Dem normalen Deutschen (Rostocker, Alkoholiker usw.) sind Querdenker in der Regel wurscht, aufgrund seines gesunden Volksempfindens tendiert er jedoch, wird die affektive Besetzung des Begriffs thematisiert, zu eher negativen Qualifizierungen („Arschlöcher, Eierköpfe, schwul“).
Kurt Scheel: Querdenker I (in: Das Wörterbuch des Gutmenschen, 1994)

Wenn alles nach Plan verläuft, werden in nächster Zukunft die heutigen Währungen durch Inflation und jederzeit auslösbaren Kreditkollaps zerstört. Das Vermögen wird vergesellschaftet oder besser gesagt sozialisiert und der Verfügungsgewalt von Funktionären unterstellt.
Das Bundesmeldegesetz stellt sicher, daß jeder Bürger eine auf seine Nummer lautende Debitkarte erhält, die ihm einen nach seinem demokratischen Zuverlässigkeitsgrad abgestuften monatlichen Kredit (Sonderziehungsrechte) sichert. Die dem Bundesmeldesystem angeschlossenen Systeme sichern Gültigkeit der Kreditkarte auf weltweiter Basis, wenn sie nicht storniert wird.
Peter Blackwood: Die Netzwerke der Insider (1986)

Wer gegen den Faschismus ehrlich kämpfen will, der muß mithelfen, daß auch in den gewerkschaftlichen Mitgliederversammlungen die Kollegen Forderungen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen beschließen. In diesem Kampfe der organisierten und der unorganisierten Arbeiter muß es uns gelingen, auch die Nazianhänger gegen ihre faschistischen Ausbeuter zu mobilisieren.
Das ist der Sinn der Antifaschistischen Aktion, zu der die Kommunistische Partei die gesamte Arbeiterklasse und alle Ausgebeuteten und Unterdrückten aufgerufen hat.
Walter Ulbricht: Freienwalder Arbeiter schaffen die Einheitsfront (in: Die Rote Fahne, 1932)

Von einigen der Regierung oder der Christlich-Demokratischen Union nahestehenden Gruppen oder Organisationen wurden zeitweilig Listen mit den Namen von Journalisten geführt, die man wegen ihrer oppositionellen Haltung zur amtlichen Politik für „unzuverlässig“ hielt. Das waren Kreise, die nach einem in Deutschland bewährten Muster jeden Zweifel an der Richtigkeit der Regierungspolitik als Ausdruck einer wankelmütigen, linksintellektuellen oder auch verkappt kommunistischen Gesinnung verdächtigen wollten. Es waren die gleichen Kreise, die in der Existenz einer unabhängigen Presse ein Übel sehen, weil sie auf den unteren Etagen der Propaganda für eine Verfestigung der parlamentarischen Mehrheit der CDU zu einer auf Dauer gesetzten Obrigkeit sorgen möchten.
Klaus Bölling: Die zweite Republik (1963)

Im übrigen glaube ich, jenes Hermetische beruht auf Angst. Angst, einige von draußen hereinflatternde Argumente könnten vielleicht etwas Plausibles haben. Angst, in einer offenen Debatte nicht bestehen zu können; es ist eine in den Tiefen des Hirns lagernde Angst, die mit Festigkeit ummantelt wird und mit Unnachgiebigkeit, es ist eine Angst, die schon jener Jugendzeitungschefredakteur gehabt hat, der rief, solchen Dreck drucken wir nicht; der Mann schützte sich nur, schützte sich vor seiner Angst, von der er nichts wußte und die ihm doch im Körper steckte.
Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor (2020)

Kalt, düster, immer durch den Nebel in Schatten gehüllt, schien Gordon diese Welt im Herzen der Wolke gerade der passende Ort zu sein, eine Verschwörung zur Aufspaltung der Milchstraße auszuhecken.
Edmond Hamilton: Herrscher im Weltenraum (1949)

Der globale Fortschritt ist beeindruckend: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die extreme Armut weltweit halbiert, 80 Prozent der Kinder sind heute geimpft, und 80 Prozent der Familien haben Zugang zur Elektrizität. „Das sind großartige Errungenschaften“, konzediert auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer.
Ulrike Herrmann: Das Ende des Kapitalismus (2022)

Viel Gerede im Volk; einige Fanatiker behaupten, das Ende der Welt stehe bevor, am nächsten Dienstag werde es eintreten – wovor uns Gott, wenn es denn wahr ist, beschützen möge.
Samuel Pepys: Tagebuch (November 1662)

„Erlauben Sie mal!“ rief ich. „Ich bin kein Typ, den man konsumiert. Ich bin ein Mann.“
„Süß!“ kreischte Frau Wegerich.
„Sie sind ja schon beinahe konsumiert“, rief Herr Gurkenbach. „Sie wissen es nur nicht! Sie sträuben sich gegen mich? Dann sträuben Sie sich gegen den letzten Menschen, der Ihnen wohl will. Ich spreche in letzter Minute – folgen Sie mir, fangen Sie ein neues Leben an!“
Simon Glas: Die schwachen Punkte (1953)

