Ampermoching, Zur Post, 1. Mai 1982 (eine Erinnerung)

Ehrlich: Wir wollten nur spielen! Wir: Oli, Thomas und ich, drei achtzehnjährige Giesinger Punks, die keine Punks mehr sein wollten, weil Punk im Frühling 1982 das Langweiligste und Altmodischste war, was sich ein Achtzehnjähriger vorstellen konnte. Wir also: eine Punkband, die zwei Platten und ein paar Kassetten gemacht und ein paar Dutzend Stück davon verkauft oder verschenkt hatte und mangels einer besseren Idee immer noch Tollwut hieß, aber keine Punkband mehr sein wollte, weil … das wissen wir schon.

Wir wollten aber spielen, möglichst immer und überall, und spielen konnte man als achtzehnjähriges Punktrio damals so gut wie nirgends, schon gar nicht allein, weil unser Programm zwar aus etwa vierzig Songs bestand, aber nur zwanzig Minuten dauerte – in Clubs und Freizeitheimen galt immer noch die aus den siebziger Jahren überlieferte Regel, daß ein Konzert zwei Stunden und ein anständiges Stück (das Wort „Song“ war verpönt) eine Viertelstunde zu dauern hatte. Außerdem besaßen wir zwei Gitarren, ein halbes Schlagzeug und einen Verstärker, was für ein richtiges Konzert entschieden zu wenig war. „Ampermoching, Zur Post, 1. Mai 1982 (eine Erinnerung)“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Schluß mit der Schauplatzverschwendung! (die Polemik hinterher)

Am kommenden Donnerstag startet in Deutschlands Kinos der Film „Verschwende deine Jugend“ – ein Kassenschlager in spe, denn mit Tom Schilling und Robert Stadlober spielen zwei hinreichend prominente Jungstars mit, das Drehbuch ist (abgesehen vielleicht von den arg faden Dialogen) fast so gut wie eine mäßige Folge von „Polizeiinspektion 1“, und sowieso liegen die frühen Achtziger und die „Neue deutsche Welle“, um die es gehen soll, groß im Trend. „(Aus dem tiefen Archiv:) Schluß mit der Schauplatzverschwendung! (die Polemik hinterher)“ weiterlesen

(Aus dem tiefen Archiv:) Verschwende deinen Schauplatz!

Es ist eine seltsame Sache mit der Nostalgie. Die achtziger Jahre etwa gelten seit langem in einer Art Generalkonsens der Kulturkritiker als nicht resozialisierungsfähiger Müllplatz ausgearteter Abscheulichkeiten auf praktisch allen Gebieten, die zwischen Mode und Popmusik irgendwie hineinpassen. Und dennoch: vergeht kaum ein Tag ohne Revival-Fernseh-Show, in der Menschen mit absurden Frisurengebirgen in quietschbunten Kunstfaser-Absonderlichkeiten herumhoppeln und befremdlich steife, gleichzeitig aspirinös hektische Ruckizucki-Schrammeleien zum besten geben, die man dazumal „Neue deutsche Welle“ nannte (vielleicht, weil sie so schwappend anmuteten). „(Aus dem tiefen Archiv:) Verschwende deinen Schauplatz!“ weiterlesen