(periphere Notate): Eigentlich ist alles nichts

„Cui bono?“ ist nicht immer die richtige Frage, nur manchmal. Für wen der Tod des russischen Rassisten Alexej Nawalny – den die westliche Propaganda seit Jahren zu einer Art Jesus Christus, Winnetou, Stauffenberg und Mutter Teresa in einer Person aufgebauscht hat, um ihn gegen den gewissenlosen Schlächter Putin zu hetzen (ohne den geringsten Erfolg) – „etwas bringt“, ist klar: Für Rußland und seine politische Führung bringt er absolut nichts, weil den Mann dort so gut wie niemand kannte und er für Regierung, Staat und selbst die Opposition ungefähr die gleiche Bedeutung hatte wie die linke Socke von Andreas Baader für den Ausgang des Jugoslawienkriegs.

Der „Westen“ hingegen hat nun endlich mal wieder einen Märtyrer und wird zweifellos versuchen, den Tod des „Kremlkritikers“ (ZDF), des „russischen Ritters“ (DW), der laut „Tagesschau“ „Putins größter Angstgegner“ gewesen sein soll, als Füllhorn abstruser Verschwörungsmärchen zu mißbrauchen. Da war doch sicher wieder ein Geheimdienst im Spiel, der den tapferen Recken mit einem miesen Gift (Spritze!) meuchelte, um zu verhindern, daß das geknechtete russische Volk den Volkstribun auf den Schild stellt und mit ihm an der Spitze endlich den Putinsatan stürzt! Oder?

Informieren Sie sich bitte selbst, mich interessiert die Geschichte nicht weiter. In Rußland hat den Nawalny wie gesagt so gut wie niemand gekannt. Ich weiß auch nicht viel von ihm: Er war wohl ein notorischer Rassist und Faschist, hatte irgendwas mit Steuerhinterziehung zu tun, war mal Zentralfigur einer ziemlich bizarren Agentenräuberpistole, verstieß gegen Bewährungsauflagen, um mit der deutschen Staatspropagandatruppe „Correctiv“ einen reichlich idiotischen Film über „Putins Palast“ zu produzieren und verschwand danach wieder aus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Gibt es eigentlich noch irgendeine ausländische Galionsfigur der deutschen Führung, die nicht wenigstens in dringendem Faschismusverdacht steht?

Mein Mitgefühl gilt den Menschen, für die er persönlich wichtig war. Ansonsten würde ich raten, sich eher für Julian Assange zu interessieren, der noch lebt, aber bald sterben soll. Oder für Gonzalo Lira, der bereits tot ist, den aber niemand kennt. Daß Nawalny für den „Westen“ zuletzt ziemlich wertlos (weil unsichtbar) war, als Toter indes von größtem Nutzen ist, sei immerhin erwähnt. Ich unterstelle vorläufig niemandem etwas. Ich finde aber etwa hundert Meldungen der deutschen Staatsmedien zu „Mörder Putin“ und seinem „Opfer“, die selbstverständlich alle nur aus spekulativem Geraune bestehen. Es weiß ja keiner was.

 

Übrigens gilt mein Mitgefühl auch Nawalny selbst, der sich offenbar von „Angeboten“ westlicher Agenten locken ließ, die man nicht einfach so annehmen sollte. Aber auch Besserwisserei ist in solchen Fällen fehl am Platz. Regelrecht widerwärtig finde ich indes das Tränendrüsengedruckse, den Gesinnungskitsch, der nun unter die von einschlägigen „grünen“ Nestern hinausgeschleimten Facebook-Trauerbildchen tröpfelt, aus den Moralinschweißdrüsen von Menschen, deren politischer Horizont sich auf „Putin böse! Vernichtungskrieg unausweichlich!“ beschränkt. Diese Art „Trauer“ hat niemand verdient.

