Belästigungen 08/2021: Wo ist die Welt, wenn man sie braucht?

Was sich in dem wenigen alten Grün, das der hyperreale Hygienemensch (HHM) am nördlichen Münchner Stadtrand noch nicht der Vernichtung und Verbetonwüstung zugeführt hat, an einem normalen Tag so tut, ist im Grunde ein Skandal.

Die Rotkehlchen flattern in gewagter Akrobatik von einem Baum zum nächsten und zurück, zwitschern frei erfundene Liedchen in die Welt (ohne Urheberrecht und in teilweise haarsträubenden Harmonien) und hüpfen freudig hinter dem Rasenmäher her, Spinnen flitzen zwischen Grashalmen herum, Mücken vollführen ekstatische Massenraves auf einzelnen Sonnenstrahlen, Schnecken flutschen auf Bäume hinauf, wissen dann nicht, was sie da sollen, sperren das Haus zu und bleiben kleben, bis ihnen was neues einfällt (zum Beispiel wieder hinunterflutschen). „Belästigungen 08/2021: Wo ist die Welt, wenn man sie braucht?“ weiterlesen

Belästigungen 1/2018: Wer die Krone der Schöpfung und wer an allem Unheil schuld ist

Früher lernte man in der Schule, der Mensch sei die Krone der Schöpfung. Was vielleicht gar nicht so falsch ist, wenn man genauer drüber nachdenkt: Kronen sind (von Bäumen mal abgesehen) meist ziemlich protzige, nutzlose, unförmige, sauschwere und unbequeme Dinger, die man (also: die Schöpfung) kurz mal zum Repräsentieren aufsetzt, wenn’s unbedingt sein muß, und dann wieder wegräumt. Anfangen kann man sonst nichts damit, im Gegensatz zu Schuhen, Hosen, Hemden, Mützen, Pullovern, Jacken, Mänteln, Handschuhen, Brillen, Socken, Kopfhörern, T-Shirts, Unterhosen, Schals, Taschen und dem ganzen anderen Zeug, das man noch so tragen kann.

Wenn also ein vorwitziger Mensch einer Stubenfliege zu verstehen gibt, er sei übrigens die Krone, sie hingegen höchstens das Hühneraugenpflaster oder „Belästigungen 1/2018: Wer die Krone der Schöpfung und wer an allem Unheil schuld ist“ weiterlesen

Belästigungen 22/2017: Natur, Kultur und Kürbisbrust (und noch ein paar so Sachen)

Neulich radelte ich an einem Reklameplakat für den Münchner Tierpark vorbei. Darauf zu sehen: eine Giraffe, hübsch sympathisch dreinblickend, und der Spruch „Papa, schau mal … ein Zebra!“

Da wurde mir die Krise erst bewußt. Eine kurze Recherche ergab, daß die heutige Jugend von der Natur so gut wie gar nichts mehr versteht. Die gestrige übrigens auch nicht unbedingt, mit galoppierend fortschreitender Tendenz: Nur ein Drittel der Sechst- bis Neuntkläßler weiß, wo die Sonne aufgeht, nur ein Viertel, daß sie Ende Juni am längsten scheint (die übrigen kriegen sie vermutlich sowieso nie zu sehen). Im Wald (den sie wohl nur aus Reklameplakaten im Supermarkt kennen), glauben die Kleinen, wachsen neben Äpfeln und Birnen vor allem Ananas, Mango und Banane. „Belästigungen 22/2017: Natur, Kultur und Kürbisbrust (und noch ein paar so Sachen)“ weiterlesen