Belästigungen 16/2017: Haben Sie den Gorilla da drüben gesehen? Obacht, der bringt Sie in „Sicherheit“!

„Sicherheit“ ist ein begehrter Zustand. Den meisten Menschen, möchte man meinen, erscheint „Sicherheit“ erstrebenswerter als – nur zum Beispiel – berauschte Euphorie, verliebte Glückseligkeit und orgasmische Ekstase. Sonst käme die CSU kaum auf die Idee, auf ihre Wahlplakate lediglich zwei aneinandergeklebte Gesichter und dieses eine Wort zu drucken: „Sicherheit.“ Sondern sonst stünde da „Sex“ oder „Saufen“ oder „Liebe“ (was bei einer katholischen Partei ja nicht abwegig wäre).

Sicherheit ist ja auch schön. Jeder wünscht sich, sicher zu sein: Wer gerne arbeitet, mag seinen Job behalten. Wer nicht auf der Straße schlafen will, ist sich gerne seiner Wohnung sicher. Wer Hunger hat, wünscht sich was zu essen, wovon er weder krank noch dumm noch tot wird, das er aber dennoch „Belästigungen 16/2017: Haben Sie den Gorilla da drüben gesehen? Obacht, der bringt Sie in „Sicherheit“!“ weiterlesen

Belästigungen 16/2016: Was man so erlebt, wenn man nichts erlebt

Es passiert ja so viel in einer großen Stadt.
Menschen fahren sich mit Kisten über den Haufen, springen aus Fenstern, ertrinken in Flüssen und Gullis, sterben an eingeschleppten Seuchen und in Stanzmaschinen, und dazwischen saufen, tanzen und schreien sie, als wär‘ das Leben ein ewiges und irgendwann würd’s schon besser; und wenn einmal gar nichts oder wenigstens zuwenig für die allgegenwärtigen Meldestellen passiert, dann schreit die Zeitung an jeder Ecke „München brodelt!“, und schon hat sich’s wieder mit der gemütlichen Idylle.

Da läuft man auch Amok, bisweilen, in so einer Stadt. Vor nicht langer Zeit wurde ich erstaunt Zeuge, wie aus der Hauptstraße um die Ecke eine soeben hineingefahrene Trambahn rückwärts wieder herausfuhr (Trambahnen tun so etwas für gewöhnlich nicht) und daraufhin die Straße von drei Polizisten gesperrt wurde. „Belästigungen 16/2016: Was man so erlebt, wenn man nichts erlebt“ weiterlesen

Belästigungen 1/2016: Hundert Millionen Kilo neues Fleisch – wohin damit, Deutschland?

Laut Statistik hat die deutsche Bevölkerung in den letzten drei Wochen hundert Millionen Kilo zugenommen. Das ist nichts Neues, tut sie schließlich jedes Jahr, und im Verlauf der folgenden Monate werden davon üblicherweise durch den konzertierten Irrwitz von Superdiäten und Strampeldrill zehn bis dreißig Prozent wieder „wegschmelzen“, ehe zu Weihnachten 2016 erneut hundert Millionen Kilo Fleisch dazukommen.

Das deutsche Volk – wie wir es ausnahmsweise mal nennen wollen, weil der Begriff hier trifft – wird also zweifellos immer gewichtiger. Nun wissen wir seit langer Zeit, daß das eine ganz normale Begleiterscheinung des zu Ende gehenden kapitalistischen Prozesses ist: Jeder stopft sich noch schnell hinein, was nur geht, bevor es irgendein anderer frißt. „Belästigungen 1/2016: Hundert Millionen Kilo neues Fleisch – wohin damit, Deutschland?“ weiterlesen

Belästigungen 02/2015: Ein paar ironiefreie Bemerkungen zu Charlie Hebdo, „Pegida“, „Bagida“, „Mügida“ und einigem anderen

Am 22. Juli 2011 erschoß ein Mann in Norwegen 77 Menschen. Am 7. Januar 2015 erschossen drei Männer in Paris 17 Menschen.

Der norwegische Mörder gab an, er habe sein Land gegen den Islam und einen sogenannten „Kulturmarxismus“ verteidigen wollen. Im Urteil spielte diese idiotische Begründung keine Rolle, auch in der Berichterstattung behauptete meines Wissens niemand, es habe sich um „christlichen“, „antiislamischen“ oder „antimarxistischen“ Terrorismus gehandelt. Die Pariser Mörder sollen vor ihrer Tat „Allahu akbar!“ gerufen haben. So gut wie keine Meldung zu dem Anschlag kommt ohne den Begriff „islamistischer Terror“ aus.

Es ist viel davon die Rede, es sei dabei um Karikaturen gegangen. Es müsse, so heißt es, auch weiterhin möglich sein, Witze zu machen, ohne erschossen zu werden. Dies ist zweifellos richtig. Es ging bzw. geht aber in beiden Fällen weder um Karikaturen noch um Witze noch um Meinungsfreiheit, und es geht auch nicht um den Islam. „Belästigungen 02/2015: Ein paar ironiefreie Bemerkungen zu Charlie Hebdo, „Pegida“, „Bagida“, „Mügida“ und einigem anderen“ weiterlesen

Belästigungen #414: „Terror“! „Terror“! (und Nasenhaare für die NSA)

Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden einst zu ehrenwerten Zwecken gegründet – „pursuit of happiness“ bla; zudem postuliert die Unabhängigkeitserklärung ein „Recht auf Revolution“, womit was ganz anderes gemeint ist als das Geplärr, mit dem zerzauste Punkhippies heutzutage ihre Biertischbewunderer beeindrucken möchten.

Lange her. Heute sind die USA eine gigantische Maschinerie zur Verhinderung von „Terror“, worunter sämtliche Versuche zu verstehen sind, dem Anschwellen der gesellschaftlichen Aknepickel, in denen sich Blut, Schweiß und Tränen von Milliarden Ausgebeuteten als geldiger Talg sammeln, Hemmnisse in den Weg zu räumen. Zu diesem Zweck ist der Riesenapparat Tag und Nacht damit beschäftigt, „Daten“ zu sammeln und alles zu überwachen, was auf Erden an Menschlichem kreucht, fleucht, schnauft, kauft, rauft, rudert, pudert, ömmelt und bömmelt. „Belästigungen #414: „Terror“! „Terror“! (und Nasenhaare für die NSA)“ weiterlesen