(periphere Notate): Hatschi, Herde, Delta-Trilliarden

Manchmal haben Studien verblüffende Nebeneffekte, die man nicht gleich sieht. Eine Studie der Uni Duisburg stellte fest, daß zwischen März und Mai des Jahres 2020, also während der ersten Testwelle, 78 Prozent aller Opfer der positiven Tests, die die Forscher überprüften, nicht infektiös waren. Das heißt: Sie wurden positiv getestet, waren aber nicht krank, sondern offensichtlich immun.

Und das heißt, so lustig es klingt: Bei den Menschen, die man seit dem letzten Frühjahr in Quarantäne geschickt hat, bestand schon damals die ersehnte Herdenimmunität. „(periphere Notate): Hatschi, Herde, Delta-Trilliarden“ weiterlesen

(periphere Notate): Stille (und Lärm)

Ausgerechnet in der Springerpresse waren in den letzten Wochen und Monaten (teilweise) erstaunlich fundierte und freche Mäkeleien an der „Corona-Politik“ und den regierungsamtlich verbreiteten Fake News und Lügen zu deren „Rechtfertigung“ zu lesen. Die „Welt“ versuchte das am Freitag mit einem Rückfall in den Gehorsam wettzumachen: „RKI-Präsident Lothar Wieler hat vor der Ausbreitung der Coronavirus-Mutante Delta in Deutschland gewarnt. Durch Impfen, Masketragen in Innenräumen und Abstandhalten könnten wiedergewonnene Freiheiten aber erhalten bleiben.“ Man könnte das freilich „Informationsvielfalt“ nennen. Wenn es nicht gar so ein Quatsch wäre. Drum muß man ihn auch gleich noch mal wiederholen („Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat vor dem Verspielen von Erfolgen in der Pandemiebekämpfung gewarnt.“) und dazu noch den Spahn raunen lassen: „Es gebe Anlaß zur Zuversicht, vor allem, wenn alle dabei vorsichtig blieben.“

„(periphere Notate): Stille (und Lärm)“ weiterlesen

(periphere Notate): pathologische Hypochonder

Ein langjähriger Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet von einer Frau, die an pathologisch hysterischer Hypochondrie und Ansteckungspanik leidet. Sie badet förmlich in Desinfektionsmitteln, überschüttet sich alle paar Minuten damit. Als sie neulich ein paar hundert Meter von ihrem Arbeitsplatz zu einem anderen Ort transportiert werden sollte (zu Fuß gehen kann sie nicht), ließ sie von Wissenschaftlern eruieren, wie sich Aerosole in einer Limousine ausbreiten. Die Lösung war ein Großtransporter, in dem sie ganz alleine mit FFP2-Maske im hermetisch abgedichteten, künstlich belüfteten Laderaum saß. Es ist sehr wichtig, solche Menschen vor sich selbst zu schützen; man sollte aber nicht ganz vergessen, daß auch die Gesellschaft vor ihnen geschützt werden muß. (Die Frau heißt Angela Merkel.) „(periphere Notate): pathologische Hypochonder“ weiterlesen

(periphere Notate): Keine Zukunft ohne Körperverletzung

„Wir sind die Zukunft, eure Zukunft!“ rief John Lydon 1977 einer Generation entgegen, die sich heute völlig zu Recht kaum noch um ihre Zukunft schert. Vielleicht hat er auch seine eigene Generation gemeint, die heute in Einklang und Gleichschritt mit der Generation ihrer Kinder eine Zukunft herbeiführen möchte, die sie einst aus gruselig-utopischen Schullektüren kannte, aus Büchern von Orwell, Huxley, Samjatin, Bradbury und anderen. Die Frage, warum von den heute Jungen niemand mit einer ähnlichen Attitüde eine Provokation wie „No Future“ in die Welt stellt, ist eine, auf die mir nur traurige Antworten einfallen. „(periphere Notate): Keine Zukunft ohne Körperverletzung“ weiterlesen

