(periphere Notate): Überall Nazis, überall keine Nazis

„Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen; es ist so leicht, und es führt zu nichts.“ (Elias Canetti)

Die Norwegische Gesundheitsbehörde teilt mit, daß das Zeug von Astra Zeneca trotz Umbenennung weiterhin nicht gespritzt werden darf, auch nicht „entbehrlichen“ Personen. Und zwar aus folgendem Grund: „Nachdem in Norwegen nur wenige Menschen an Covid sterben, wäre das Risiko, nach der Impfung mit Astra Zeneca zu sterben, höher als das Risiko, an der Krankheit zu sterben. Das gilt insbesondere für jüngere Menschen.“ (Dazu weiter unten noch etwas mehr.)

Die Schlupfwespe, die uns gestern während des Wolkenbruchs in unserer Küche besucht hat, heißt Coelichneumon deliratorius. Sie legt ihre Eier in die Larven von Nachfaltern, die dann von der Wespenbrut aufgefressen werden. Ob das ethisch vertretbar ist, wage ich nicht zu entscheiden.

Ganz sicher kann das auch Alena Buyx nicht entscheiden. Sie nennt sich zwar „Vorsitzende“ einer Organisation, die sich „Deutscher Ethikrat“ nennt, hat aber von Ethik im herkömmlichen Sinn keine Ahnung und hält Grundrechte für Gnaden, die der Herrscher folgsamen Untertanen verleihen darf, wenn sie sich zum Beispiel brav eine Spritze verabreichen lassen. Dafür erhält sie nun den „Deutschen Nationalpreis“, mit dem eine „Deutsche Nationalstiftung“ Personen der „Zeitgeschichte“ „würdigt“, die „für das Zusammenwachsen, die Einheit und Vereinigung Deutschlands und Europas eingetreten sind“. Darüber sollte man nicht weiter nachdenken.

Allerdings gewinne ich beim zufälligen Durchblättern alter Schülerzeitungen den Eindruck, daß sich Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts selbst die von vorlauten Schülern als „alte Nazis“ eingestuften Angehörigen des Lehrkörpers geschämt hätten, einen „Deutschen Nationalpreis“ von einer „Deutschen Nationalstiftung“ entgegenzunehmen. Da war die hohe Zeit des „Deutschen Nationalen“ ja auch erst dreißig, vierzig Jahre her.

Die „Deutsche Nationalstiftung“ ist (ebenso wie WHO und WEF) eine reine Privatveranstaltung, die bezeichnenderweise jedoch unter der „Schirmherrschaft“ des jeweiligen Bundespräsidenten steht und „die nationale Identität der Deutschen bewußt machen“ möchte. Mitgegründet wurde sie 1993 von Hermann Josef Abs, der von 1938 bis 1945 als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank amtierte. Zuvor (1935) war er aufgrund der Nürnberger Rassengesetze „Nachfolger“ eines jüdischen Teilhabers bei der Privatbank Delbrück, Schickler & Co. geworden. Bei der Deutschen Bank kümmerte sich Abs insbesondere um die „Arisierung“ jüdischer Unternehmen und profitierte dabei von seinen Kontakten zu SS und Gestapo. Befaßt war er nebenbei auch mit dem Erwerb von Gold aus den Zähnen in Vernichtungslagern ermordeter Juden. Nach dem Krieg wurde er für etwa drei Monate inhaftiert und dann als „entlastet“ eingestuft, um als „Finanzberater“ in der britischen Besatzungszone dienen zu können.

Hinzufügen könnte man, daß auch Frau Buyx aufgrund ihrer jüngeren Äußerungen zur „Gewährung“ von Grundrechten für brave Volksgenossen als „entlastet“ gelten darf. Am 15. Dezember 2020 hatte sie noch vollmundig quergedacht, es sollte keine Sonderrechte für Geimpfte geben (mit der Einschränkung allerdings, das gelte nur solange „wir nicht genug für alle haben“).

Inzwischen vertritt sie solcherlei Dinge, die man heutzutage wohl als „Standpunkt“ bezeichnen darf: „Wenn die Priorisierung ausläuft, sei es wichtig, proaktiv vorzugehen, eine gute Kommunikationsstrategie zu entwickeln und beispielsweise noch kreativer mit mobilen Impfteams zu arbeiten.“ Das ist schwer zu übersetzen. Außer man sagt es einfach so: „Wir müssen mehr von dem Pack an die Impfnadel kriegen!“

Eine Seite namens „news.de“ meldet: „Schlechte Nachrichten für alle Herren und Damen, die dem Charme von Alena Buyx hoffnungslos erlegen sind: Die hübsche Wissenschaftlerin ist bereits vergeben.“ Ob solches Geschwätz ethisch betrachtet frauenfeindlich ist, mag ich ebenfalls nicht beurteilen. Und was man in den zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts unter „Hübschheit“ verstand, ist ein Thema, das ich gerne späteren Historikern überlasse.

