(periphere Notate): Jessica Jones trägt wieder Glatze

Wer bislang immer noch glaubte, der als „Bundespräsident“ „amtierende“ Steinkopf habe wenigstens ein paar verbliebene Tassen im Schrank, der durfte sich am 9. November eines besseren belehren lassen. In einer Rede zum „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ forderte der notorische Verfassungsfeind seine Volksgenossen auf, endlich die Opposition gegen das Einheitsfrontregime effektiv zu bekämpfen: „Tun wir, was getan werden muß!“ Dazu sollten auch Polizisten und Soldaten „wehrhaft“ werden, also zupacken. Daß er die gemeinte Satanspartei nicht beim Namen nannte und faktisch nur deren Verbot forderte, ist sicherlich seinen Rechtsberatern zu verdanken. Ach so, und „Nun Volk, steh auf! Nun Sturm, brich los!“ sagte er auch nicht.

Ich muß sicherlich nicht daran erinnern, daß der 9. November auch der Jahrestag der Novemberrevolution, des damit einhergehenden Verrats der SPD, des Hitler-Putschs und der Abdankung des letzten deutschen Kaisers ist. Höchstens den Steinkopf, der seine historischen Kenntnisse offenbar aus einem Kaugummiautomaten herausgedreht hat. Oder – das wäre die noch beunruhigendere Alternative – vollkommen verrückt geworden ist.

Einen Hinweis könnte Steinkopfs Behauptung liefern, die verfolgte Opposition grenze sich ja selber aus, indem sie sich in Parlamente wählen läßt und es strikt ablehnt, sich der Einheitsfront der Herrschaftsparteien anzuschließen oder zu unterwerfen. Das läßt die psychiatrische Erklärung plausibler erscheinen. Man weiß es aber nicht.

Daß ein Bundespräsident laut Artikel 56 des Grundgesetzes „das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen“, seine „Pflichten“ (welche auch immer das sein mögen) „gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben“ soll, ist höchstens ein kleines Kichern wert. Wie wir wissen, gilt das Grundgesetz nicht mehr, und wer die verbalpolitischen Amokläufe des Majdan-Putsch-Mittäters Steinkopf in den letzten Jahren – etwa seinen Haßaufruf gegen Spaziergänger – noch im Gedächtnis hat, den wird auch diese jüngste Entgleisung kaum noch überraschen: Der Mann kennt offensichtlich keine Grenzen mehr, weil ihm noch nie jemand wirksam eine Grenze gesetzt hat.

Einen Bundespräsidenten abzusetzen oder (zum Beispiel wegen Volksverhetzung) ins Gefängnis zu sperren ist übrigens so gut wie unmöglich. Dazu bräuchte es erstens ein Bundesverfassungsgericht. Die so bezeichnete Anstalt ist allerdings traditionell und erst recht derzeit mit treuen Bütteln des Kerls und seiner Partei(en) besetzt. Zweitens müßte ein Viertel des Bundestags oder des Bundesrats überhaupt erst mal eine Anklage beantragen, zum Beispiel wegen Bruchs des Grundgesetzes, und diese Anklage müßte dann von einer Zweidrittelmehrheit erhoben werden. Der Steinkopf hat also wohl nichts zu befürchten.

Man möchte meinen, das sei ja alles ziemlich egal. Wer die Propagandasender abschaltet und andere Propagandamedien ignoriert, kriegt im besten Fall nicht mal mit, daß es überhaupt einen Bundespräsidenten gibt, von dem das Bundesverfassungsgericht im Juni 2014 phantasierte, er „verkörpere“ „die Einheit des Staates“. Allerdings könnte es für jeden, der sich nicht bedingungslos unterhakt und jubelnd dem Regime hinterherläuft, ein böses Erwachen geben, falls Steinkopfs Aufruf zur Gewalt gegen Andersdenkende tatsächlich, wie man so sagt, „zündet“.

Zu „tun, was getan werden muß“, hat in Deutschland übrigens eine Tradition, die man gar nicht so sehr an den Haaren herbeiziehen muß. Alleine der Anspruch eines „unparteiischen“ „Demokraten“, er wisse, was getan werden müsse, ist totalitär as totalitär can be. Es ist auch die logische Folge einer über jahrzehntelang betriebenen Verengung des „Korridors“, innerhalb dessen sich „demokratische“ Argumente und Debatten zu halten haben, um eben nicht als „undemokratisch“ und somit „verfassungsfeindlich“, „staatsdelegitimierend“ sowie „Nazi“ beschimpft zu werden.

Nachdem dieser „Korridor“ inzwischen ungefähr so schmal wie der Abstand zwischen Steinkopfs rechtem Ohr und dem linken ist, kann eigentlich überhaupt nichts mehr diskutiert werden, und somit ist auch jedem aufrechten Volksgenossen ohne einen einzigen Gedanken selbstverständlich klar, was „getan werden muß“. Joseph Goebbels formulierte das in seinem Tagebuch am 26. Oktober 1942 ganz im derzeitigen Sinne: „Wir können verlieren, wenn wir nicht alles tun, was getan werden muß, um den Sieg zu erringen.“ Ach so, der Krieg war damals übrigens auch längst verloren, aber noch nicht so lang wie heute.

Der Steinkopf soll übrigens früher „linksradikal“ gewesen sein, habe ich mir sagen lassen. Da haben wir wohl einen ähnlichen Fall wie bei Horst Mahler.

