Es macht mich immer mißtrauisch und neugierig, wenn Menschen oder – vor allem – „Institutionen“ allzu eifrig abwiegeln oder gar vor Neugier warnen. „Stellen Sie keine eigenen Recherchen an! hieß es insbesondere in der Frühphase der „Corona“-Verbrechen, und schon damals konnte ich mir nicht vorstellen, daß es auf Erden einen Journalisten (oder überhaupt einen Menschen mit mehr als zwei Gramm Hirnmasse) geben könnte, der davon nicht getriggert würde: Ich soll nicht recherchieren? Dann MUSS ich recherchieren!

In den Jahren seither wurde das zu einer Art Muster. Kaum waren die Protokolle des „RKI-Krisenstabs“ nach langem Zerren, Leugnen, juristischen und kriminellen Verzweiflungstaten des Regimes (Schwärzungen, Fälschungen etc.) endlich veröffentlicht, wurden auch schon die staatlichen und propagandistischen Tuschefässer aufgeschraubt und ausgekippt: „Wo ist da jetzt die Enthüllung?“ fragte (ungefähr) wie meistens als erste die „Süddeutsche Brandmauer“ und klebte sich damit den „Ich bin ein Depp!“-Zettel auf die Stirn: Man mag Christina Berndt vieles zutrauen (oder auch nicht), aber tausende Seiten und Gigabytes an Material in zwei oder drei Tagen gründlich zu studieren (und als toootaaal unskandalös abzutun, obwohl einige spektakulär und exemplarisch skandalöse Stellen ja bereits veröffentlicht waren), wäre selbst für Menschen mit Hirn und Interesse physisch unmöglich gewesen. Ihr damaliger „Artikel“ ließ sich in einem Satz zusammenfassen: „Ihr sollt das nicht anschauen!“

Was übrigens erstaunlich und haarsträubend brav befolgt wurde: Die Protokolle, die das deutsche Regime samt Propagandaapparat auf den Kopf stellen und den größten Teil der Akteure für sehr lange Zeit ins Gefängnis bringen mußten, sind dem größten Teil der Bevölkerung bis heute völlig unbekannt. Höchstens hört man hier und da so was wie: „Stimmt, da war mal was. Hat sich aber wohl nicht viel ergeben, sonst hätte man das ja erfahren.“ Die Frage, wie und woher man von einem Verbrechen erfahren sollte, wenn die „üblichen“ Berichterstatter zu den Haupttätern gehören, ist zu abwegig, um sie zu stellen: Lieber Mann, das sind doch „unsere“ Medien, nicht?

Ähnlich lief es mit den „Epstein-Files“: Plötzlich stand da ein solo unbesteigbarer Mount Everest von verfänglichen, verräterischen, rätselhaften, sensationellen, unergründlichen, verblüffenden, irren, gruseligen, unfaßbaren Nachrichten aus einer grauenhaften, bislang nur in düsteren Umrissen erfaßten Parallelwelt vor den Augen der (vermeintlichen) Journaille – und was tat sie? Die selbige „Süddeutsche Brandmauer“ meldete schon am 3. Februar 2026, all das sei „Ein riesiger Haufen Trash“, zeigte dazu als publizistischen Notausgang brav ein Photo eines „deutlich jüngeren Donald Trump inmitten einer Gruppe Frauen“ und verschob den ganzen ultrakriminellen Komplex (in den sie wenigstens peripher selber verwickelt ist) in die Rubrik „Kultur“.

Daß sie allein mit ihrer Überschrift ein Zitat von Ghislaine Maxwell paraphrasierten („Diese Mädchen sind nichts, sie sind Müll“), fiel den in die Verzweiflung abgedrifteten Mietmäulern gar nicht mehr auf – sie wußten ja, daß die „Mädchen“ – von denen in den Tagen danach immer mal wieder die Rede war – als Kollateralopfer der Geschichte wirklich nur das waren (so zynisch das klingen mag). Es ging um ganz etwas anderes, und um das zu vertuschen, hätten die Propagandalügner möglicherweise ihre eigenen Töchter verscherbelt.