Verheiratet ist Alena Buyx übrigens mit dem selbsternannten „Political Entrepeneur“ oder „politischen Unternehmer“ Josef Lentsch. Der gründete 2012 die österreichische Partei NEOS mit, die sich insbesondere gegen Mindestlöhne und für die „Privatisierung“ der öffentlichen Grundversorgung einsetzt. Das 2016 gegründete „Innovation in Politics Institute“, für das er seit 2019 als „geschäftsführender Gesellschafter“ eine „deutsche Niederlassung aufbaut“, bezeichnet sich als „europaweite Serviceorganisation zur Weiterentwicklung von politischer Arbeit. Das Institut identifiziert die erfolgreichsten politischen Projekte in Europa und bereitet dieses Know-how länder- und parteiübergreifend auf – von Standortpolitik über Digitalisierung bis zu Mobilität.“

Wer meint, da den Herrn Schwab sich räuspern zu hören, könnte nicht ganz falsch liegen. Aber nein: Lentsch ist kein „Young Global Leader“. Sonst wäre er vielleicht längst österreichischer Bundeskanzler. Buyx ist ebenfalls keine „Young Global Leader“, und sie heißt auch weder Angela noch Annalena, sondern eben Alena.

Und daß sie ein Mensch ist, ist zumindest fragwürdig.

Daß kaum noch Menschen auf der Welt leben, die die Zeitschrift „Der Stürmer“ als Zeitgenossen kennengelernt haben, hat offenbar eine historische Marktlücke geschaffen, die der „Tagesspiegel“ nun füllen will. Dafür hat er sich eine Elite von Hetzschreibern ins Haus geholt, die den Stil und die Diffamierungstechniken von Julius Streichers Blatt tatsächlich fast perfekt draufhaben. So behaupteten sie neulich, bei #allesdichtmachen führe „eine Spur ins Querdenker-Milieu“. Und zwar sei einer der Beteiligten „im vergangenen Sommer mit Querdenker-Sprüchen aufgefallen, auf seinem inzwischen privaten Instagram-Account verglich er das Virus mit einer Grippe. Er sprach von ‚Panikmache‘ und nannte Befürworter der Maßnahmen ‚Coronazis‘. Mittlerweile behauptet er, sich von seinen früheren Aussagen zu distanzieren.“

Da „führt“ also eine „Spur“ zu einem, der „das Virus“ mit „einer Grippe verglich“. Da könnte er auch Mitarbeiter der WHO sein. Aber nein, er sprach ja von „Panikmache“! Wie abwegig! Und er nannte Befürworter „Covidioten“! Äh nein, andersrum. Und dann behauptet er auch noch, sich von früheren Aussagen zu distanzieren. Da könnte er auch Drosten heißen. Weil man ja dazulernt.

So oder so: eindeutig ein kriminelles Milieu.

So geht es im „Tagesstürmer“ weiter: Wie der schreckliche Grippe-Vergleicher „zu dem Projekt hinzugestoßen ist“, darüber „hüllen sich die Beteiligten in Schweigen.“ Einer dieser Schweigenhüller möchte auch noch die Frage, ob er, „der nach eigener Aussage die Gefährlichkeit des Virus nicht verharmlost“ (puh! immerhin!), sich von Dietrich Brüggemann hintergangen fühle, „nicht beantworten“!

Das muß man sich etwa so vorstellen: „Fühlen Sie sich von Dietrich Brüggemann hintergegangen?“ – „Äh, was? Wieso denn? Seid ihr bescheuert?“ – „Sie möchten also nicht antworten! Aha!“

Nein, anders: „Aufgrund der kritischen Berichterstattung“ wolle er „mit dem Tagesspiegel nicht reden.“ Noch mal: „aufgrund der kritischen Berichterstattung“. Ein drittes Mal: „aufgrund der kritischen Berichterstattung“.

Und weiter: „Auch Brüggemann reagierte auf Nachfragen nicht. So viel zur Meinungsfreiheit.“

Denn die „Meinungsfreiheit“, das lernen wir vom „Tagesstürmer“, besteht nun einmal darin und nur darin, daß man „Nachfragen“ des „Tagesstürmers“ gefälligst zu beantworten hat, basta! Sonst: „Querdenker“!

Seit März 2020 sind in Deutschland vier (4) Kinder zwischen null und 20 Jahren an Covid-19 gestorben. Das ist freilich ein triftiger Grund, alle 14 Millionen Kinder im Land zu impfen. Daß dabei wesentlich mehr Kinder an den Folgen der Impfung sterben werden, müssen „wir“ als Kollateralschaden wohl hinnehmen.

Nebengedanke, weil Tag der Arbeiterklasse: Es ist die historische (und gesellschaftliche) Funktion der Sozialdemokratie, den Ausgebeuteten die profitsteigernden Forderungen des Kapitals als „Rechte“ zu verkaufen. Daß niemand mehr die SPD wählen will, liegt nicht daran, daß das Betrug und Verrat ist, sondern daran, daß die „Grünen“ das noch viel besser, effizienter und nachhaltiger können.

