Belästigungen 13/2019: Besser, es passiert was! (bevor am Ende was passiert!)

Die Isar sei neuerdings ein „Mythos“, teilt die tz heute (19. Juni) mit. Ein Musterbeispiel für Fake News! darf ich als unmittelbarer Zeuge dagegenhalten: Im Gegensatz zu Lindwurm und Wolpertinger ist die Isar nach wie vor ganz real vorhanden und für jedermann, der nicht lieber arbeiten will, frei zugänglich. Wer’s nicht glaubt, darf mich gerne an meinem Lieblingsbadeplatz besuchen und sich selbst überzeugen.

Allerdings muß man dazu am Flauchersteg hinabkraxeln und hinterher auf dem Weg zum Biergarten auch wieder hinaufkraxeln, und das mag nicht jeder. Bevor jetzt aber die Aktivürstchen von der grünen Spaßbrausenfraktion daherkommen und per Facebookkampagne den Einbau blinkerbunt beleuchteter Treppen und Wasserrutschen samt Lampionboulevard mit verstimmten Klavieren fordern, füge ich vorsorglich hinzu: Das macht nichts, im Gegenteil! „Belästigungen 13/2019: Besser, es passiert was! (bevor am Ende was passiert!)“ weiterlesen

Notwendig verspätete Anmerkungen zu John Fante anläßlich einiger Neuauflagen

Fragt man mich nach dem „wichtigsten“ oder „größten“ Schriftsteller des 20. Jahrhunderts (oder meinetwegen: überhaupt), werde ich lange überlegen und wahrscheinlich keine Antwort geben. Aber allein daß es Vladimir Nabokov da mit John Fante (und wenig anderen) zu tun bekommt, sagt einiges.

Na gut, mag man meinen: Was soll man geben auf das Urteil von einem, der Thomas Mann schmäht und vier Fünftel des „Kanons“ der Gegenwartsliteratur verachtet, der die New York Dolls für eine der wichtigsten und größten Rock-’n’-Roll-Bands aller Zeiten hält und auch in anderer Hinsicht zu höchst unzuverlässigen Ansichten neigt? „Notwendig verspätete Anmerkungen zu John Fante anläßlich einiger Neuauflagen“ weiterlesen

Belästigungen 12/2019: Der Pilz und seine „Gruppe“ und so (müßige Sommergedanken vom Rand der Demokratie)

Schwammerl sind lustige Zeitgenossen. Liegt irgendwo ein Stück Holz herum und wird für längere Zeit feucht, ploppen sie plötzlich auf, recken ihre fröhlichen Köpfchen dutzend- und hundertfach in den schattigen Tag, pulvern Sporen herum, daß es nur so raucht, und sind ein paar Tage später spurlos verschwunden.

Ihre Renitenz, ihr Eigensinn und ihre Widerständigkeit sind beispielhaft: Pflanzen sind sie nicht, Tiere irgendwie auch nicht (obwohl sich manche davon selbsttätig fortbewegen können). Einige kann man essen, andere entschieden nicht. Manchmal sind sie lieblich schön, manchmal abstoßend häßlich; einige verströmen einen urgründig-erotischen Wohlgeruch, andere stinken, daß es der Sau graust. „Belästigungen 12/2019: Der Pilz und seine „Gruppe“ und so (müßige Sommergedanken vom Rand der Demokratie)“ weiterlesen

Belästigungen 04/2005: Neid oder Glatzwampen oder Charakter oder überhaupt oder und und

Immer dasselbe: jedes Jahr eine Oderflut! Und dieses Mal kann nicht mal der Kanzler die Dämme entlangschrödern und Sandsäcke begutachten, weil kein Wasser beteiligt ist.

Dafür Deutschlands Journalisten. Die SZ z. B.: Der Maler Florian Süßmayr, stand da zu lesen, wolle sich „mit Charles Manson oder der Otto-Mühl-Kommune beschäftigen“. Keine leichte Entscheidung. Der TSV 1860 hinwieder plane für die neue Saison mit „Michael Hofmann oder Paul Agostino“. Auch nicht ganz einfach. Die taz meldet, das nationale Selbstbewußtsein Japans sei „durch die Giftgasanschläge der Aum-Sekte oder das Erdbeben von Kobe erschüttert“ worden, ein Label schwärmt von einer „blutjungen“ Band, die mit „den Beatles oder den Rolling Stones“ aufgewachsen sei; und wiederum die SZ meldet, ein neuer Film über Franz Josef Strauß lasse „die CSU-Zeitzeugen Peter Gauweiler oder Friedrich Zimmermann“ zu Wort kommen. „Belästigungen 04/2005: Neid oder Glatzwampen oder Charakter oder überhaupt oder und und“ weiterlesen

Belästigungen 11/2019: Dezinformatsiya is the new Verschwörungstheorie (danke, Stalin!)

