer am letzten Freitag im Monat) kennt und schätzt, wird sich freuen, daß im Buch nicht nur alle gesendeten, sondern dazu ein ganzer Haufen Beiträge (nach)zulesen sind, die aus Gründen der knappen Zeit nicht gesendet werden konnten. „Ein schönes (!) Buch!“ weiterlesen

(periphere Notate): Örr ist nicht der Ort für Begegnungen

Neulich habe ich zwei alte Freunde nach längerer Zeit wiedergesehen. Es war keine „gute“ Begegnung, nein, es waren zwei „nicht gute“. Sie haben mich nicht bemerkt, weil ich bloß auf einen Bildschirm gestarrt und ihnen dabei zugesehen habe, wie sie extrem schlechte und dumme Gagschreibergags aufsagen und sich dabei sichtlich unwohl fühlen mußten. Es war so schlimm, daß ich mich zum vielleicht ersten Mal unironisch fremdgeschämt habe.

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(periphere Notate): Das Ende von allem (vorerst)

Zwischenbemerkung: Am „Dritten Reich“ waren übrigens weiße Männer schuld. Hätte man 1933 alle weißen Männer ausgerottet, hätte es keinen zweiten Weltkrieg und keinen Holocaust gegeben. Ach so, das Ergebnis wäre ungefähr das gleiche gewesen?
Und mehr möchte ich zu der idiotischsten Ersatz-Täter-Opfer-Vertuschungs-Hysterie der letzten fünfzig Jahre nicht sagen. Es sei denn, die Amadeu-Antonio-Stiftung „weist“ nächste Woche „nach“ oder „darauf hin“ oder „prangert an“, daß bei allen Konflikten der letzten tausend Jahre Popper die Opfer und Punks die Täter waren. Oder umgekehrt. Dann könnte mich das wieder „interessieren“.

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Belästigungen 4/2026: Liebe deinen nächsten Staat, nie dich selbst!

Es ist eine seltsame Sache mit der Welt: Wenn man sie etwas genauer anschaut, sieht man sie nicht mehr. Schaut man hingegen nicht so genau hin, sieht man gar nichts und meint aber, etwas zu sehen, was man für die Welt hält.

Vor bald 93 Jahren – am 20. April 1933 – hatte im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt ein Stück Premiere, das in den folgenden Monaten ein singulär sensationeller Erfolg wurde, der so weit über den Bereich des Theaters hinausschwappte, daß dieser Bereich sozusagen nur noch ein Zehennagel am Leib des Phänomens war. Das Stück hieß „Schlageter“ und war streng genommen gar nicht als Theater konzipiert, sondern ausdrücklich politisch auf die gesamte Gesellschaft gerichtet, deren Umstülpung in eine neue Zeit hinein es als Massenphänomen gleichzeitig abbildete und vor allem befeuerte. Am Ende der Uraufführung erhob sich das Publikum – eine Art repräsentative Versammlung von Protagonisten und Mitläufern der intendierten (und auch so genannten) „Zeitenwende“ – zutiefst aufgewühlt und entflammt von den Plätzen und sang die Nationalhymne, nur minimal deplaziert, weil es eine Hymne des eigentlich gemeinten großeuropäischen Reichs halt noch nicht gab. „Belästigungen 4/2026: Liebe deinen nächsten Staat, nie dich selbst!“ weiterlesen

(periphere Notate): Technical Black Stoner Slash Thrash Doom Funeral Glam

Die Kriegs- und Kapitalkampforganisationen SPD und CDU „schlagen vor“, die Mehrwertsteuer auf 21 oder 22 Prozent zu erhöhen, um die Einkommensteuer für „kleine und mittlere Einkommen“ senken zu können. Diese saudumme Lüge ist so alt, daß ihr Bart bis in die achtziger Jahre hinunterhängt. Als Service für nachgewachsene enthirnte „Sozialdemokraten“ wiederhole ich aber gerne noch mal, was ich seit vierzig Jahren jedesmal wiederhole, wenn wieder so ein Trottel daherkommt und mit diesem billigen Trick mehr Geld für Waffen, Krieg und Großkonzerne aus den ärmeren und armen neunzig Prozent der Bevölkerung herauspumpen möchte: Man kann die Einkommensteuer für „kleine und mittlere“ Einkommen nicht senken, ohne sie gleichzeitig und um exakt dieselben Beträge auch für große bis allergrößte Einkommen zu senken. Und die Mehrwertsteuer bezahlen auch die Massen von Armen, die so arm sind, daß eine Einkommensteuer für sie überhaupt nicht anfällt. Es geht also weiterhin ausschließlich darum, die Finanzierung von Krieg und Kapitalprofiten Schritt für Schritt von den Reichen auf die Armen zu übertragen.

