40 Jahre, 13 Tage (The Clash: „London Calling“)

Es gibt einige große Rockalben, die auch abseits der Musik und ihrem Anhangsapparat von Trends, Einflüssen, Querbeziehungen und stilistischen Entwicklungen die Welt verändert haben, aber wahrscheinlich keines so gründlich wie London Calling (vielleicht noch die erste Elvis-LP, die das Cover zitiert). Und keines hat eine so abenteuerliche, anekdotenreiche, irrwitzige und signifikante Entstehungs- und Wirkungsgeschichte wie dieses, das (damit wir das gleich hinter uns haben) der US-„Rolling Stone“ zum größten Rockalbum der Achtziger ernannte, obwohl es 1979 erschienen ist. „40 Jahre, 13 Tage (The Clash: „London Calling“)“ weiterlesen

Riesig! (und ewig)

Der 28. April 1975 war ein luftig-schöner Tag, aber solche Tage gibt es viele in einem Kinderleben, und nur die wenigsten davon bleiben fünfundzwanzig Jahre lang im Gedächtnis wie ein ungeschickt geschnittener Super-8-Film. An diesem Tag machte ich eine Begegnung, die ich lange herbeigesehnt hatte, ohne es zu wissen (das sind die intensivsten Begegnungen!). „Riesig! (und ewig)“ weiterlesen

Lebensplatten #001: Yes „Tales From Topographic Oceans“

Der 12jährige schrieb in sein Tagebuch: „Heute wurde ich von einer Platte gepackt.“ Rausch- und Wahnsinnssymptome habe die Musik bei ihm hervorgerufen, was a) ungeheuer erstrebenswert gemeint war (man schrieb die mittleren 70er, man!), b) schon was heißen wollte, nachdem man sich über Monate durch Deep Purple, Emerson, Lake & Palmer und diverse Deutschrock-Abstrusitäten gearbeitet hatte, und c) selbstverständlich einer Mischung aus Hysterie und Selbsthypnose entsprang. „Lebensplatten #001: Yes „Tales From Topographic Oceans““ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) „See me, feel me, hear me, love me …“ (eine Erinnerung an den Soundtrack eines lange vergangenen Sommers)

Vielleicht sehen aus dem Abstand vieler gleichgültiger Jahre und wenn man sie allzu oft hervorzieht aus der Erinnerung – als zöge man Photoalben, die mit sinnlosen Anordnungen rechteckiger Schattierungen von braungelb und braunweiß und absurden Fondantfarben angefüllt sind, von denen man sich einbildet, sie seien Anker in der Vergangenheit, aus dem Regal –, alle Sommer so aus wie der Sommer 1978: sonnenbleich, durchwoben von zähen Fäden nicht verrinnender Zeit und pulsierend wie, meinetwegen, ein Herzmuskel. „(Aus dem tiefen Archiv:) „See me, feel me, hear me, love me …“ (eine Erinnerung an den Soundtrack eines lange vergangenen Sommers)“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Schluß mit der Schauplatzverschwendung! (die Polemik hinterher)

Am kommenden Donnerstag startet in Deutschlands Kinos der Film „Verschwende deine Jugend“ – ein Kassenschlager in spe, denn mit Tom Schilling und Robert Stadlober spielen zwei hinreichend prominente Jungstars mit, das Drehbuch ist (abgesehen vielleicht von den arg faden Dialogen) fast so gut wie eine mäßige Folge von „Polizeiinspektion 1“, und sowieso liegen die frühen Achtziger und die „Neue deutsche Welle“, um die es gehen soll, groß im Trend. „(Aus dem tiefen Archiv:) Schluß mit der Schauplatzverschwendung! (die Polemik hinterher)“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Verschwende deinen Schauplatz!

Es ist eine seltsame Sache mit der Nostalgie. Die achtziger Jahre etwa gelten seit langem in einer Art Generalkonsens der Kulturkritiker als nicht resozialisierungsfähiger Müllplatz ausgearteter Abscheulichkeiten auf praktisch allen Gebieten, die zwischen Mode und Popmusik irgendwie hineinpassen. Und dennoch: vergeht kaum ein Tag ohne Revival-Fernseh-Show, in der Menschen mit absurden Frisurengebirgen in quietschbunten Kunstfaser-Absonderlichkeiten herumhoppeln und befremdlich steife, gleichzeitig aspirinös hektische Ruckizucki-Schrammeleien zum besten geben, die man dazumal „Neue deutsche Welle“ nannte (vielleicht, weil sie so schwappend anmuteten). „(Aus dem tiefen Archiv:) Verschwende deinen Schauplatz!“ weiterlesen