Noch vor nicht langer Zeit war es modisch, kritische Stimmen in einen Sack mit dem Etikett „Verschwörungstheorie“ zu werfen. Das zieht offenbar nicht mehr so, weil sich der Begriff durch übermäßigen Gebrauch abgenutzt hat.

Zudem war er manchmal nicht ganz so einfach nachzuvollziehen: Wenn etwa jemand äußerte, er glaube nicht so ganz an die Verschwörungstheorie, der Angriff auf das World Trade Center sei von einer Erdhöhle in Afghanistan aus gesteuert worden, war der automatisch ein Verschwörungstheoretiker. Wer hingegen der Theorie anhing, die AfD habe sich mit Putin verschworen, um Deutschland zu destabilisieren, der war keiner. Das erkläre mal jemand einem interessierten Grundschüler. „Belästigungen 11/2019: Dezinformatsiya is the new Verschwörungstheorie (danke, Stalin!)“ weiterlesen

Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): (Never) Mind The Buzzcocks!

Im Jahr 2004 machten mich mehrere Leute darauf aufmerksam, ich müsse die Kaiser Chiefs verklagen, weil sie sich auf ihrer Single-B-Seite „Born To Be A Dancer“ ausgiebig bei meinem Song „Out There (The Loveless Europeans)“ bedient hätten. Ich reagierte darauf mit leicht verschämter Zurückhaltung, weil ich mich in dem Song selber ausgiebig bedient hatte, nämlich bei der Buzzcocks-Single „Everybody‘s Happy Nowadays“. Und weil das niemand bemerkt hatte, weil offenbar niemand mehr die Buzzcocks kannte, was ich zu beschämend, peinlich und traurig fand, um es erklären zu können. Es war ja nicht das erste Mal, daß die Buzzcocks in Vergessenheit geraten waren: Als eine Band namens Fine Young Cannibals 1987 mit „Ever Fallen In Love“ die britischen Top ten stürmte, erntete der Hinweis auf die wahren Urheber auch nur fragende Gesichter. „Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): (Never) Mind The Buzzcocks!“ weiterlesen

Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Queen – eine Kaufanleitung

Bei keiner Band der Weltgeschichte (sagen wir: seit Caesar und Kleopatra) scheiden sich die Geister so wie bei dieser – und zwar tausendfach, jeweils in zwei Lager. Pop oder Rock? Classic oder spät? Mercury, May, Deacon oder Taylor? Kitsch oder Erde? Ziehen wir ein paar Trennlinien, denn eines ist allen Lagern klar: ein Leben ohne Queen ist wie ein Leben ohne Sex. Oder ein Leben ohne Science Fiction. Oder ein Leben ohne Stehausschank, Gummibärchen, Fußball. Oder so … „Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Queen – eine Kaufanleitung“ weiterlesen

Frisch gepreßt #440: Adrian Belew „Pop Sided“

Ich gestehe: Ich habe mir eine Platte heruntergeladen. Und zwar nicht über offizielle „Stores“ wie iTunes, Amazon, Spotify und wie sie alle heißen, sondern von einer etwas zwielichtigen Webseite, die dafür nicht mal Geld wollte.

Aber was soll man denn tun? Es geht schließlich um Adrian Belew!

„Adrian wer?“ Fragt wer? Mister Oberahnungslos-und-ich-gebe-mir-keine-Mühe-das-zu-verbergen? Holla! „Frisch gepreßt #440: Adrian Belew „Pop Sided““ weiterlesen

Belästigungen 10/2019: Dreck und Geld und Sachzwänge: Wir planen eine Stadt!

Im mittleren Norden der Münchner Stadt schlummert die Eggartensiedlung, ein Idyll, wie man es in Europa kein zweites Mal findet.

Das heißt: Sie schlummert nicht mehr, sondern sie kümmert auf dem Krankenbett dahin, seit vor einigen Jahren Immobilienspekulanten auf den Plan traten und seitdem Bewohner umsiedeln, Häuser einreißen, Bäume fällen und das gesamte Gelände vermüllen lassen. Klar: die wollen bauen, am besten zehnstöckig!

