Belästigungen 11/2019: Dezinformatsiya is the new Verschwörungstheorie (danke, Stalin!)

Noch vor nicht langer Zeit war es modisch, kritische Stimmen in einen Sack mit dem Etikett „Verschwörungstheorie“ zu werfen. Das zieht offenbar nicht mehr so, weil sich der Begriff durch übermäßigen Gebrauch abgenutzt hat.

Zudem war er manchmal nicht ganz so einfach nachzuvollziehen: Wenn etwa jemand äußerte, er glaube nicht so ganz an die Verschwörungstheorie, der Angriff auf das World Trade Center sei von einer Erdhöhle in Afghanistan aus gesteuert worden, war der automatisch ein Verschwörungstheoretiker. Wer hingegen der Theorie anhing, die AfD habe sich mit Putin verschworen, um Deutschland zu destabilisieren, der war keiner. Das erkläre mal jemand einem interessierten Grundschüler. „Belästigungen 11/2019: Dezinformatsiya is the new Verschwörungstheorie (danke, Stalin!)“ weiterlesen

Belästigungen 09/2017: Der Wolfsmensch und seine Selbstverschlingung

Daß der Mensch des Menschen Wolf sei, ist eine uralte Binsenweisheit, die durch Wiederholung nicht wahrer wird. Schließlich ist der Wolf bekanntermaßen ein höchst soziales Wesen, das niemals auf die Idee käme, seine Rudelgenossen mit Verelendungsmaßnahmen wie Hartz IV zu schikanieren, um sich selbst eine noch fettere Wampe anfressen zu können. Gemeint ist der in allen möglichen Märchen herumlungernde Böse Wolf, bei dessen Antreffen aufgrund seiner sämtliches Maß überschreitenden Gier mit Sofortverschlingung zu rechnen ist, und zwar dermaßen sofort, daß einen ein gütiger Jäger problemlos unverdaut, fit und fidel aus der Wolfsplautze wieder herausschneiden kann. Und zwar ohne daß der Wolf das in seinem hypersatten Mittagsschlaf überhaupt mitbekommt.

Das wirkt, übertragen auf den Menschen, ein bißchen unrealistisch; die „Belästigungen 09/2017: Der Wolfsmensch und seine Selbstverschlingung“ weiterlesen

Belästigungen 05/2017: Hitler und die Luxusnutten (oder: Wer und wie und wo mit Fake News wahlkämpft)

Wenn sich einmal im Jahr die Kriegsplaner, Kriegstreiber, Kriegshetzer, Kriegsverbrecher und Kriegsprofiteure in ein Münchner Luxushotel einsperren, um die nächsten Kriege zu planen, voranzutreiben und propagandistisch einzubetten, erleben die so oft geschmähten kritischen Qualitätsmedien eine Sternstunde. „Siko!“ heißt es dann, als wäre diese üble Versammlung ein schnuckeliges Kuscheltier, „die Mächtigen in München!“, und die etwas weniger bunte Ernstpresse druckt Sonderbeilagen, in denen die Notwendigkeit der Kriegsplanung im offiziellen Vokabular gepredigt wird.
Der Normalmensch drängelt sich derweil auf dem Weg zu den Konsumartikelabgabehallen an den Meldekästen vorbei, nimmt nebenbei die Botschaft auf und baut sie in sein Weltbild ein wie einen Legostein: Die „Belästigungen 05/2017: Hitler und die Luxusnutten (oder: Wer und wie und wo mit Fake News wahlkämpft)“ weiterlesen

Belästigungen 25/2016: Warum der Mensch an Fakten glauben muß (und was das mit der Post zu tun hat)

Kürzlich hat man mir hochöffiziös mitgeteilt, daß wir in postfaktischen Zeiten leben. Seit dieser ersten Mitteilung vergeht kaum noch ein Tag, an dem mir das nicht hochöffiziös und mit gespreiztem Zeigefinger mitgeteilt wird. Selbst Bundessalbentube J. Gauck, der ansonsten außer einem militärisch umflorten „Freiheit!“ kaum etwas aus seinem Sinnmachungsorgan herausquetschen kann, ohne sich im ärgsten Gestrüpp von Bullshit, Nonsens und Antigrammatik zu verheddern, trompete neulich in die Nachrichtensender hinein, es gehe nicht an, daß „Fakten eine immer geringere Rolle spielen“.

Freilich sind „postfaktische Zeiten“ an und in sich ein Schmarrn, schließlich können Zeiten auch nicht „faktisch“ sein. Ob überhaupt irgendwas „faktisch“ sein kann, ob es das Wort „faktisch“ sinnvollerweise überhaupt geben kann, „Belästigungen 25/2016: Warum der Mensch an Fakten glauben muß (und was das mit der Post zu tun hat)“ weiterlesen