In der momentan so virulenten Verteufelung von „Querdenkern“, „Maskenverweigerern“, „Impfgegnern“, „Coronaleugnern“ und anderen Abweichlern tritt der Urfehler der Aufklärung neu zutage: die Unterscheidung zwischen dem „Volk“ (das als Ideal erst noch richtig entstehen muß) und dem „Pöbel“ (der sich durch standhafte Verweigerung von Einsicht und Einordnung der Volkwerdung entzieht).
Mit einem anständigen Volk nämlich könnte man eine Demokratie inszenieren, mit dem Pöbel hingegen nicht, solange er sich weigert, durch Disziplin, Gehorsam, Reinlichkeit und Leistung Volk zu werden. Erst dann auch ist es denkbar, mit ihm und nicht mehr ausschließlich über ihn zu sprechen; erst dann kann er (gleich-)berechtigt am gesellschaftlichen (d. h. wirtschaftlichen) Prozeß mitwirken. „Belästigungen 02/2021: Wir wollen sein ein einig Volk von Geißlern!“ weiterlesen

In einem Lieblingsfilm meiner Spätjugend gibt es eine Szene, die symbolisch für so ziemlich die gesamte Menschheitsgeschichte stehen könnte. Entscheidend ist dabei allerdings nicht (oder weniger) die Szene selbst als ihre Entwicklung: Da rast ein Zug ohne Lokführer quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika auf den Hauptbahnhof von Chicago zu, der ebenso wie sein Münchner Kollege ein Kopfbahnhof ist, also keine Möglichkeit des schadlosen Hindurchrasens bietet.
Kein uninteressanter Ansatz: Eine junge Frau aus Norwegen mit slowenisch-österreichischem Vater bricht mit 23 in den Süden auf, um in Paris irgendwas mit Kunst und so zu machen, landet statt dessen 1976 in Otto Muehls AAO-Kommune im Burgenland und bleibt dort bis 1985. Ein Brief ihres Vaters von 1984, damals unbemerkt und 2006 wiedergefunden, macht ihr klar, daß dieser nicht nur ein eiserner, unverbesserlicher Rassist und Nazi war, sondern auch eine gewisse Verwandtschaft der Lebenseinstellungen unterstellte, schließlich lebe ja auch sie „für deine Überzeugung gegen den Strom“.
Ich bin als Kind mal in der Badewanne gelegen, als ein Neuzugang der erweiterten Kommune, die an den meisten Abenden unser Wohnzimmer bewohnte und es mit einem vielstimmigen Kanon politischer bis psychoanalytischer Thesen erschallen ließ, mit einem Zehnerl die Tür aufsperrte, das Bad betrat und dieses Eindringen damit rechtfertigte, er müsse „bloß kurz scheißen“.
Ob es die Welt gibt, ist eine Frage, an der sich die Wissenschaft die Zähne ausbeißt. Der Philosoph stellt fest: Alles, was es gibt, unterscheidet sich von anderen Dingen; und so schließt er in fachüblicher Messerschärfe: Also kann es die Welt nicht geben, denn von was sollte sie sich unterscheiden? Und wie?
Wenn man herausfinden will, wie etwas geht und wie weit man mit etwas gehen kann, macht man am besten ein Experiment. Zum Beispiel läßt sich die Wuppdizität eines Gummirings relativ leicht überprüfen, indem man ihn an den Oberschenkel des Biergartennachbarn fitzen läßt, und wie lang man ihn ziehen kann, zeigt sich, wenn man ihn lang genug zieht.