(periphere Notate): Wie man sein eigener GOTT wird

Die Klimaideologie ist die vielleicht perfekteste Religion aller Zeiten, weil das Phänomen, das ihren Kern bildet, ein unfaßbar weites Netz aus Fantastilliarden von Kausalitäten, Korrelationen, Zufällen, Rätseln und Deutbarem ist. Da lassen sich beliebige Einzelstränge herausgreifen und zu einem Katechismus zusammenschrauben, in dem – ein wichtiger, vielleicht der wichtigste „Reizpunkt“ des Systems – der Mensch endlich selbst die Rolle spielen darf (und muß), die früher Göttern oder einem Gott vorbehalten war.

Zugleich verändert sich das Klima ohne jeden Zweifel, was den Glauben „greifbar“ macht und Widersprüche im Keim ersticken hilft. Das Christentum mußte Wunder herbeideuten, der Klimareligion genügt die Realität, wie sie ist. Sie muß lediglich den Blick verengen auf ein einziges Detail, an dem alles hängt und auf das alles zurückzuführen ist – eine Art Fetisch als Schlüssel zur Erlösung ins diesseitige Paradies. Damit fällt eine entscheidende Schwäche etwa des Christentums weg oder wird überwunden: die Unsicherheit der Verheißung, deren tatsächliche Erfüllung zweitausend Jahre lang bloße Behauptung blieb (allen Engelserscheinungen und Wiedergeburten zum Trotz).

Jetzt läßt sie sich mit ein paar argumentativen Handgriffen sozusagen realisieren: Weil sich das Klima im kleinsten Detail vollkommen unberechenbar entwickelt, größere Züge aber unmittelbar spürbar werden (etwa die zunehmende Trockenheit in unserer Gegend), fällt jedes Gegenargument unter der Wucht des Tatsachenbeweises zusammen. Wenn es aus irgendeinem Grund in ein paar Jahren wieder feuchter (oder kühler) wird, läßt sich jede abweichende Deutung sozusagen mit sich selbst evident abschmettern: Es ist ja eingetreten, worum wir uns bemüht haben! Wer den Wasserhahn zudreht, wird sich mit keinem Argument davon überzeugen lassen, daß das Ausbleiben weiteren Wassers nichts damit zu tun haben könnte oder nur zum Teil auf das Zudrehen zurückzuführen ist. Weil der Regler dem Dreher ein unwiderstehliches Gefühl von Macht verleiht. Es ließe sich also auch ein „Placebo-Hahn“ (oder mehrere, auch viele) installieren, um dieses Gefühl zu erzeugen und für den Triumph der Religion zu instrumentalisieren.

So wird eine (möglicherweise) frei erfundene oder fehlerhaft gedeutete Kausalität zum Urgrund des Glaubens an die absolute Macht des Gottmenschen und die Kausalität selbst zum Zentrum der Ideologie: Alles läßt sich verändern, die ganze Welt unterliegt der formenden Hand des Menschen, der nur Ursache und Wirkung aus ihr „herausdefinieren“ muß, um sie ohne eine „fremde Macht“ mit all ihren Unwägbarkeiten eigenmächtig zum Paradies zu machen.

Das Kohlendioxid ist nun also der neue Satan, der sich gegen Rivalen wie Methan und Wasserdampf siegreich durchgesetzt hat und einen unschätzbaren Vorzug besitzt: Man kann anhand der erwähnten Kausalitäten unwidersprechlich nachweisen, daß der Mensch selbst ihn in die Welt gebracht hat und ihn daraus logischerweise auch wieder austreiben und restlos entfernen kann.

Lästerliche Einwände – etwa: das alles bewirke gar nichts, oder: die „positive“ oder „negative“ Veränderung habe andere, nicht im ganzen begreifbare Ursachen – widerlegen sich selbst durch die Kraft des Faktischen, auch weil eine Vergeblichkeit der Bemühungen um so weniger eingesehen werden könnte, je weiter die Bemühungen fortgeschritten sind und je größere Opfer dafür gebracht wurden. Es bildet sich in gewisser Weise ein „argumentativer Treibhauseffekt“ heraus, der sich unablässig selbst verstärkt und ab einem gewissen „Kipp-Punkt“ nicht mehr zu bremsen ist. So wird die Erzählung sozusagen mimetisch zum Beweis ihrer selbst. (So ähnlich wie die Möglichkeit, exponentielles Wachstum zu errechnen und als Kurve bildlich darzustellen, die Natürlichkeit exponentiellen Wachstums belegt.)

Dinge, die sich selbst beweisen, haben eine absolute Schlagkraft, der nichts gewachsen ist. Weil die Welt ein Computer ist, kann nichts die Welt so perfekt deuten, „modellieren“ und darstellen wie ein Computer. Das galt im Grunde auch für die „Weltmaschine“, die vor der Erfindung des Computers als perfektes Modell galt, aber eingestandenermaßen Lücken und Schwächen aufwies. Der Computer wiederum ist die Perfektion der Maschine, die nach Erreichen der apokalyptischen „Singularität“ auch keinen Menschen mehr braucht, weil sie ihn überwunden hat.

