(periphere Notate): Pickt eine Seite!

Vor zwei Jahren an diesem Tag … saßen wir nachts in der Kneipe und besprachen oder belallten das kaum registrierte Problem, daß der Neoliberalismus und die jahrzehntelang galoppierende Enteignung und Umschaufelung sämtlicher gesellschaftlicher Besitztümer von unten nach oben, von den vielen zu den wenigen, schließlich den einzigen, doch eigentlich schon am Ende sei: Es habe ja keiner mehr was außer „denen“. Was solle da noch draufgelegt oder vielmehr: weggenommen werden?

Die Frage hat sich sozusagen (in schwarzer Ironie) totaler und radikaler beantwortet, als wir uns das damals überhaupt erst vorstellen konnten. Um die fiese Metapher von der „Welle“ zu benutzen, bei der kaum einer, der sie ständig als zunehmend absurde Rechtfertigung („dritte! vierte! fünfte!“) im Mund und auf dem Schild führt, bedenkt, daß sie aus einem Film und Roman stammt, die auf einem realen Experiment beruhen, – um diese Metapher zu bemühen, könnte man die ungeordneten, hilflosen Versuche, damit umzugehen, sie zu vermeiden, ihr zu entrinnen, mit der irren Vorgabe der Treiber des Geschehens beschreiben: Es gelingt auf keinem Weg, „vor die Welle zu kommen“. Weil sie zu mächtig, zu unberechenbar, zu perfekt die Reaktionen antizipierend inszeniert ist; man kann sich das aussuchen.

Je näher man hinschaut, desto deutlicher werden die Stränge der perfiden, zynischen Logik, die in dieser an- und abschwellenden, dabei insgesamt jedoch stetig an Gewalt zunehmenden Welle wirken. So erhielt etwa der UN-Sonderberichterstatter über Folter, Nils Melzer, auf eine Anfrage an die Bundesregierung wegen der wenigstens stellenweise eskalierenden erratischen Brutalität der deutschen Polizei gegen Bürger eine Erläuterung des deutschen oder vielmehr für demokratische Staaten allgemeingültigen Verfassungsrechts, die an Orwellschem Irrwitz kaum zu übertreffen ist: „Eine der Kernaufgaben (‚core jobs‘) der Polizei in einem demokratischen Rechtsstaat“ sei es, „friedliche Demonstrationen zu schützen“.

Zur Einschärfung wird das gleich darauf wiederholt und auf „Versammlungen“ im allgemeinen ausgeweitet: „Die zentrale Aufgabe der Polizei bei Versammlungen ist es, sie zu schützen und“ (wir ergänzen: „dadurch“) „zu ermöglichen, daß sie stattfinden. Diabolische Logik: Keine Versammlung ohne „Schutz“, der sie „ermöglicht“! Das gilt, wenn man es weiterdenkt, für jedes Zusammentreffen von mehr als zwei Personen: Es ist nicht gestattet ohne „Schutz“ durch die Polizei, die dieses Zusammentreffen durch ihren „Schutz“ erst ermöglicht und es „zum eigenen Schutz“ gewaltsam auflösen kann.

Da sehen wir das fraglose, eifrige Nicken der Masse, synchron und allbejahend: „Jawoll!“ Daß es eine der Kernaufgaben eines demokratischen Rechtsstaats sein könnte, friedliche Bürger, die sich Zwang, Gewalt, Unterwerfung, Entrechtung und Isolation zu entziehen versuchen und dies nicht direkt praktisch, sondern symbolisch demonstrativ tun, vor der Polizei zu schützen, scheint unvorstellbar.

