Als Kabarettist und/oder Satiriker darf man über „die Post“ bekanntlich ebensowenig etwas erzählen wie über „die Bahn“ und den eigenen „Lebensabschnittspartner“. Das mag der Grund dafür sein, daß das Post-Covid-Kabarett sich neben „Querdenkern“, „Schwurblern“ und „Verschwörungstheoretikern“ (also Menschen, die seit sechs Jahren die Frechheit besitzen, recht zu haben) hauptsächlich an Bahn, Post und Ehegatten abarbeitet: Das ist nur schal, fad, spießig und todeslangweilig – die Alternative hingegen (etwa Regimekritik) wäre der sichere Weg ins Abseits.
„(periphere Notate): total irrelevant! (dies und das Leben)“ weiterlesen

Es ist eine seltsame Idee, am Sonntag einen Brief nach Belgien schicken zu wollen. Aber wieso eigentlich nicht? Schließlich hat man da Zeit und, wenn das Wetter nicht zum Baden taugt, nicht viel zu tun. Einen Postbeamten braucht man für so etwas heutzutage auch nicht mehr, weil man Briefmarken ja nicht nur schon seit vielen Jahren aus Automaten zwar nicht mehr lustig herauskurbeln, aber – falls mal einer der Kästen nicht defekt ist – immerhin erwerben kann. Und über die Preise informiert die moderne Auskunft: das Internet.
Wenn man hört, was „Kulturkritik“ und Feuilleton so in die Welt blasen, stellt man fest: Wir leben im Postzeitalter. Wir sind postmodern, postindustriell, postpolitisch, postfaktisch, postironisch, posterotisch, postdies und postdas – man braucht nur vor jedes beliebige Wort, mit dem wir unsere Befindlichkeiten umreißen möchten, ein „post“ zu bappen, schon ist man ziemlich nah dran am Konsensgeschwätz und fühlt sich betroffen.