Unklarer Zwischengedanke, an anderem Anlaß entzündet: Man könnte sagen: Wenn sich „unsere“ Position zur Welt verändert, verändert sich die Welt, weil „wir“ die Welt sind. Man könnte auch sagen: „Wir“ leben immer noch in dem Wahn, die Welt zu sein, und bemerken deswegen nicht, wie sich die Welt verändert.

Die wahre Ketzerei ist daher auch nicht das Bestreiten (oder „Leugnen“) des Klimawandels, sondern der menschlichen Allmacht, ihn „anzuhalten“ und auf einen gewünschten Idealzustand zurückzudrehen. Es spielt auch keine Rolle, ob der Beitrag eines Landes zum gesamten „Ausstoß“ von Kohlendioxid sehr gering ist, zum Beispiel zwei Prozent. Könnte man sich darauf hinauszureden, so könnte auch eine zehnköpfige Dorfgemeinde auf das Beten im Gottesdienst verzichten – was trägt sie denn schon bei zum gesamten Gotteslob im Vergleich zu einer Stadionmesse mit 80.000 Gläubigen?

Daß damit – wie in der modernen Ethik üblich – die gesamte Verantwortung letztlich auf den einzelnen Menschen fällt, ist die logische Folge. Er kann und darf diese Verantwortung (und eventuell Schuld) nicht an eine Regierung oder eine andere Instanz abgeben, weil es einer Regierung oder anderen Instanz nur in einer Demokratie möglich wäre, stellvertretend und repräsentativ zu handeln. In einem religiösen Staatssystem hingegen hat die Regierung ausschließlich die Aufgabe, ihre Bevölkerung und jeden einzelnen Angehörigen dieser Bevölkerung zu erziehen, sich den Regeln moralisch zu unterwerfen und diese als Handelnder in die Welt zu tragen.

Übrigens ist es auch vollkommen gleichgültig, ob der Klimawandel ganz oder überwiegend oder teilweise oder nur in sehr geringem Maße vom Handeln des Menschen abhängig ist und ob man das überhaupt evident feststellen kann. Jeder Tag, an dem die Welt nicht untergeht, ist der Beweis, daß man richtig handelt, aber noch nicht richtig genug und noch nicht im richtigen Ausmaß.

Wie in anderen Bereichen entstehen auf diese Weise Kaskaden scheinbar exponentiell zunehmender Wirksamkeiten. Man hat uns erzählt, die erste „Corona“-Spritze verhindere eine Infektion zu 95 Prozent. Die zweite Spritze erhöhe diese Wirksamkeit noch einmal um 95 Prozent, die dritte immerhin um 90, und die vierte Spritze senke das noch verbliebene Risiko von Tod um weitere 90 Prozent. Daß der Hase in der Fabel den Igel theoretisch niemals einholen kann, haben die meisten Menschen offenbar vergessen. Daß nichts und niemand die Wahrscheinlichkeit von Tod um 100 Prozent senken kann, ebenfalls.

Weil eine Menschengattung, der es durch erzwungene Askese für die 99 Prozent der Nichtbesitzenden gelingen kann, das Planetenklima auf einen historischen Wert zurückzustellen und für alle Ewigkeit in diesem Zustand zu erhalten, rein logisch ganz bestimmt nicht daran scheitern wird, auch das „Alter“ (oder vielmehr die entsprechende körperliche und geistige Verfassung) auf einen Wunschwert zurückzudrehen und für immer in diesem absolut gesunden, jugendlich agilen, geistig indes voll ausgereiften Momentzustand zu verharren.

So wird der Mensch unsterblich: in einer keimfreien Idealwelt ohne Kohlendioxid, die er selbst erschaffen hat. Es werde Licht, amen.

2 Antworten auf „(periphere Notate): Wie man sein eigener GOTT wird“

  1. „Schwere Verfehlungen der Menschen, die Verschmutzung und Vergiftungen der Natur sind eine unhöfliche Bedrohung, eine Beleidigung für Mutter Erde, Vater Himmel und die Natur. Sie werden sich wehren und die Menschen in ihre Schranken weisen: mit Feuer, Wasser, Wind und Erdbeben. Dürre wird kommen, Fluten und Eis“, beurteilt Byambadorj als Sprecher der mongolischen Schamanen den Zustand der Welt.
    Aus der Sicht dieses Herren, den ich kennenlernen durfte, ist Streusalz gegen die Schneeflocke und Sekundenkleber gegen den Verbrauch fossiler Brennstoffe das größere Problem.
    Weiterhin die Frage, was so schlimm daran ist, wenn es wärmer wird, es gibt mehr Ernten, weniger Heizkosten, das Marihuana wird wirkmächtiger und der Endzeitlemming staut sich vielleicht weniger am Brenner und Gotthard auf dem Weg gen Süden, dahin, wo es warm ist…

  2. In Ruszland gibts doch Dergleichen Problehme Grundsätzlicht nicht, woher die Wallung, Burger. Cool down. Bis Die Flüsse Zufriern Wird nicht Nicht & NICHT mehr passiern.

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