Das ist es vielleicht schon lange, als Resultat eines Gewöhnungs- und Umerziehungsprozesses. 1962, siebzehn Jahre nach dem Ende der wohl auch in Hinsicht auf Willkür, Brutalität, Schamlosigkeit und Totalität polizeilicher Gewalt schlimmsten Eskalationsspirale der deutschen Geschichte, erschien es vollkommen widersinnig, das noch einmal hinzunehmen. Da genügten vier Straßenmusiker in Schwabing und ihr fröhliches Publikum, deren Treiben die offenbar mental und organisatorisch nicht wirklich entnazifizierten Einsatzkräfte mit vertrauten Mitteln Einhalt zu gebieten suchten. Das Ergebnis waren tage- und nächtelang aufflammende förmliche Straßenschlachten und ein scheinbares Einlenken der Ordnungsmacht, die sich indes wohl nicht auf demokratische und freiheitliche Prinzipien besann oder orientierte, sondern einen psychologischen Lernprozeß einleitete, an dessen vorläufigem Ende wir angemeldete, genehmigte Aufzüge erleben, die an abgelegenen Orten mit amtlich begrenzter Teilnehmerzahl, exakt einzuhaltendem Ablaufplan und maskierten Gesichtern abgehalten werden dürfen, streng bewacht von Hundertschaften militarisierter Polizei, die in keiner Weise dem Schutz der „Demonstration“ (vor was?), sondern ausschließlich dem Schutz der eisernen Ordnung vor einer Störung durch die „Demonstration“ verpflichtet sind. Der geringste, meist provozierte Verstoß gegen Verhaltensmaßregeln (etwa das Abnehmen der entwürdigenden Gesichtsmaske oder die Nichteinhaltung des vorgeschriebenen, gelegentlich in tragikomödiantischer Überdrehung durch Uniformierte mit Zollstöcken kontrollierte Abstands zwischen den sogenannten Bürgern) genügt, um die Versammlung notfalls durch brutale körperliche Gewalt zu zerstreuen und zufällig herausgeschnappte Opfer nach intensiver Durchprügelung einem Strafverfahren wegen „Widerstand“ zuzuführen. Das alles geschieht, wie wir nun glauben sollen, zum „Schutz friedlicher Demonstrationen“.

Die logische Folge ist, daß in einer Stadt wie München ununterbrochen und dauerhaft „friedliche Demonstrationen“ stattfinden – und zwar ohne körperliche Teilnahme von Menschen: auf Reklamewänden, Plakaten, Bildschirmen, Zeitungskästen und hunderttausenden anderen „Displays“, die den Bürger, der unsicher und verschüchtert durch den ehemals öffentlichen Raum eilt, um sich mit Konsumgütern einzudecken und in sein elektronisch überwachtes „Home Office“ zurückzuflüchten, mit Verhaltens- und Empfindensbefehlen regelrecht bombardieren. Sieht er zufällig irgendwo von fern ein von massiven schwarzuniformierten Menschenrobotern eingekesseltes Grüppchen, das vergeblich unhörbare Botschaften zu verkünden versucht oder zu seinem eigenen „Schutz“ mit Schlagstöcken daran gehindert wird, beschleicht oder überwältigt ihn eine Art von Scham, die historische Parallelen hat, von denen wir nicht sprechen wollen.

Einzugreifen, weil da offensichtlich ein Vorgang der Unterdrückung, der Repression, Mißhandlung und Züchtigung stattfindet, kommt ihm nicht mehr in den Sinn. Er ist dressiert.

Eine der Grundlagen dieses Prozesses der sozusagen assistierten Selbstunterwerfung ist das Einschwören auf die Gemeinschaft, die der ehemals offenen Gesellschaft als Schwurbund (Obacht, Wortähnlichkeit!) nicht gegenübersteht, sondern aus ihr hervorgeht, in einem Prozeß vermeintlicher „Reifung“. Am Anfang, könnte man sagen, steht demnach die den Spießbürger verwirrende, den Freigeist inspirierende Vielfalt der Stimmen, Meinungen, Gefühle, Ansichten, Erfahrungen, eine Art lebensweltliches Multikulti, in dem man sich in täglicher spontaner, austastender Verhandlung auf gewisse Regeln einigt, Assoziationen, Bünde, Familien, Vereine, Freundeskreise und Interessensvertretungen bildet, sich gegenseitig unterstützt, aushilft, auch mal beschützt, streitet, sich versöhnt oder auch nicht, sich aus dem Weg geht oder meidet, debattiert, lästert und schimpft, feiert und tobt und ansonsten seiner Wege geht, ohne jemandem Verhaltensvorschriften aufzudrängen.