Auch nicht der Hampelmann in Kiew, der mal ein ansehnlicher Komiker war, inzwischen aber zum Knallbonbon von vorgestern verkommen ist: Derzeit marschiert der Selenskij zwar mal wieder durch Europa, um weitere Milliarden für Yachten, Villen und andere Oligarchenwünsche zu erbetteln, darf auch an der Münchner Kriegsplanungskonferenz („Siko“) teilnehmen, aber interessieren tun sich für ihn nur noch die Hersteller von Tötungsgerät und ihre mafiösen Politkomparsen, die das Zeug dann irgendwohin liefern, von wo aus es in dunkle Kanäle und irgendwelche anderen Gegenden verschoben wird. Ich möchte zur Zeit nicht darauf wetten, daß der arme Kerl noch drei Monate überlebt. Ich wette jedoch gerne auf dies: falls nicht, war’s der Putin. Gähn.

Ich meine, es war Einstein, der das Elend der modernen Wissenschaft mit der Frage auf den Punkt brachte: „Aber der Mond ist doch auch da, wenn ich ihn nicht beobachte?“ Niels Bohr antwortete: „Können Sie das beweisen?“

Naturwissenschaft – wie man sie heute meistenteils versteht – ist nicht der Versuch, die Welt zu beschreiben. Sondern der Bau einer „Welt“, von der ihre Erbauer meinen, sie gleiche oder ähnle dem, was sie von der „echten“ Welt wahrnehmen.

Materie besteht in der Interaktion masseloser „Teilchen“ mit einem Feld, also im landläufigen Verständnis: von nichts mit nichts. Dort, wo kein Feld ist oder keine „Teilchen“, gibt es keine Materie, sondern nur Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten (die alle gleich wahrscheinlich sind, weil auf ihrem Grund nichts „ist“ oder „regiert“ oder „wirkt“ als purer Zufall. Es gibt bei der Interaktion, in der Materie besteht, keine Kausalität: Die Materie „entsteht“ eben nicht „aus“ der Interaktion (heraus), sondern sie besteht darin.

Bewußtsein (oder Geist?) äußert sich in einem (elektromagnetischen?) Feld. Ob das Feld eine Wirkung des Bewußtseins oder seine Ursache oder mit ihm identisch ist, weiß ich nicht. Vielleicht kann man das nicht wissen – es mag ein Bewußtsein oder einen Geist jenseits des Feldes geben, aber wie sollte es/er wahrgenommen (oder „nachgewiesen“) werden, ohne mit dem Feld zu interagieren?

Demzufolge könnte Materie in der Interaktion zwischen Geist und masselosen Teilchen bestehen. Beobachtung ist eine Interaktion, was heißen könnte: Wenn der Mond nicht beobachtet wird, „existiert“ er nur als Möglichkeit; er ist also nicht „da“.

Am tiefsten Grund der „Dinge“ findet man (nichts als?) Information: eine Ausrichtung der masselosen Teilchen in die eine oder die andere Richtung. Man könnte vermuten, mehr als Information „gebe“ „es“ also nicht.

Leben ist die Bezeichnung für ein Ungleichgewicht, aus dem notwendigerweise neues Ungleichgewicht hervorgeht, indem Energie verbraucht, also „eingesaugt“ und zugleich abgegeben wird. Entgegen der Entropie bildet sich so zunehmende Komplexität: durch die Trennung oder Getrenntheit unterschiedlicher „Dinge“ (Zustände von Information), die sich gegenseitig bedingen und aufgrund des Ungleichgewichts, das sie zu „lösen“ anstreben, immer weiter „wachsen“.

Daß nur der Mensch ein Bewußtsein oder „Geist“ innehat, ist eine völlig abwegige Vorstellung: Wenn Materie in der Interaktion zwischen Geist und „Teilchen“ besteht, könnte es folglich vor dem Menschen nichts (zumindest keine Materie) gegeben haben. Umgekehrt folgt der Gedanke: Wenn alles aus Information besteht und Information wiederum die Existenz zweier unterschiedener Zustände bedeutet, muß buchstäblich alles „leben“ und Geist „besitzen“.

Ich weiß nicht mehr, wo ich die Theorie gehört oder gelesen habe, die Sonne verfüge ebenso über ein Bewußtsein wie ein beliebiger Isarkiesel. Sie ist sicherlich völlig abwegig.