Macht ist ein eigenartiges Wesen, und ich meine das buchstäblich wörtlich: Sie hat keine Arme und Beine und vielleicht oder wahrscheinlich nicht mal einen Kopf, aber viele Tentakeln, die der Unbedarfte erst bemerkt, wenn sie ihm durch den Schließmuskel bis ins Hirn gekrochen sind und ihn zu einem anderen Wesen gemacht haben, als er zu sein meint und vielleicht mal war. Macht wird gelegentlich mit einer Droge gleichgesetzt, aber ich habe in meinem Leben so ziemlich alle (damals gängigen) Drogen wenigstens ausprobiert und meine sagen zu können: Nein, das ist was anderes. Selbst die eisernsten Junkies werden irgendwann erwachsen, und noch der schlimmste Alkoholiker bewahrt sich einen Rest Selbsteinschätzung. Der (ehemalige) Mensch, den die Macht erfaßt hat, tut und kann das nicht.

Damit könnten wir bei einem „Bundeskanzler“, einem „Bundespräsidenten“, diversen „Ministern“ und „Ministerpräsidenten“ gelandet sein, von denen sich derzeit manch einer fragt, weshalb sie sich noch blöder aufführen als sie nachweislich sind, wo sich diese Frage doch ganz leicht und einfach mit dem oben gezeichneten Bild beantworten läßt: Die sind nicht (mehr) das, was sie zu sein glauben und wofür sie der eine oder andere hin und wieder halten mag.

Die „Corona“-Verbrechen und der Epstein-Komplex sollten das eigentlich hinreichend deutlich gemacht haben; und doch schrecken viel zu viele Leute immer noch vor dem Gedanken zurück, daß all das wirklich so böse, so dunkel, so wahnsinnig und so menschenverachtend sein könnte, wie es von fern erscheint (weshalb sie sich auch nicht näher hintrauen und lieber die Hände vor Augen und Ohren schlagen und „Dä! Dä! Dä!“ plärren: „Ich darf das nicht sehen, ich will es nicht hören, ich haue lieber dem Überbringer der Nachricht eine aufs Maul!“

Auf diese Weise werden selbst jene, die sich keine Macht erhoffen, die sich auch von der Macht nichts als ein kleines Stück Gnade erhoffen, von der Macht erfaßt. Und in „glücklichen“ Fällen kriegen sie ja tatsächlich ein kleines Stück Macht ab oder wenigstens einen winzigen Anschein davon: Schließlich durften sie sich für einige Zeit im Sinne von Adolf Hitlers „Unsere Demokratie“ als Führer fühlen und in Drogeriemärkten harmlose Menschen anplärren, sie sollten gefälligst ihre „Maske“ vors Gesicht schnallen. Die Erklärung „weil sonst alle sterben“ wies schon den talentierten Blockwart aus, im Unterschied zum bloßen Mitläuferopfer.

Daß ausgerechnet die „Kulturszene“ sich als Biotop derart abseitiger Neigungen entpuppte, überrascht und erschreckt mich bis heute, und sämtliche Erklärungen, die ich seither gehört habe (von „Juste Milieu“ bis hin zu den oft zitierten „Existenzängsten“, weil man als televisueller Großverdiener ja so viele „Verpflichtungen“ habe), überzeugen mich nicht, eher immer weniger. Vielleicht ist das Bedürfnis vieler Bühnenkünstler nach Applaus im „normalen“ Leben nur ein harmloser Zwilling des Hungers nach Anerkennung durch die Macht. Man müßte öfter mal die Gesichtsfratzen dieser Menschenklasse (von Bosetti bis was weiß ich) studieren, wenn ihnen die Regimeführer mal wieder einen Orden um den krummen Hals hängen, fürs brave Mittun (wessen sich viele, die ich kenne und kannte, ohne Zweifel bewußt sind).

Ich weiß nicht, welches Glück mich davor bewahrt hat, so zu werden, da hineinzufallen in diese Falle. Vielleicht ist es angeboren oder unabsichtlich anerzogen, daß mir „Lob von oben“ schon immer peinlich war. Aber ich erinnere mich, daß diese Neigung auch ihre Schattenseiten hat, etwa wenn ich in der siebten und achten und teilweise noch in der neunten Klasse einen nicht abzustreitenden Stolz empfand, wenn ich schlechte Noten erhielt, während ich mich schämte, wenn ich mal wieder (unverschuldet) zu den Deppen gehörte, die nicht nur eine Eins, sondern dazu noch lobende Worte gewisser Lehrer erhielten.