Das ist ein prekäres, anstrengendes Durcheinander, in dem immer wieder Irritationen und Unruhen entstehen, die dem sprichwörtlichen Spießbürger ein Dorn im Auge sind. Der möchte die Welt geordnet haben, damit (ihm) nichts passiert. In seinem bald kollektiven Streben nach immer weniger Un- und immer strengerer Ordnung schreitet er dem Kasernenhof zu und schickt Truppen in den verbliebenen Gesellschaftsdschungel, um ihn zu roden, damit man ihn überblicken und ebenfalls ordnen kann.

Wer sich partout nicht fügen will und immer wieder aufbegehrt gegen die Ordnung, den muß man dann „schützen“, siehe oben. Und, das ist die logische Folge, aus der Ordnung entfernen und von ihr fernhalten. Und aus der gereinigten Ordnung ersteht (möglicherweise vom einzelnen gar nicht bemerkt) die Gemeinschaft. Die ebenfalls prekär ist; nur daß die Bedrohung nun nicht mehr wie in der Gesellschaft aus der eigenen Mitte, aus dem Wirbeln, Kreisen, Wirren und Irren der ihr Angehörigen entsteht, sondern von außen her, von denen, die sich nicht fügen wollten und weiterhin nicht wollen. Vor denen sich die Gemeinschaft schützen muß, indem sie sie im Abseits einhegt und diszipliniert. Wie gesagt: zum eigenen Schutz der Abgesonderten. Wenn sie diesen „Schutz“ ablehnen und sich widersetzen, gibt’s Haue.

Um die Gemeinschaft nach innen dauerhaft zu einen und gegen alle Anfechtungen zu stärken, braucht es zweierlei: erstens einen Feind, der von außen droht, übermächtig scheint oder jedenfalls nur in Gemeinschaft zu besiegen, zu vernichten oder wenigstens unter Kontrolle zu halten ist. Und zum zweiten einen Glauben an diese der Gemeinschaft innewohnende Fähigkeit, der in sich Greifbarkeiten und Ungreifbarkeiten niederschlägt: Ungreifbar ist der Glaube selbst, der nur ideell zu einer Art Gottwesen gerinnt, ungreifbar ist aber auch der Feind, der am gefährlichsten dann ist, wenn man ihn gar nicht sieht. Greifbar sind die Rituale, die den Glauben manifestieren, etwa in Form einer Art Taufe, bei der dem Gemeinschaftsmitglied eine Art Substanz des Glaubens verabreicht wird, die ihn körperlich zum solchen werden läßt. Und durch eine Uniform, die dem einzelnen seine Individualität nimmt, die der Verschmelzung mit der Gemeinschaft im Weg steht, etwa eine Verschleierung des Gesichts. Weil der Feind unberechenbar ist und stetig mit Bosheit und Verlockung droht, muß jedoch regelmäßig geprüft werden, ob der Glaube noch hält und trägt; der Test auf Reinheit von Körper und Seele zeigt zugleich die Gefahr auf, weil er immer wieder „Durchbrüche“ belegt, die durch Wiederholung der Taufe bereinigt werden müssen.

Für diese Art von Gemeinschaft gibt es viele historische Beispiele, die immer dann problematisch werden, wenn sie nach außen ausgreifen. Der im Grund harmonische Gemeingeist, der sie eint und von der Welt trennt, wird dann zum Furor, der in der Hysterie der übersteigerten, rasenden Bedrohungsangst expansiv gegen alles schlägt und es zu tilgen versucht, was anders ist. Woher diese Angst kommt, ist schwer zu sagen. Verschlossene, weltferne Klostergemeinschaften aller möglichen Religionen, aber auch rein weltlich begründete Stämme kennen sie meines Wissens nicht (ich mag mich da irren). Vielleicht ist es eine Art innerer Leere, ein gemeinsames Kreisen um ein unbefriedigendes Nichts, das niemand zu benennen wagt, aus dem sie entsteht. Das daraus unvermeidlich hervorquellende Unbehagen richtet sich gegen die Außenwelt, in der man den Keim des Übels im eigenen Inneren vermutet. Wer weiß.