Und sowieso verstehe ich von all dem fast nichts.

12 Antworten auf „(periphere Notate): Eigentlich ist alles nichts“

  1. „Materie besteht in der Interaktion masseloser „Teilchen“ mit einem Feld, also im landläufigen Verständnis: von nichts mit nichts. “

    Erst einmal, wie immer, herzlichen Dank für Ihre Arbeit! Es ist eine echte Wohltat, Ihre Polemiken zu lesen.

    Aber diesen Satz verstehe ich nicht. Selbstverständlich haben die Teilchen (etwa Protonen, Neutronen, Elektronen) Masse. Selbst das Neutrino hat eine geringe Masse. Keine Masse hat das Photon.

    In anderer Angelegenheit: Die allgemeine unsägliche Heuchelei bei unseren linksliberalen und wohlgesinnt gegen Rechts demonstrierenden Freunden, die exakt Orwells Doublethink entspricht, wird durch den folgenden, in der jungen welt beschriebenen Sachverhalt, noch einmal überdeutlich:

    https://www.jungewelt.de/artikel/469335.nazi-organisationen-h%C3%B6llensturm-f%C3%BCr-den-feind.html

    Man kann über RT über die entsprechenden Stichwörter auch zu einem schönen Video gelangen, in dem ein Centuria-Vertreter vorführt, wie man Molotow-Cocktails baut.

    Danke, wie gesagt, und lassen Sie es sich gut gehen!

    1. (Die „Teilchen“ sind wahrscheinlich gar keine solchen, sie heißen Gluonen. Eventuell haben sie auch eine minimale Masse, man weiß das noch nicht …)
      Ansonsten: danke. Von den „Centuria“-Leuten hab ich gelesen, aber nur homöopathisch. Es ist nicht erfreulich, und glauben tut’s ja eh wieder keiner.
      Schönen Abend!

  2. Den ganzen Quark mit den Quarks fand ich derartig unintuitiv, dass ich mich aus lauter Abneigung nie damit beschäftigt habe. Von Gluonen hätte ich jetzt angenommen, dass sie was mit Backwaren zu tun haben.

    Herrn Anders scheint es ebenso zu gehen.

    Aber schön, dass Herr Sailer aus den Dingern so einen angenehm zu lesenden Text backen kann.

  3. in der mongolischen Wüste und Steppe gilt: Wenn Du einen Stein mitnehmen willst, so bitte dessen Stein-Nachbarn um Erlaubnis. Die Steine würden weinen um den Verlust des Mitgenommenen. Gruß aus der Taiga

  4. Hallo ,
     
    Ich sehe Ihre Website http://www.sailersblog.de und sie ist beeindruckend. Ich frage mich, ob auf Ihrer Website Werbeoptionen wie Gastbeiträge oder Anzeigeninhalte verfügbar sind?

    Was ist der Preis, wenn wir auf Ihrer Website werben möchten?

    Hinweis: Artikel darf nicht als gesponsert oder Werbung gekennzeichnet sein.

    Danke schön
    Gael Kerdanet

    1. Дорогой Gael,

      Wir möchten Sie freundlichst darauf hinweisen, dass wir bereits seit Januar 2000 einen Generalvertretungsvertrag mit Herrn Michael Sailer abgeschlossen haben. Wir bitten Sie darum, von weiteren Anfragen Abstand zu nehmen.

      Искренне Ваш из Санкт-Петербурга

      Елена

  5. Zur Korrumpierbarkeit: Mein ein großer Bruder hat angesichts unserer extrem umworbenen Mutter, bei der die Verehrer massenweise vor ihrem Witwenheim mit den 4 schönen Kindern Schlange standen: „Rausgehen, Grüßgottsagen, Geschenke entgegennehmen, heireinbitten und dann so laut herumtoben, kreischen, schreien, heulen, dass sie anschliessend keiner mehr heiraten will!“. Den einen, einzigen Verehrer, den unsere Mutter dann 47 Jahre lang geheim gehalten hat, haben wir erst bei ihrer Beerdigung kennengelernt….Josi

Kommentar verfassen