Eine Bitte in eigener Sache (und ein paar Anmerkungen)

Liebe Leser dieses Blogs,

ich freue mich sehr, daß meine unwesentlichen Gedanken, die ich hier aufzeichne, nicht spurlos in den Nebel des Vergessens verschwinden, sondern Aufmerksamkeit finden. Und ich möchte gerne im Sommer dieses Jahres eine redigierte und überarbeitete Sammlung der „peripheren Notate“ in Buchform veröffentlichen. „Eine Bitte in eigener Sache (und ein paar Anmerkungen)“ weiterlesen

(periphere Notate): Aus dem Krieg in den Krieg

Nichts ist so peinlich und jämmerlich wie das ganztägige Gejammer im Radioprogramm des bayerischen Rundfunks über die „wegfallende Maskenpflicht“: Das sei (irgendwie) nur notgedrungen, verfrüht, unvorsichtig; „manche“ freuten sich zwar darüber, aber „viele“ seien dagegen. Die „Ethik“-Plapperpuppe Buyx plappert etwas über „in den Anstieg hinein lockern“ und daß sie „ein großer Freund der Eigenverantwortung“ sei. Jedes Unternehmen, erfahren wir, „sei nun auf sich allein gestellt“ und müsse „Lösungen“ für die schlimme „Herausforderung“ finden. Masken seien zwar „nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben“, aber „eine Arbeitsschutzmaßnahme“, die weiterhin „angeordnet“ werden könne. (Das ist in gewissem Umfang sogar richtig: im Umgang mit grobem und feinerem Staub haben die Staubschutzteile bei richtiger Anwendung kurzfristig einen gewissen Nutzen.) „Anordnen“ immerhin, uff, könne man das Aufsetzen der Maske, nicht aber das Abnehmen.

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Grundrechtsterror! (1979)

Es lohnt sich manchmal, Diskussionen der Gegenwart in die Vergangenheit zurückzuverfolgen. Dabei kann man zum Beispiel feststellen, daß die Abschaffung der Grund- und Menschenrechte, die wir seit zwei Jahren erleben, schon viel früher begann, im Grunde direkt nach dem zweiten Weltkrieg, und daß Deutschland nach einem kurzen Aufatmen seither dabei ist, zielstrebig in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg zurückzukehren. Das ist eine Deutung; es gibt sicher andere.

Was diesen Text von Sebastian Cobler aus dem Jahr 1979 nicht weniger wichtig, atemraubend und grundlegend macht.

(periphere Notate): Das verborgene Freie

Zwei oder drei Tage abzutauchen aus der elektronischen Hysterie hinein in die Welt des vor langer Zeit Geschriebenen und Gedruckten macht in gewisser Weise noch einsamer und erfüllt zugleich die Einsamkeit mit einer seltsamen Art von Licht. In Peter O. Chotjewitz’ wundervollem Buch „Der dreißigjährige Friede“ (1977) sitzt ein hinfälliger Mann reglos am Fenster, ganze Tage lang, und schaut hinaus. Er wartet auf seinen Tod, auf das Vergehen der Welt.

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Belästigungen 3/2022: In Zeiten der Kriege – Erläuterungen zu einem Ende

Der kanadische Professor und Buchautor Paul Robinson, bekannt für seine oft NATO-kritischen Versuche, „die andere“ (russische) „Seite“ – ebenfalls kritisch – verständlich zu erklären (was ihm logischerweise den ungerechtfertigten Vorwurf einbrachte, er sei als „Putin-Versteher“ automatisch auch ein „Putin-Verteidiger“), gab am 23. Februar in einem Blogeintrag bekannt, er werde im Falle eines tatsächlichen russischen Einmarschs in die Ukraine diesen Blog sofort und ohne weitere Erklärung nach acht Jahren beenden, weil es ihm nicht möglich sei, einen solchen Bruch des Völkerrechts und der Zivilisation auch nur scheinbar zu rechtfertigen.

Seine Argumente sind durch diesen kriegerischen Akt kein Jota weniger stichhaltig geworden, sie werden aber – auch das liegt in der Logik des Kriegs – nun selbstverständlich so umgekehrt, daß sie sich selbst diskreditieren. „Belästigungen 3/2022: In Zeiten der Kriege – Erläuterungen zu einem Ende“ weiterlesen

(periphere Notate): Auf den Schultern der Toten

Wenn in Meldungen bestimmte Vokabeln allzu oft und allzu penetrant wiederholt werden, keimt in mir ein gewisses Mißtrauen. Das geht auch umgekehrt: Als vor 23 Jahren der deutsche Kanzler Schröder in einer Fernsehbotschaft den Angriff der NATO auf Jugoslawien bekanntgab und eindringlich betonte, es handle sich nicht um einen Krieg, war mir das von Anfang an verdächtig. Die Einführung des irgendwie hygienisch-harmlos klingenden Begriffs „Luftschläge“, mit dem das 79 Tage anhaltende Bombardement unter anderem der Stadt Belgrad statt dessen geradezu manisch belegt wurde, war so durchsichtig, daß man den Hasen mit geschlossenen Augen laufen sah.

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(periphere Notate): Zwei Minuten Haß auf der Streeckbank

Ich habe so lange keinen Virologen mehr zitiert, daß das jetzt doch mal wieder sein muß. Weil sich der planetarische Obervirologe derzeit nicht äußern kann (er hat seinen NDR-Podcast eingestellt, um sich nach acht Jahren endlich mal die Haare waschen zu können; hoffe ich), nehmen wir Hendrik Streeck. Der sieht meistens einigermaßen geduscht aus, ist dem durchschnittlichen deutschen TV-Glotzer folglich verdächtig („Ist das ein Russe? Jedenfalls Mafiosi!“) und sagte neulich auf n-tv (laut „Münchner Merkur“), „die hohen Inzidenzen in Deutschland seien keine große Überraschung. Schließlich habe es im vergangenen Jahr ebenso eine solche Doppelspitze in den Infektionszahlen gegeben.“

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(periphere Notate): Reißen Sie die Booster-Mauer nieder!

Den „Tag der Freiheit“ fand ich schon unerträglich albern, als er vor ungefähr eineinhalb Jahren von den Coronagegnern als Motto ausgerufen wurde. Daß er jetzt „Freedom Day“ heißt, ist noch alberner, aber verständlich (schließlich heißt doch die „Auskunft“ seit vielen Jahren „Service Point“ und der Semmelverkaufsladen „Backshop“, oder?). Nein, nicht weil „Tag der Freiheit“ niemand verstünde, sondern – mit dieser Erläuterung hat man uns damals regelrecht zugeschissen – weil das was mit Leni Riefenstahl zu tun habe und deswegen nazi sei. Deshalb wahrscheinlich möchte der oberste Verfechter des Totalitarismus in diesem Land auch in der englischen Version nichts davon hören. Weil man sonst hinschaut und bemerkt, daß sein Totalitarismus im Vergleich mit dem Vorbild optisch nicht mithalten kann.

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