Ich erinnere mich, wie ich vor bald dreißig Jahren meine Magisterurkunde überreicht bekam: Der Chef (Dekan?) der Münchner Uni kündigte zu Beginn der Veranstaltung, als die lähmend öde Musikumrahmung verklungen war, an, es habe auch diesmal unter den tausendnochwas Absolventen drei gegeben, denen es gelungen sei, sich mit der Durchschnittsnote 1,0 eine „Auszeichnung“ zu verdienen. Als er sich anschickte, sie einzeln aufzurufen, sagte ich zu meiner Begleiterin, das Gesalbe dieser Streber langweile mich, da ginge ich besser noch mal aufs Klo. Ich war dem Ausgang der Aula bereits einige Meter nähergekommen, als sie mich zurückzischte: Mein Name sei aufgerufen worden. Tatsächlich hatten die Professoren Rosendorfer, Meier und Hellmuth beliebt, mir für eine müßige Magisterarbeit und drei sehr anregende und angeregte Gespräche unisono die Bestnote zu geben, was mich insofern erstaunte, daß es tausendnochwas anderen Studenten gelungen war, das zu vermeiden: Was um Himmels willen hatten die denn angestellt?

Auf der Bühne fühlte ich mich dann aber ganz wohl, weil den Auszeichner meine ganz gewöhnliche Kleidung (alte Jeans, Chucks, T-Shirt, Lederjacke -es waren die Neunziger) anscheinend leicht verunsicherte (die beiden anderen trugen Anzug und Krawatte beziehungsweise züchtiges Kleid). Er schien sich zu fragen, ob man ihm da einen Hochstapler untergejubelt hatte – hätte er mich gefragt, so hätte ich freimütig geantwortet: Aber ja!

Ich erinnere mich auch an eine Begegnung mit dem damaligen Münchner Oberbürgermeister; da standen wir gemeinsam (aber nacheinander) auf einer Bühne am Sendlinger Tor und sprachen (nacheinander) zu einer gleichgesinnten Menschenmenge, die mir in ihrer Gleichgesinntheit ein bißchen ungemütlich war. Wir trafen uns am Bühnenaufgang; er sagte: „Guter Text!“, und mir fiel dazu nicht mehr ein als ein rahmender Blick und die Antwort: „Interessante Frisur!“ Einige Jahre danach hielt er am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eine Rede, in der „es“ ihn dazu trieb, Leute wie mich mit den Massenmördern von Auschwitz gleichzusetzen. Alte Geschichte, aber sie wird mich so lange beschäftigen, bis ich auf die Frage, wie so etwas geschehen kann, eine Antwort kriege, die nicht von mir selbst kommt. Wobei ich zugeben muß: Im Grunde ist mir das egal. Ich brauche keine „Anerkennung“ von solchen Leuten; sie wäre mir womöglich wiederum peinlich.

Angesichts des mittlerweile vollkommenen und eskalierend irren Auftretens des ehemaligen deutschen „Gesundheitsministers“ frage ich mich zwischendurch, wie viel Gutes der Mann bewirken könnte. Immerhin hat sein sinnfreies „also“-Gelalle ja dazu geführt, daß Millionen Menschen ihn für intelligent, gebildet, in Extremfällen sogar besorgt um ihr privates Wohlergehen hielten. Hätte der Kerl jemals einen Gedanken an seine Mitmenschen verschwendet und einen Anflug von Empathie verspürt – was wäre das (vielleicht) für ein grandioser Anwalt der Getäuschten, Betrogenen, Abgehängten etc. geworden! Leider verstärkt dieser Gedanke meine Verachtung für den Dreckskerl noch, weil er sein zweifelhaftes „Talent“ ja wirklich nur dafür einsetzte, denen zu schaden, für die er angeblich „antrat“.

Ein Freund ruft an und sagt, es sei Fußball-WM und was ich vom Abschneiden der Deutschen halte. Von einem Abschneiden der Deutschen von was? frage ich zurück. Derweil ich das schreibe, sitze ich im Flaucherbiergarten, bestrahlt von der Abendsonne am zweit/drittlängsten Tag des Jahres bei erstaunlich angenehmer Temperatur, wie jedes Jahr davon zu unfaßbaren Abenteuern angeregt, zu denen es nie kommt. Durch die Holzwand der alten Kegelbahn höre ich tatsächlich den unverständlich mummelnden „Kommentar“ eines dieser „Sport“-Animateure. Das erinnert mich an meinen elften Geburtstag, als die BRD das Endspiel einer solchen Fußball-WM gegen die Niederlande bestritt und es diese Animateure noch nicht gab.