Neulich bei einem „Bürgerdialog“ (dazu gleich mehr), mit dem den umliegenden Anwohnern die Vernichtung der Siedlung und ihre Ersetzung durch eine der üblichen ortlosen Wohnmaschinen verklickert werden sollte, war zu sehen, was dort geplant ist: stumpf-brutale Bunkerarchitektur für 1.700 bis 2.000 Unterzubringende, die dann täglich die wenigen schmalen Straßen außenrum verstopfen und die ganze Gegend in eine Hölle von Lärm, Gestank und Häßlichkeit verwandeln werden. Plus Supermarkt, Garagen und diverse „Kitas“ – was man halt so braucht, wenn man sein Leben im Auto und am Arbeitsplatz verbringt. „Belästigungen 10/2019: Dreck und Geld und Sachzwänge: Wir planen eine Stadt!“ weiterlesen

Transparenz!

Das ist so geil, daß ich es unmittelbar teilen muß. Falls irgend jemand weiß, was das bedeutet, wer so etwas „erstellt“ und was man daraufhin tun muß oder soll: bitte kommentieren.

Belästigungen 9/2019: Weniger mehr ist nicht weniger, sondern mehr! (Fridays for Apocalypse)

„Die Apokalypse“, sagt M mit verträumtem Blick auf die Bäume im Westen, hinter denen die glühende Aprilsonne langsam sinkt, als wollte sie den Boden, den sie seit Tagen, Wochen sengt und brennt, mitleidig küssen, – „die Apokalypse ist eine fiese Sache. Weil die Menschen völlig falsche Vorstellungen davon haben.“

Das anschwellende Gezwitscher und Geplärr der Rotkehlchen, Amseln, Stare, Gänse, Tauben, Krähen erfüllt den Himmel und die Luft, als hätte das langsame Verglühen der alles durchflutenden Sonnenhitze einen gewaltigen leeren Raum hinterlassen. Eine Biene zwängt sich in eine dürre Apfelblüte, ihre Kolleginnen tupfen, schon müde, am Löwenzahn herum.

„Sie meinen, da kommt irgendwann ein Trompetenstoß, dann trumpft ein hoheitlicher Riesenengel heran und verkündet das Ende. Alles bricht zusammen, stürzt in ein Flammenmeer oder so, rumms und over. Schau dir die Gesichter an, wenn sie wie Ameisen durch ihre Labyrinthe aus Beton, Glas, Lärm und Staub irren, ständig die Augen auf das Display gerichtet, als warteten sie auf die Nachricht: Jetzt! ist! es! so! weit! Die kommt aber nicht, nur der übliche Wirrwarr aus kleinen Katastrophen, hundert Tote da, tausend dort, fünfzehn hier, irgendwas stürzt ein oder brennt aus, steigt an oder sinkt oder fällt, ein Börsenkurs, eine Linie, ein Wert, was weiß ich. Und wieder mal haben sie einen Tag überstanden, an dem alles schlimmer geworden, aber immerhin noch nicht die letzte Grenze erreicht ist. Der Engel wartet, und solange er nicht trompetet, treiben sie ihr übles Treiben weiter.“ „Belästigungen 9/2019: Weniger mehr ist nicht weniger, sondern mehr! (Fridays for Apocalypse)“ weiterlesen

Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Jesus und Heroin – ein Interview mit Nick Cave (1997)

Ich hab ein paar von deinen letzten Interviews gelesen. Sieht so aus, als würdest du es nicht besonders mögen, interviewt zu werden.

Nein, mag ich nicht.

Ist das, weil du denkst, Musik sollte für sich selbst sprechen?

Well, ich fühle mich meiner Plattenfirma gegenüber verpflichtet, ein paar Interviews zu geben. Ich verdanke ihr viel. Ich bin gerne bei dieser Firma, sie erlauben mir zu tun, was immer ich will, und unterstützen mich total. Ich weiß, daß sie mich nicht rauswerfen werden, egal was ich ihnen liefere. Ein Weg, ihnen etwas zurückzuzahlen, ist, ein paar Interviews zu geben. Also tu ich’s. „Krach und Wahn (Popmusiktexte aus vielen Jahren): Jesus und Heroin – ein Interview mit Nick Cave (1997)“ weiterlesen