In dem erwähnten Film und Roman ist dies die dritte Phase des auf totale Macht gerichteten Prozesses, die auf Disziplinierung und Gemeinschaftsbildung folgt: „Macht durch Handeln“, zu dem man sich, agitatorisch aufgepeitscht, gezwungen sieht. Die dabei entstehenden Kaskaden von Hierarchien sind zugleich absurder Inbegriff der Egalität: Irgendwie ist jeder Führer und Geführter zugleich; den höchsten Führer führt das Schicksal oder eben der aus dem gemeinschaftlichen Glauben geronnene „Gott“.

All das ist nicht neu, und zwangsläufig bleibt es als Mechanismus dem Mitglied der Gemeinschaft verborgen.

Zurück auf den Boden, wo einer der verwegensten Priester der „Corona“-Gemeinschaft (nicht der oben abgebildete, sondern der andere) sich am 2. Januar auf eine nicht eben neue Stufe der flammenden Hysterie verstieg: „Viele Ungeimpfte haben das Gefühl, daß der Zug für sie eh abgefahren sei. Das stimmt nicht! Die erste Impfung senkt bereits nach 14 Tagen das Sterberisiko drastisch. Ich appelliere an die Menschen: Lassen Sie sich impfen! Mit der Steigerung der Erstimpfungen können wir in der Omikron-Welle die Zahl der Corona-Toten wirksam senken.“

Daß die „Impfung“ das Sterberisiko weder allgemein noch in bezug auf Atemwegserkrankungen in irgendeiner Weise beeinflußt, ist aus den „Zulassungsstudien“ der Hersteller so hinlänglich bekannt, daß es keiner weiteren Erläuterung bedarf. Noch nicht ganz so alt und trivial ist die Erkenntnis, daß man mit „Omikron“ praktisch nur dann sterben kann, wenn das Sterben aus anderen Gründen ohnehin nicht mehr zu vermeiden ist. So oder so zeigt das Gekräh sehr deutlich die Umrisse der inneren Leere, des Nichts in der Mitte der Gemeinschaft, die vor dem Sterben so unbändige Angst hat, weil sie nicht weiß, wofür man überhaupt leben sollte, daß sie ihr Heil in der puren Expansion sucht: Vielleicht erhält das Kreisen um das Nichts einen Sinn, wenn mehr Menschen darum kreisen.

Da man neue Mitglieder durch ausschließliches Beschwören negative Bedrohungen spätestens dann nicht mehr gewinnen kann, wenn zumindest den Außenstehenden die Gefährlichkeit dieser Bedrohung schlichtweg nicht mehr zu suggerieren ist, braucht es andere Mittel. Man kann sie zum Beispiel auf so unangenehme, repressive Weise „schützen“, piesacken, quälen und scheuchen (siehe oben), daß ihre Leidenstoleranz irgendwann bröckelt und sie sich aus Überdruß oder Existenzangst dem Druck ergeben und in die Taufe einwilligen. Zumal die Gemeinschaft sie mit Versprechungen göttlicher Gnade lockt, die zwar so gut wie nie eingehalten werden, aber stets aus der Zukunft verheißungsvoll herüberwinken.

„Die, die sich solidarisch verhalten und sich impfen lassen, müssen auch Freiheiten genießen dürfen.“ Jan Oskar Höffmann (SPD)

Außer zum „Impfen“ ruft Karl Lauterbach zum Maskentragen auf: „Die Viruslast der Infizierten ist bei Omikron niedriger, deshalb wirken Masken besser. Wir sollten unbedingt bei Begegnungen mit anderen Menschen Maske tragen.“

Damit sind wir im Genre der unfreiwilligen Satire angelangt: Wenn die Masken um so besser „wirken“, je weniger „Viruslast“ ein Infizierter trägt, dann sollte man sie doch am besten nur noch dann aufsetzen, wenn man gar keine „Viruslast“ trägt, nicht wahr? Oder mit Lauterbach (der dafür sicherlich ganz viele Harvard_Studien nicht gelesen hat) den logischen Schluß ziehen, daß sie überhaupt nicht „wirken“ (abgesehen vielleicht von den vermuteten „Nebenwirkungen“).