(periphere Notate): Freiheiten

Im Grunde ist es ungerecht, daß man sich als kritischer, skeptischer oder auch nur aufmerksamer Beobachter durch den schlimmsten Bullshit hindurchkämpfen und Podcasts von Drosten/Ciesek, Statements von Priesemann und Brinkmann, „Tagesspiegel“-Provokationstiraden, Ansprachen von Söder, tägliche Gesetzesänderungsänderungen, Schönsprech-Nachrichten, Zahlengewitter, peinlichste „Faktenchecker“-Rabulistik, was weiß ich noch alles lesen, verdauen, am Ende noch zähneknirschend im Originalduktus sich anhören muß, während, die, die einen dafür beschimpfen, in gemütlicher Seelenruhe ihre Serien schauen, weil es ihnen wiederum ja ganz egal sein kann, was genau die Ketzer (ebenso wie ihre eigenen Priester) im einzelnen so sagen. „(periphere Notate): Freiheiten“ weiterlesen

Belästigungen 22/2020: „Exile & Freedom“ auf sechs Beinen: Vom Leben ohne Ahnung und Furcht

Seit ein paar Wochen haben wir eine Mitbewohnerin. Sie ist relativ unauffällig, verschwindet täglich stundenlang irgendwohin, wo man sie selbst dann nicht findet, wenn man sie sucht. Dann wird ihr wieder langweilig, oder sie braucht Unterhaltung und Nähe, und schon kommt sie wieder daher und nimmt ein bisserl am häuslichen Sozialleben teil.

Das heißt: Sie folgt uns von Zimmer zu Zimmer, setzt sich mal hier, mal da auf einen Arm oder eine Schulter, schaut nach, was auf der frisch aufgebackenen Brotscheibe liegt und ob im Kompost was Interessantes zu finden ist. Oder sie sitzt einfach da und reibt sich die Hände, weil irgendein Stäubchen dran ist. Das mag sie nicht sonderlich, offenbar. Sagen tut sie aber nichts. „Belästigungen 22/2020: „Exile & Freedom“ auf sechs Beinen: Vom Leben ohne Ahnung und Furcht“ weiterlesen

Belästigungen 13/2020: 100.000 untote Tote! oder: ein Versuch, das magische Denken zu begreifen

Wenn es Abend wird im sommerlichen Garten, schwirren die Schwirrfliegen los. Wie die Wilden schwirren sie los, und je weiter die Sonne Richtung Baumwipfel sinkt, desto wilder wird ihr Geschwirr. Vermutlich denken sie: Wenn wir nur wild genug schwirren, sinkt die Sonne langsamer, und wenn wir noch viel wilder und immer wilder schwirren, dann wird sie eines Tages stehenbleiben oder sogar wieder nach oben steigen und der Sommertag wird ewig sein.

Jetzt mag einer sagen: Fliegen denken doch nicht! Denken können nur Menschen und höchstens noch Krähen! Aha! sage ich, und woher weiß man das? „Belästigungen 13/2020: 100.000 untote Tote! oder: ein Versuch, das magische Denken zu begreifen“ weiterlesen

Belästigungen 11/2020: Von der unheimlichen Macht des Millionstelprozents (Komma zwei fünf)

War in dieser Kolumne in letzter Zeit von Zahlen die Rede? (Räuspern in den vorderen Reihen, die übrigen sind aus hygienischen Gründen leer.) Na gut, mag sein, aber Zahlen sind ja auch etwas ganz Famoses und beeinflussen unser Leben oft auf eine Weise, deren Gewaltigkeit sich das pompöseste Zauberkunststück – etwa die Verwandlung einer Taube in einen Flugzeugträger – höchstens respektvoll nähern kann (um staunend Beifall zu klatschen).

Jedes Schulkind weiß zum Beispiel, was herauskommt, wenn man die Zahlen 64 und 2 etwas ungeschickt kombiniert: nicht 32 oder 128 oder irgend so ein Pipifax, sondern ein Berg von Reiskörnern, den unser Universum eventuell fassen, aber keinesfalls hervorbringen kann. Das gleiche mit Papier: Das faltet man zwei-, drei- oder viermal und meint, es könne doch keinerlei Problem darstellen, den Wisch achtmal zu falten. Ätschibätsch! grinst die Zahl. „Belästigungen 11/2020: Von der unheimlichen Macht des Millionstelprozents (Komma zwei fünf)“ weiterlesen