Architektur & Verbrechen (eine fortlaufende Sammlung): Zustände (1)

Auch die Nebelbildungen im Gehirn der Menschen sind notwendige Sublimate ihres materiellen, empirisch konstatierbaren und an materielle Voraussetzungen geknüpften Lebensprozesses. 

Es donnert, und der Himmel schweigt.

Die Menschen haben sich bisher stets falsche Vorstellungen über sich selbst gemacht, von dem, was sie sind oder sein sollen. Nach ihren Vorstellungen von Gott, von dem Normalmenschen usw. haben sie ihre Verhältnisse eingerichtet. Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Geschöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt.

Woher der Sozialismus den Maßstab dessen nimmt, was „natürlich“ ist, läßt sich schwer sagen.

Da also dennoch die Gesellschaft nicht der Natur, ihrem Urbilde, entspricht, so „verlangt“ der wahre Sozialist von ihr, daß sie sch naturgemäß einrichte, und beweist sein Recht zu diesem Postulat durch das unglückliche Beispiel von der Pflanze.

Und seine Schafe glauben ihm das.

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage.

Diese Subsumtion der Individuen unter bestimmte Klassen kann nicht eher aufgehoben werden, als bis sich eine Klasse gebildet hat, die gegen die herrschende Klasse kein besonderes Klasseninteresse mehr durchzusetzen hat.

Der Unterschied vom Stand tritt namentlich heraus im Gegensatz der Bourgeoisie gegen das Proletariat.

In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktivkräfte (Maschinerie und Geld).

Es ist nichts gewöhnlicher als die Vorstellung, in der Geschichte sei es bisher nur auf das Nehmen angekommen.*

Ebenso wird das Recht dann wieder auf das Gesetz reduziert.

Während im gewöhnlichen Leben jeder Shopkeeper sehr wohl zwischen dem zu unterscheiden weiß, was jemand zu sein vorgibt, und dem, was er wirklich ist, so ist unsere Geschichtsschreibung noch nicht zu dieser trivialen Erkenntnis gekommen.

Sie glaubt jeder Epoche aufs Wort, was sie von sich selbst sagt und sich einbildet.

Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken.

(Anmerkungen:)
* Vor diesem Haus begegnete mir ein älterer Mann mit sehr schwarz gefärbten Haaren, der etwas sagte, was ich zunächst nicht verstand, weil ich einen Kopfhörer trug. Er wiederholte: Da wohne seine Mutter, er wolle sie besuchen, wisse aber nicht, ob sie da sei. Ich sagte, das Haus stehe offenbar leer, da wohne wohl niemand mehr. Er nickte und sagte, sie melde sich aber auch nie und sage ihm nie etwas, er wisse sehr wenig. Das kaputte Dach und die fehlenden Fenster, sagte er, das sei schon schade. Ich stimmte zu, und er wünschte mir einen schönen Sonntag.

Alle Zitate unter den Bildern sind zufällig herausgeblätterte Stellen aus der „Deutschen Ideologie“ von Karl Marx und Friedrich Engels.

 

2 Antworten auf „Architektur & Verbrechen (eine fortlaufende Sammlung): Zustände (1)“

  1. als ich früher öfters Mal in Schulen über Musik redete oder Projekte machte, da hatte ich eine Art von Macke: Ich habe die Samen aus den Glyzinienschoten gesammelt und hatte immer eine größere Menge dabei. Die Samen nahm ich mit in die Schule und redete wie folgt:
    „liebe Schüler, ich habe da eine Idee. Nehmet reichlich von diesen Glyziniensamen und verstreuet diese auf dem Schulwege, insbesondere da, wo besonders beschissene Bauwerke euere Augen beleidigen. Es wird die Zeit kommen, wo das Geld für den Hausmeister oder Gärtner nicht mehr da ist und ab da beginnen die Glyzinien ihre bedeckend abreißerisch kreative Arbeit und binnen zwanzig Jahren ist diese ganze Scheiße nicht mehr zu sehen“
    Gruß aus der Taiga

    1. Glyzinien haben einen weiteren, erheiternden Vorteil: Wenn die Samenschoten reifen und dann im Dezember oder Januar eine halbe Stunde lang die Sonne draufscheint, explodieren sie mit fröhlichem Knallen und streuen noch mehr Saat in die Gegend …

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