In meiner Erinnerung bestand der damalige Kommentar aus minutenlanger Stille und dem plötzlichen, aber unterdrückten Ausruf: „Müller – Tor!“ Danach gingen wir selber Fußballspielen, weil das, was da noch eine Halbzeit lang im Fernsehen laufen sollte, so grandios langweilig war und wir ahnten, daß kein Tor mehr fällt. Der Marketingbegriff „Sommermärchen“ war damals ja auch noch nicht erfunden; an den Autos klebten keine Deutschlandfahnen, sondern Tip und Tap.

Ein Blick hinter die Holzwand erweist: Da hängt tatsächlich eine Leinwand, auf der eine Fußballperformance läuft. Es schaut aber niemand zu. Eine Art Sinnbild, sozusagen: Die etwa zweihundert Leute, die derweil im Biergarten sitzen, zahlen meistenteils fast zwanzig Euros im Monat, damit so was ausgestrahlt werden kann, sie es aber nicht anschauen müssen.


Na, ob der deutsche Luftwaffenchef auch eine kleine Kapsel mit sich herumführt wie dunnemals sein Vorgängerarschloch, um sich der Hinrichtung zu entziehen?
Macht scheint mit Vaseline überzogen zu sein. Denn wenn´s Arscherl brummen soll, die Dehnfähigkeit der geistigen Rosette jedoch schon erreicht ist, dann kann die Macht ohne diese geistige Vaseline nicht hineinschlüpfen. Die Vaselinelieferanten hießen früher Medien. Julius Streicher wurde absichtsvoll so aufgehängt, daß er sich den Kopf noch anschlug im Fallen.
Etwas deprimierend, dieser Text. Aber so ist es halt.
Julian Reichelt hat sich offenbar früh, im Alter von 19 Jahren, als er sich noch aufs Abitur vorbereitete, fürs Bombardieren ausgesprochen und damit gezeigt, dass er aus „Auschwitz“ „gelernt“ hat. Schade, dass solche Leute es nicht vermögen, irgendwann innezuhalten und sich zu fragen, was sie da eigentlich tun. So bestärkt die (Nähe zur) Macht die schlimmsten Eigenschaften der Menschen und lässt die guten verkommen.
Ich bin auch über das Versagen der „Kulturszene“ verzweifelt, habe aber eine für mich unangenehme Erklärung dafür gefunden: Es gab kein Versagen, ich hatte nur ein falsches Bild!
Die Bestimmung dieser Szene ist nach außen die blitzableitende Bespaßung für das kritischere Publikum und nach innen die Bestätigung der Wichtigkeit des künstlerischen Egos. Man zählt sich zur gesellschaftlichen Elite und zeigt „Haltung“.
Bin selbst aus einer Theatergruppe gegangen, weil alle anderen mit Maske spielen wollten, um „Verantwortung und Solidarität“ zu zeigen …
Es gab und gibt Ausnahmen, wo ich sie nicht vermutet hätte. Die versuche ich zu unterstützen, was meinen Horizont erweitert hat. Sonst wäre ich wohl auch nicht hier. 🙂
Bei der Einleitung mußte ich an die Szene aus „Die Nackte Kanone“ denken, in der Leslie Nielsen vor einem explodierenden Haus steht und den Passanten zuruft: „Gehen Sie weiter! Hier gibt es nichts zu sehn!“
Ach ja. Fussballweltmeisterschaft 1974 war schöne Wetter und wir hatten gerade unseren Führerschein und machten einen Ausflug an die Lahn. Auf der anderen Lahnseite okkupierten Holländerjungs den Campingplatz und skandierten ( wenn dieses Verb mal auf das halbbetrunkene lauthalse Gegröle zutrifft – ich weiß ja nicht) „Holland wint de Wörelndcöp.“ worauf meine Freundin und ich zurück brüllten „Holland wint de Käsecöp!“ was die Jungs dazu veranlasste sich todesmutig in die Fluten zu werfen um – ja um was eigentlich.
Wir flüchteten. Allerdings war das auf den 70er üblichen 15cm Plateauschuhen zum Scheitern verurteilt und so holten uns die tropfnassen Holländer alsbald ein.
Sie versuchten uns mit schlecht gespielter Wut zur Rechenschaft zu ziehen was in viel Gelächter, einigen Portionen Pommes und und einer geteilten Fanta-Eierlikör endete. War ein schöner Abend.
Das Spiel selbst war dann so sch… langweilig dass wir (sturmfreie Bude) uns an Papas teurem Whiskey vergriffen und weil der so eklig schmeckte hauten wir ordentlich Zucker rein. Wir gingen auf allen Vieren ins Bett und an den nächsten Tag möchte ich bitte nicht erinnert werden. An das Spiel auch nicht.