If you can pick a side.

4 Antworten auf „(periphere Notate): Pickt eine Seite!“

  1. was bin ich froh, es nach Russland geschafft zu haben. Hier gibt es auch Maskenpflicht, manche Geschäfte müssen den „QR-Code“ überwachen. Doch in der Praxis sieht das vollkommen anders aus als in dem Land, in welchem ich das Licht der Welt zu erblicken hatte. Ich habe hier in Russland weder beim Busfahren noch in irgendeinem Geschäft jemals eine Maske getragen, wie etwa 2/3 der Menschen. Keine Verkäuferinnen-Drecksau gellt durch den Supermarkt, „die Maske über die Nase, sonst rufe ich die Polizei !!!!!!“ Hier ist die „QR-Code“-Pflicht quasi das Todesurteil für ein Geschäft, denn selbst von denen mit QR-Code geht da keiner mehr hin. Die Polizei und bei den Behörden, wenn überhaupt mit Maske, dann unter der Nase, am Ohr baumelnd oder unter dem Kinn. Umverteilt allerdings wird hier auch. Schöne Grüße

  2. „Le gouvernement révolutionnaire doit au bon citoyen toute la protection nationale; il ne doit aux ennemis du peuple que la mort.“ „Die revolutionäre Regierung schuldet dem guten Bürger den ganzen Schutz des Staates; den Volksfeinden schuldet sie nur den Tod.“

    „Il n’y a des citoyens dans la république que les républicains. Les royalistes, les conspirateurs ne sont pour elle que des étrangers, ou plutôt des ennemis.“ „In der Republik gibt es keine Bürger als die Republikaner. Die Royalisten, die Verschwörer sind nichts als Fremde oder eher Feinde.“

    „La prèmiere maxime de votre politique doit être qu’on conduit le peuple par la raison et les ennemis du peuple par la terreur.“ „Das erste Prinzip eurer Politik soll sein, das Volk mittels der Vernunft zu führen und die Volksfeinde mittels des Terrors.“

    Diese Sätze wurden von Robespierre im Jahr 1794 gesprochen (ich bitte um Verzeihung für meine schlampige wörtliche Übersetzung). Der „Volksfeind“ ist seitdem immer wieder erschienen, um Angst zu machen und bestimmte Handlungen zu rechtfertigen. Heute wird das Wort „Volksfeind“ nicht mehr verwendet, die historische Efahrung hat es diskreditiert. Aber der Begriff ist nie gestorben, er hat nur eine Weile geschlafen und jetzt ist er wieder wach und munter. Der alte Volksfeind heißt jetzt in Deutschland „Querdenker“, in anderen Ländern „Negationist“. Derjenige der sich nicht impfen lässt oder keine Maske tragen will oder die amtlich-mediale Erzählung in Frage stellt oder oder oder… der ist ein Querdenker einst Volksfeind.

    Lustigerweise hatte das Substantiv „Querdenker“ noch vor einem Jahr eine anscheinend positive Bedeutung . Auf eine Seite von Amazon kann man noch lesen:

    Querdenker verzweifelt gesucht: Warum die Zukunft der Unternehmen in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt (Dein Business) Gebundene Ausgabe – 15. Oktober 2020
    von Anne M. Schüller
    „Wer die Zukunft erreichen will, braucht neue Ideen. Andere Ideen. Bessere Ideen. Kühne Ideen. Ideen, die bislang noch niemand hatte. Hier kommen die Querdenker ins Spiel. Sie sind Mittler zwischen veraltetem Tun und neuen Vorgehensweisen, Lotsen in eine neue Zeit. Sie sind Wachrüttler, Andersmacher, Vorwärtsbringer. Sie hinterfragen bestehende Strukturen und übliche Vorgehensweisen. Sie bringen frischen Wind und treiben wichtige Initiativen voran, weil ihnen das Fortkommen ihres Arbeitgebers wirklich am Herzen liegt. Dennoch gelten Querdenker in vielen Organisationen als lästig und unerwünscht. Das ist höchst gefährlich. Wo Querdenker nicht aktiv werden dürfen, verstärken sich die Beharrungstendenzen – und damit droht der schnelle Weg ins Aus. Die Unternehmen brauchen Querdenker mehr als jemals zuvor. Weshalb das so ist? Wir stecken mitten drin im größten Change-Prozess aller Zeiten. Völlig neue Businessspiele werden von nun an gespielt. Nur die wendigen, flinken, pfiffigen, jederzeit anpassungsfähigen Marktplayer mit couragierten, unkonventionellen, marktrelevanten Ideen werden das überleben. Die Rolle exzellenter Querdenker, manchmal auch Organisationsrebellen genannt, ist somit strategisch entscheidend. Und eine ausgeprägte Querdenkerkultur ist unumgänglich. Die entscheidenden Fragen: In welcher Art Organisation kann das gelingen? Welche Tools werden dafür gebraucht? Wie kann man sich attraktiv für Querdenker machen? Wo und wie sind Querdenker einsetzbar, um vom Denken auch ins Machen zu kommen? Was sollte man tunlichst lassen, um die guten Querdenker, die man hat, nicht zu vertreiben? Wie kann ein Querdenker seine Ideen in Szene setzen, sodass sie annehmbar werden? Und wovon sollte selbst der leidenschaftlichste Querdenker die Finger lassen? Dieses Buch hat die passenden Antworten parat: sowohl für die Verantwortlichen in den Unternehmen als auch für die Querdenker selbst. Pointiert und praxisnah zeigt die Managementdenkerin und mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin Anne M. Schüller, wie mithilfe guter Querdenker der Sprung in die Zukunft gelingt.“

    Eine Rezension auf derselben Seite trägt den Titel „Endlich!!! Querdenken erlaubt!!!“ Na ja das Vergnügen hat nicht lange gedauert… Es gab bis vor Kurzem Querdenker-Kongresse, Querdenker-Preise, Querdenker-Zeitschriften usw. usf. Sicher sind diese brave Querdenker nicht die Volksfeinde, die in den letzten Wochen an Demonstrationen gegen den größten Schwindel, von dem wir gehört haben, teilnehmen. Vielleicht ist der große Schwindel sogar eine geniale Idee von „guten“ Querdenkern im Dienste der Wirtschaft oder etwas Ähnlichem.
    „Querdenker“ ist als österreiches Unwort des Jahres 2021 gekrönt worden. Ovidius schrieb, dass „Bücher ihre Schiksale haben“ (habent sua fata libelli). Wörter auch.

    „Le gouvernement révolutionnaire doit au bon citoyen toute la protection nationale; il ne doit aux ennemis du peuple que la mort.“ „Die revolutionäre Regierung schuldet dem guten Bürger den ganzen Schutz des Staates; den Volksfeinden schuldet sie nur den Tod.“

    „Il n’y a des citoyens dans la république que les républicains. Les royalistes, les conspirateurs ne sont pour elle que des étrangers, ou plutôt des ennemis.“ „In der Republik gibt es keine Bürger als die Republikaner. Die Royalisten, die Verschwörer sind nichts als Fremde oder eher Feinde.“

    „La prèmiere maxime de votre politique doit être qu’on conduit le peuple par la raison et les ennemis du peuple par la terreur.“ „Das erste Prinzip eurer Politik soll sein, das Volk mittels der Vernunft zu führen und die Volksfeinde mittels des Terrors.“

    Diese Sätze wurden von Robespierre im Jahr 1794 gesprochen (ich bitte um Verzeihung für meine schlampige wörtliche Übersetzung). Der „Volksfeind“ ist seitdem immer wieder erschienen, um Angst zu machen und bestimmte Handlungen zu rechtfertigen. Heute wird das Wort „Volksfeind“ nicht mehr verwendet, die historische Efahrung hat es diskreditiert. Aber der Begriff ist nie gestorben, er hat nur eine Weile geschlafen und jetzt ist er wieder wach und munter. Der alte Volksfeind heißt jetzt in Deutschland „Querdenker“, in anderen Ländern „Negationist“. Derjenige der sich nicht impfen lässt oder keine Maske tragen will oder die amtlich-mediale Erzählung in Frage stellt oder oder oder… der ist ein Querdenker einst Volksfeind.