9 Antworten auf „(periphere Notate): Überall Nazis, überall keine Nazis“

  1. Dieser Michi- Sailer-Blog vom 1. Mai hat mich ganz besonders erfreut. Und zwar nicht nur obwohl, sondern ganz besonders, WEIL ich den Vergleich von normaler Grippe und Corona für unrichtig halte. Das sprech ich aber schon nicht mehr öffentlich aus, weil ich keinesfalls jenen geistigen Säuberungsaktionisten das Wort reden will, die akribisch Insta-Accounts nach „Spuren ins Querdenkermilieu“ durchsuchen und am liebsten jeden, der irgendeine andere Meinung als die im Corona-5-Jahresplan vorgegebene vertritt, am liebsten ins Covid-Umerziehungslager abschieben würden. Fazit: ich schäme mich zuweilen dafür, wenn meine Meinung zumindest teilweise der Regierungslinie entspricht. Aber das war ja bei den Künstlern in der DDR auch nicht anders.

    1. Lieber Ludwig, gräm dich nicht – auch mir passiert es nicht selten, daß ich „offizielle“ beziehungsweise auch mal unpopuläre Erklärungen plausibel finde. Hin und wieder sind sogar solche darunter, die sich ein paar Jahre später als Blödsinn erweisen, aber so geht die Wissenschaft nun mal: von Irrtum zu Irrtum ins Licht der Erkenntnis (oder so) … 🙂

  2. Lieber Michael Sailer,

    Einspruch, was ich nicht glauben kann, mit einem Detail Ihres Befundes bin ich nicht einverstanden: dass der Besuch in Ihrer Küche den Namen Coelichneumon deliratorius trägt. Vulgichneumon saturatorius schon eher, aber ich empfehle, sich da an einen Kenner der Ichneumonidae zu wenden, sollten Sie es genau wissen wollen. Der Wespe ist das ja wurscht, ob man sie wissenschaftlich korrekt anspricht. Aber wenn, möglichst mit einem besseren Foto.

    Ansonsten ein Danke für das Vergnügen, das durch eine kleine Fehlbestimmung nicht geschmälert wird, das mir die Lektüre Ihrer Arbeiten bereitet.

    Udo Theiss

    1. Oh, danke für den Hinweis. Jetzt bin ich tatsächlich ins Zweifeln geraten, aber die gelben Beinglieder sprechen laut Google-Bildersuche für die ursprüngliche Vermutung. Leider habe ich zwar Infektiologen, aber keinen Insektologen in meinem Bekanntenkreis (oder doch?). Und ja, das Bild ist miserabel, aber das Tier war recht kamera- und vor allem blitzscheu … Den Dank: gebe ich ungeschmälert zurück.

  3. Coelichneumon deliratorius fliegt erst ab Juni, die kann es eigentlich nicht sein. Vulgichneumon saturatorius ab April, von daher eher, aber damit sind meine Kenntnisse schon am Ende.
    Über die Google-Bildersuche möchte ich mich (jetzt) nicht äußern.
    Ich wende mich bei Bestimmungsunsicherheit an die einschlägigen Foren, nur so als Beispiel, http://www.entomologie.de, es gibt da einige.
    Ja, die Viecher sind meist sehr zappelig, mir gelingt da auch selten ein brauchbares Foto und noch seltener eine Bestimmung. Aber manchmal weiß ich hinterher, auf welche Details ich hätte genauer achten müssen.

  4. Von Wespen weiß ich nichts.

    Aber von der WHO. Die ist keine private Veranstaltung, sondern ganz offiziell seit langem eine Sonderorganisation der United Nations, gehört zur UN und ist damit für alle Mitglieder völkerrechtlich verbindlich!

    Die Tatsache, dass sie zudem ermächtigt ist, mit wem sie will völkerrechtlich für alle Mitglieder verbindliche Verträge mit Privaten zu schließen, ließ sie zur attraktiven Beute der Mitglieder des WEF-Panels werden.

    Über den ACT-Accelerator wird derzeit versucht, diese Aufgaben noch mehr an die Privaten zu übertragen.

    Niemand will das wissen, niemand kümmert sich darum. So gelingt die Brut nicht nur bei Schlupfwespen. Man begnügt sich damit, sie zu verjagen vom Falter, der längst befallen ist ….

  5. Hallo some1,

    das hübsche Bild vom Verjagen vom Falter ist etwas schief, und das sage ich jetzt auch nicht, um den Besserwisser zu geben.
    Sondern, weil wie es sich tatsächlich abspielt, auch kein schlechtes abgibt:
    Die Schlupfwespe parasitiert die Raupe des Falters, zu dem kommt es gar nicht mehr. Und deren Larven verschonen zunächst die lebenswichtigen Organe der Falterraupe, lassen sie so lange wie nur möglich am Leben um es selbst bis zum Ende ihrer eigenen Entwicklung zu schaffen.

    1. Hallo Udo Theiss,

      Danke für die Aufklärung. Ich bin nicht sicher, ob der ACT-A die evolutionäre Intelligenz einer Schlupfwespe besitzt. Immerhin funktioniert die Raupenbleibung des Objekts vorzüglich. Beim Rest habe ich Zweifel.

Kommentar verfassen