Belästigungen 25/2016: Warum der Mensch an Fakten glauben muß (und was das mit der Post zu tun hat)

Kürzlich hat man mir hochöffiziös mitgeteilt, daß wir in postfaktischen Zeiten leben. Seit dieser ersten Mitteilung vergeht kaum noch ein Tag, an dem mir das nicht hochöffiziös und mit gespreiztem Zeigefinger mitgeteilt wird. Selbst Bundessalbentube J. Gauck, der ansonsten außer einem militärisch umflorten „Freiheit!“ kaum etwas aus seinem Sinnmachungsorgan herausquetschen kann, ohne sich im ärgsten Gestrüpp von Bullshit, Nonsens und Antigrammatik zu verheddern, trompete neulich in die Nachrichtensender hinein, es gehe nicht an, daß „Fakten eine immer geringere Rolle spielen“.

Freilich sind „postfaktische Zeiten“ an und in sich ein Schmarrn, schließlich können Zeiten auch nicht „faktisch“ sein. Ob überhaupt irgendwas „faktisch“ sein kann, ob es das Wort „faktisch“ sinnvollerweise überhaupt geben kann, „Belästigungen 25/2016: Warum der Mensch an Fakten glauben muß (und was das mit der Post zu tun hat)“ weiterlesen

Belästigungen #427: So laßt uns denn ein Distelbäumchen pflanzen (wenn’s nicht anders geht)!

Lügen sind widerlich. Das merkt man, wenn man sich mal ein paar Monate der Berichterstattung über die sogenannte „Politik“ entzieht und dann wieder kurz hineinschaut: ein Blick in so eine Phrasenvisage kann einem einen halben Frühling versalzen, und wenn man sich Gedanken macht über das, was da an vorgefertigtem Sprechmüll herausverklappt wird, wundert es einen nicht mehr, daß neunzig Prozent aller auf diesem Planeten verschickten Mailnachrichten den Erwerb von Viagra betreffen.

Es kann auch passieren, daß man an Menschen gerät, die den ganzen Tag und mit jedem einzelnen Satz lügen. Das ist enervierend: ihnen dabei zuzuschauen und zu -hören, wie sie sich mit jedem weiteren Satz in neue Lügen verstricken, zurückweichen, rechtfertigen, Ausflüchte und Erklärungen zusammenschrauben, bis sie von einem Gestrüpp von Bullshit von derartiger moralischer Häßlichkeit umgeben sind, daß der einzige Fluchtweg in ein Landschaftsgemälde von Caspar David Friedrich hineinführt. Oder notfalls in tagelanges Schweigen. „Belästigungen #427: So laßt uns denn ein Distelbäumchen pflanzen (wenn’s nicht anders geht)!“ weiterlesen