Belästigungen 12/2015: Eine Marginalie, freilich, aber so fängt es doch immer an (oder auch nicht)

In den letzten Jahren ist viel von Demokratie, Bürgerrechten und Zivilcourage die Rede – vor allem in der Auslandsberichterstattung, wo es darum geht, dem deutschen Bürger schmackhaft zu machen, daß zwecks Erlangung dieser „Werte“ in anderen Ländern Umstürze, Staatsstreiche und Militäreinsätze unabdingbar sind. Wie gut, salbadern dann stets die Kommentatoren, daß es bei uns eine Verfassung gibt, die die Grundrechte schützt.

Jawohl, gut so, und daß die bayerische Verfassung kaum noch einer kennt, ist ja wurst, solange wohlmeinende Behörden und Beamte dafür sorgen, daß sie weiterhin getreu umgesetzt wird. Verfassungen allerdings gibt es anderswo auch; da steht indes möglicherweise nicht überall etwas von der Zugänglichkeit und Allgemeinverfügbarkeit des öffentlichen Raums drin. „Belästigungen 12/2015: Eine Marginalie, freilich, aber so fängt es doch immer an (oder auch nicht)“ weiterlesen

Belästigungen 23/2014: Gemein: Nur noch ranzige Promis über 40 auf der Anzeigetafel (und null Streetfood-Kultur)!

Es ist halt so, daß man Zeit braucht. Zum Beispiel wenn man wo hinkommt und feststellen (oder erspüren) möchte, wie es da ist und was es da gibt und so weiter. Wenn einer in eine Stadt kommt, braucht er dafür unter Umständen sehr lange, weil eine Stadt etwas recht Großes ist, mit so vielen Ecken, Winkeln, Zipfeln, Ausläufern, Buchten, Stellen, Plätzen, Orten und Winzigkeiten, daß ein Leben wahrscheinlich gar nicht ausreicht, um sie alle zumindest einmal gesehen zu haben.

Wahrscheinlich macht das Städte so faszinierend und so anregend. In einem kleinen Ort – vor allem wenn er architektonisch und in seiner Gesamtanlage dem deutschen Ideal „Schönheit brauchen wir nicht! Dafür haben wir ein Museum!“ folgt – stößt man schnell an die Grenzen von Interesse und Neugier (solange man die Schlafzimmer und Keller der Nachbarn nicht mit einbezieht), und wenn ein menschliches Gehirn an die Grenzen von Interesse und Neugier stößt, stumpft es ab und wird, wenn es lange und gründlich abstumpft, am Ende ein Nazi oder ein Harzer Käse ohne Kümmel. „Belästigungen 23/2014: Gemein: Nur noch ranzige Promis über 40 auf der Anzeigetafel (und null Streetfood-Kultur)!“ weiterlesen

Belästigungen #426: Wenn (und wieso) das lüderliche Gesindel zur Nachtzeit lurpft …

Wichtigster Jahresend- oder -beginnvorsatz für den umsichtigen, auf das Leserwohl bedachten Kolumnisten: Nie mehr einen einzigen Lästerartikel über die deutsche Bahn! Das nämlich – das Abfassen von Lästerartikeln über die deutsche Bahn – ist ungefähr so originell und interessant, wie wenn der Pfaffe von der Kanzel den Deibel einen rechten Tunichtgut heißt.

Daß die deutsche Bahn ein Saftladen ist, dessen einziger Zweck darin besteht, milliardenteure Löcher unter die schwäbische Krume hineinzubohren, in die das beschauliche Stuttgart dereinst ebenso hineinsinken wird wie jetzt schon manch ein bäuerliches Anwesen im Umland, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Ebenso ist bekannt, mit welcher Vehemenz man dort Beschäftigungstherapie für Fahrplanphantasten betreibt, die durch die manische Erstellung immer noch schnellerer und lückenloserer „Fahrpläne“ – für die es Züge erst im Jahr 3000 und Bahnhöfe längst vorher längst nicht mehr geben wird – für ein Ausmaß an Ausfällen und Verspätungen sorgen, das die schlimmsten Befürchtungen aus den letzten Wochen des Ersten Weltkriegs übertrifft. „Belästigungen #426: Wenn (und wieso) das lüderliche Gesindel zur Nachtzeit lurpft …“ weiterlesen

Belästigungen #422: Raketen für Forellen, Olympia zum Wohnen (auf dem Mars)

Indien, habe ich heute erfahren, hat gestern eine „Sonde“ zum Mars geschossen (oder das zumindest versucht). Das ist an Sinnhaftigkeit kaum zu überbieten – schließlich soll das Ding von dort aus ab September 2014 „Daten senden“. Davon, das weiß inzwischen jedes Kind, kann man nie genug haben. Und nachdem die Geheimdienste von uns Homo-sapiens-Würsteln schon sämtliche Daten eingesammelt haben, sind nun eben die Marsmöpse dran, von denen man seit der legendären Dokumentation von Orson Welles vor 75 Jahren nicht mehr allzu viel gehört hat. „Unsere Daten“, verkündet Udipi Ramachandra Rao, der (wegen allzu vieler beim Start geplatzter Raketen) ehemalige Chef der indischen Raumfahrtbehörde, „waren und sind von großer Bedeutung für Land- und Fischereiwirtschaft.“ „Belästigungen #422: Raketen für Forellen, Olympia zum Wohnen (auf dem Mars)“ weiterlesen

Belästigungen #417: Wieso das Private politisch und das Politische gulugulu (und das insgesamt wurst) ist

Meine Kolumne, sagt ein Freund, gerate in letzter Zeit dermaßen privatistisch, daß es ein Skandal sei: nur noch Herz- und Liebesarien und philosophisches Gewölk! Ich müsse mich Handfestem widmen, den wichtigen „Themen“ nämlich der Politik, schließlich seien demnächst Wahlen und pi pa po.

Ich spare mir den Einwand, wir wüßten doch seit Meinhof, Adorno und den Sechzigern, daß das Private politisch und nichts so politisch sei wie Liebe und daß es ein richtiges Leben im Falschen nicht gebe etc. pe pi pa po, weil der heißen Münchner Sommerluft nichts hinzuzufügen ist und ich zum Baden will.

Also gut: Politik. Deren greulichen Emanationen in Form zerlumpter Plakatständer ist auf dem Weg von Schwabing zum Flaucher so und so nicht zu entgehen. „Statt abhören zuhören“ fordern die „Grünen“ (von wem, steht nicht dabei), „Zuhören statt abhören“ empfehlen die „Piraten“ (wem, steht nicht dabei), und die drittwichtigste neoliberale Flummypartei hält „Politik muß zuhören, nicht abhören“ für einen guten Rat (an wen, steht nicht dabei). „Belästigungen #417: Wieso das Private politisch und das Politische gulugulu (und das insgesamt wurst) ist“ weiterlesen