Kehren wir zurück … Der Auflösung des organischen Schaffens entspricht eine andere: die der gewachsenen menschlichen Lebensgefüge. Die Familie verliert ihre gliedernde und ordnende Bedeutung. Gemeinde, Stadt, Staat werden immer weniger von Familien, Verwandtschaften, Arbeitsgruppen, Ständen usw. getragen. Immer mehr erscheinen die Menschen als eine in sich gestaltlose Vielheit, die zweckhaft organisiert wird.
Romano Guardini: Die Macht (1952)

Charakteranalytisch ist der Unterschied zwischen lebendigem sexuellem Rhythmus und aufgemachtem Sexappeal, zwischen natürlicher, ungezwungener Würde und gemachter, zwischen echter Schamhaftigkeit und künstlicher, zwischen unmittelbarer Lebensäußerung und gewollter, zwischen vegetativem muskulärem Rhythmus und ihn ersetzenden Wiegen der Hüften und Stramm-Machen der Schultern, zwischen Treue aus sexueller Befriedigtheit und Treue aus Angst und Gewissen – man könnte unendlich fortsetzen – gleichzeitig der Unterschied zwischen entwicklungsschwangerer, revolutionärer und beharrender, konservativer psychischer Struktur, zwischen lebendigem Leben und ödem Lebensersatz. Hier sind die materiellen, psychisch-strukturellen Grundlagen der „Weltanschauungen“ unmittelbar gegeben und der menschlichen Praxis – zunächst nur prinzipiell – zugänglich.
Wilhelm Reich: Charakteranalyse (1933)

Ich glaube, im traditionellen Sinne liebe ich niemanden. Und das ist ein unheimlich schönes Gefühl, wenn du niemanden liebst, dadurch stehen alle Türen offen. Die besitzergreifende, paranoide Liebe, die arrangiert dich nur an einen Platz, wo du gar nicht hingehörst. Seitdem ich das erkannt habe, geht es wunderbar. Ich habe seitdem nur noch schöne Erlebnisse, keinen Ekel, auch keinen Leistungsdruck. Ich schäme mich nicht, wenn es nicht geht, und ich freue mich auch nicht wie ein Idiot, wenn es besonders gut ist. Dann ist es eben im Moment so gewesen, okay. Dieser extreme Pathos der Freude und der extreme Pathos des Schmerzes, die sind dann natürlich nivelliert, auf eine beruhigende Ebene gebracht, die mir entspricht.
Fee Zschocke: Er oder ich. Männergeschichten (1980)

Emotions, in my experience, aren’t covered by single words.
Jeffrey Eugenides: Middlesex (2002)

Er gründete (ganz ohne sein Zutun) eine Sekte der Verehrer des neuen grünen Krokodils. Es bedurfte nur noch der körperlichen Gegenwart der neuen Gottheit, um die wenigen mißtrauischen Gefühle völlig auszutreiben, die noch vorhanden waren.
Edgar Wallace: Bones in Afrika (1915)

Nun kann man niemandem wissenschaftlich vordemonstrieren, was seine Pflicht als akademischer Lehrer sei. Verlangen kann man von ihm nur die intellektuelle Rechtschaffenheit: einzusehen, daß Tatsachenfeststellung, Feststellung mathematischer oder logischer Sachverhalte oder der inneren Struktur von Kulturgütern einerseits, und andererseits die Beantwortung der Frage nach dem Wert der Kultur und ihrer einzelnen Inhalte und danach: wie man innerhalb der Kulturgemeinschaft und der politischen Verbände handeln solle – daß dies beides ganz und gar heterogene Probleme sind. Fragt er dann weiter, warum er nicht beide im Hörsaal behandeln solle, so ist darauf zu antworten: weil der Prophet und der Demagoge nicht auf das Katheder eines Hörsaals gehören.
Max Weber: Wissenschaft als Beruf (1919)

Wir haben verloren. So viel weiß ich. Wir haben verloren. Und jetzt ist das Spiel zu Ende.
Cornell Woolrich: Ich heiratete einen Toten (1948)

Wachte um 6 Uhr morgens auf, und weil kein Nachttopf da war, mußte ich bei bitterer Kälte aufstehen und in den Kamin pissen. Gleich wieder ins Bett
Samuel Pepys: Tagebuch (27. Dezember 1664)


„Im übrigen glaube ich, jenes Hermetische beruht auf Angst. Angst, einige von draußen hereinflatternde Argumente könnten vielleicht etwas Plausibles haben. Angst, in einer offenen Debatte nicht bestehen zu können; es ist eine in den Tiefen des Hirns lagernde Angst, die mit Festigkeit ummantelt wird und mit Unnachgiebigkeit, es ist eine Angst, die schon jener Jugendzeitungschefredakteur gehabt hat, der rief, solchen Dreck drucken wir nicht; der Mann schützte sich nur, schützte sich vor seiner Angst, von der er nichts wußte und die ihm doch im Körper steckte.“
Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor (2020)
Danke für dieses Zitat. Ausgedruckt auf einen Klebesticker und an eine Ubahn-Scheibe geklebt, könnte es bei hunderten südtäuschen Spiegelbildbürgern, die sich daneben hinsetzen und es lesen, einen revolutionären Kurzschluss, also im Effekt etwas Gutes, auslösen.