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REPLAY: Das Ende der Medien (wie wir sie kennen)? (April 2024)

Ab und zu sollte man daran denken: Es gibt immer noch viele Menschen, die ausschließlich und in vollem Umfang den sogenannten „Leitmedien“ vertrauen und daher keinerlei Zugang zu echten, ungefilterten Informationen haben, sondern nur mit Propaganda „gefüttert“ werden. Diese Manipulation hat Folgen, die bisweilen skurril bis bizarr, oft aber auch bedenklich sind. „REPLAY: Das Ende der Medien (wie wir sie kennen)? (April 2024)“ weiterlesen

(aus dem tiefen Archiv): Heiße Butter mit Puffmais! (1998)

O selige Zeiten, als noch niemand hauptberuflich damit beschäftigt war, sogenannte Stil-„Schubladen“ zu erfinden! (Übrigens ein interessantes Paradoxon: Zuerst hatten die überlasteten Herren Musikjournalisten vor lauter Sektempfängen keine Zeit mehr, sich Platten anzuhören, und erfanden daher griffige Begriffe, um die tönenden Dinger auch so zeilenhonorig abhandeln zu können, – und dann nahmen die wuchernden Begriffe so überhand, daß man sich die Platten manchmal doch wieder anhören mußte, weil sich unter „progressive Birmingham Grunge Disco House Remixes mit phatt gefeatureten Upbeat-downtown Grooves der Blue Move Soul ‘n‘ Bass Retro Schule um die Altmeister des Ambient Dub Rock Jungle“ – o selige Zeiten, als es noch Binde-Striche gab! – keiner mehr was vorstellen kann.) Noch mal: O selige Zeiten, als noch niemand hauptberuflich damit beschäftigt war, sogenannte Stil-„Schubladen“ zu erfinden! Denn wo hätte „Popcorn“ wohl hineingepaßt? „(aus dem tiefen Archiv): Heiße Butter mit Puffmais! (1998)“ weiterlesen

Deutschland wird neutral sein – oder es wird nicht sein (ein Buchbeitrag)

Soll Deutschland neutral werden? Diese Frage wird seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten immer wieder diskutiert, vor allem wenn Deutschlands Nichtneutralität mal wieder in eine kontinentale Katastrophe geführt hat oder dies zu tun droht. Ist ja auch verständlich, ein typischer „Katereffekt“: Nach einer mörderischen Schießerei mit mehr Toten als Überlebenden mag man sich schon fragen, ob es nicht förderlich wäre, sich aus solchen Händeln herauszuhalten und auf die Bevorratung von Schußwaffen und Munition fürderhin zu verzichten. Täten das alle, heißt es gerne, wäre die Welt zwangsläufig eine friedliche. Allerdings, so lautet der gängige Einwand: Wenn dann doch ein Renegat mit der Wumme daherkommt, hat er leichtes Spiel! „Deutschland wird neutral sein – oder es wird nicht sein (ein Buchbeitrag)“ weiterlesen

4 Wochen Wahnsinn (März 2026)

Arndt Freiherr Freytag von Loringhofen – doch, es gibt Leute, die sich so nennen lassen – war mal Diplomat, beigeordneter NATO-Generalsekretär und Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes. Er ist also ein Mann, der was von Geheimdiensten, Spionage und solchen Sachen verstehen sollte. Zuletzt verfaßte er sogar ein Buch mit dem Bandwurmtitel „Putins Angriff auf Deutschland: Desinformation, Propaganda, Cyberattacken. Fake News aus Moskau: wie Rußland unsere Demokratie angreift“. Nun erhielt Herr Dingsbums auf Signal eine Nachricht von einem angeblichen „Support“: Er möge doch bitte zwecks Überprüfung seine PIN eingeben. Was tat er wohl, der Cyber-Spezialist? Richtig, er tippte die Geheimzahl ein, woraufhin seine sämtlichen Kontakte eine Spam-Nachricht mit Schadsoftware erhielten. Was lernen wir daraus? Nun, vielleicht: sogenannten Fachleuten nicht zu trauen, wenn sie mit lächerlichen Verschwörungsmärchen nur so um sich schmeißen, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. „4 Wochen Wahnsinn (März 2026)“ weiterlesen