    Lustigerweise hatte das Substantiv „Querdenker“ noch vor einem Jahr eine anscheinend positive Bedeutung . Auf eine Seite von Amazon kann man noch lesen:

    Querdenker verzweifelt gesucht: Warum die Zukunft der Unternehmen in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt (Dein Business) Gebundene Ausgabe – 15. Oktober 2020
    von Anne M. Schüller
    „Wer die Zukunft erreichen will, braucht neue Ideen. Andere Ideen. Bessere Ideen. Kühne Ideen. Ideen, die bislang noch niemand hatte. Hier kommen die Querdenker ins Spiel. Sie sind Mittler zwischen veraltetem Tun und neuen Vorgehensweisen, Lotsen in eine neue Zeit. Sie sind Wachrüttler, Andersmacher, Vorwärtsbringer. Sie hinterfragen bestehende Strukturen und übliche Vorgehensweisen. Sie bringen frischen Wind und treiben wichtige Initiativen voran, weil ihnen das Fortkommen ihres Arbeitgebers wirklich am Herzen liegt. Dennoch gelten Querdenker in vielen Organisationen als lästig und unerwünscht. Das ist höchst gefährlich. Wo Querdenker nicht aktiv werden dürfen, verstärken sich die Beharrungstendenzen – und damit droht der schnelle Weg ins Aus. Die Unternehmen brauchen Querdenker mehr als jemals zuvor. Weshalb das so ist? Wir stecken mitten drin im größten Change-Prozess aller Zeiten. Völlig neue Businessspiele werden von nun an gespielt. Nur die wendigen, flinken, pfiffigen, jederzeit anpassungsfähigen Marktplayer mit couragierten, unkonventionellen, marktrelevanten Ideen werden das überleben. Die Rolle exzellenter Querdenker, manchmal auch Organisationsrebellen genannt, ist somit strategisch entscheidend. Und eine ausgeprägte Querdenkerkultur ist unumgänglich. Die entscheidenden Fragen: In welcher Art Organisation kann das gelingen? Welche Tools werden dafür gebraucht? Wie kann man sich attraktiv für Querdenker machen? Wo und wie sind Querdenker einsetzbar, um vom Denken auch ins Machen zu kommen? Was sollte man tunlichst lassen, um die guten Querdenker, die man hat, nicht zu vertreiben? Wie kann ein Querdenker seine Ideen in Szene setzen, sodass sie annehmbar werden? Und wovon sollte selbst der leidenschaftlichste Querdenker die Finger lassen? Dieses Buch hat die passenden Antworten parat: sowohl für die Verantwortlichen in den Unternehmen als auch für die Querdenker selbst. Pointiert und praxisnah zeigt die Managementdenkerin und mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin Anne M. Schüller, wie mithilfe guter Querdenker der Sprung in die Zukunft gelingt.“

    Eine Rezension auf derselben Seite trägt den Titel „Endlich!!! Querdenken erlaubt!!!“ Na ja das Vergnügen hat nicht lange gedauert… Es gab bis vor Kurzem Querdenker-Kongresse, Querdenker-Preise, Querdenker-Zeitschriften usw. usf. Sicher sind diese brave Querdenker nicht die Volksfeinde, die in den letzten Wochen an Demonstrationen gegen den größten Schwindel, von dem wir gehört haben, teilnehmen. Vielleicht ist der große Schwindel sogar eine geniale Idee von „guten“ Querdenkern im Dienste der Wirtschaft oder etwas Ähnlichem.
    „Querdenker“ ist als österreiches Unwort des Jahres 2021 gekrönt worden. Ovidius schrieb, dass „Bücher ihre Schiksale haben“ (habent sua fata libelli). Wörter auch.

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