Das Schicksal des Projekts „BSW“ wird sich an folgender Frage entscheiden: „Wann haben Sie zum letzten Mal einen Vertreter der DKP in einer Talkshow der öffentlich-rechtlichen Propaganda gesehen?“ Wetten bis drei Maß Bier werden gerne angenommen.

Das Problem des deutschen (sorry) „Zickenfaschismus“ mag sein, daß sich manche seiner Protagonistinnen – Buyx („Wissenschaft“), Göpel („Klima“), Betsch („Verschwörungsmythen“), Leyen (Reich und Krieg), Gaub (Russe und Rasse), Priesemann („Impfung“), Bosetti („Humor“), Mai-Thi (Szientismus), Neubauer (Religion) für unsterblich und unverwundbar halten. Speziell bei Buyx drängt sich auch der Verdacht auf, daß sie sich für eine Art Jessica Jones mit Herrschaftsmacht hält. Und nicht daran denkt, daß „Jessica Jones“ nach drei Staffeln abgesetzt wurde.

Die Tragödie der Deutschen und der Ursprung ihres Wiederholungszwangs mag darin liegen, daß sie nie gezwungen waren, die Haupttäter zu benennen und sich damit selbst als Mittäter, Fanatiker, Befürworter und Mitläufer zu „outen“. Das hatten ja die Amis schon erledigt: „alle Bösen“ aufgehängt beziehungsweise eingesperrt beziehungsweise überraschend freigesprochen – da konnte man ja nur noch einerseits bekräftigen, wie „befreiend“ das war, und andererseits sich so sehr jeglicher „Generalisierung“ verweigern, daß am Ende – also eine Vollgeneration später – genau dasselbe wieder herauskommen mußte.

Was denn sonst? Ein ewiges Beweinen der Mitbürger jüdischen Glaubens (oder „jüdischen Blutes“, willkürlich „wissenschaftlich“ vermutet), die man selbst ermordet oder deren Ermordung man philogenetisch geerbt hatte? Und was wäre dann mit denen, die nicht mitgetan haben? Muß man sich wundern, wenn die (wie ich) befremdet reagieren, wenn man sie achtzig Jahre später mit „Gedenkstätten“ bombardiert, die von den Enkeln der Täter aufgeführt werden, mit deren Taten wir (auch „erblich“) nicht das geringste zu tun hatten?

Müssen, billig gesagt, wir unbedingt immer die schmutzige, blutverschmierte Wäsche der Herrschenden waschen, damit die unbelastet und in blütenweisen Klamotten zur Wiederholung schreiten können? Und wann merken wir endlich, daß auch wir (Proletarier et al.) immer erst Opfer, dann angeblich Täter und dann wieder Opfer sein sollen?

Der 9. November ist übrigens auch der Todestag von Holger Meins (diesmal der einundfünfzigste). Soll man sich wünschen, daß ein Teil der Häme, die einer seiner Freunde dafür ertragen muß, daß er auf Facebook daran erinnert, auf die Hämischen zurückfällt? Vielleicht lieber nicht.


Eine Antwort auf „(periphere Notate): Jessica Jones trägt wieder Glatze“

  1. „Majdan-Putsch-Mittäter“

    Vielen Dank, das ist sachlich und rechnerisch völlig korrekt.

    Das EU-Parlament im Dezember 2012:

    „Das EU-Parlament erklärte sich in einer Resolution vom 13. Dezember 2012 besorgt über eine ‚zunehmende nationalistische Stimmung in der Ukraine‘, die im Wahlerfolg der Swoboda zum Ausdruck gekommen sei. ‚Rassistische, antisemitische und ausländerfeindliche Auffassungen‘ ständen im Widerspruch zu den Grundwerten der EU. Das Parlament appellierte an die ‚demokratisch gesinnten Parteien in der Werchowna Rada‘, sich nicht mit Swoboda zu assoziieren, die Partei nicht zu unterstützen und keine Koalitionen mit ihr zu bilden.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Allukrainische_Vereinigung_%E2%80%9ESwoboda%E2%80%9C#Einordnung_von_au.C3.9Fen

    Parteichef der Swoboda, bis 2004 unter der SS-Wolfsangel, war Oleh Tjahnybok. Tjahnybok 2004:

    „Ihr seid ukrainische Nationalisten, ukrainische Patrioten! Ihr müsst die Helden werden, die heute die Erde unter unseren Füßen verteidigen! Sie hängten sich Gewehre um den Hals und gingen in die Wälder. Sie kämpften gegen Russen, gegen die Deutschen, gegen Judenschweine und sonstiges Gesindel, welches uns den ukrainischen Staat wegnehmen wollte! Man muss endlich die Ukraine den Ukrainern geben!“

    Steinmeier und Tjahnybok:

    „Nur einen Tag vor dem Putsch empfing [Steinmeier] den Swoboda-Führer und berüchtigten Anti-Semiten Oleh Tjahnybok in der deutschen Botschaft in Kiew. Swoboda unterhält nicht nur enge Verbindungen zur deutschen NPD, sondern verehrt ukrainische Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch, die am Massenmord an den ukrainischen Juden beteiligt waren.“

    https://www.wsws.org/de/articles/2014/09/30/stei-s30.html

    Steinmeier zu Corona-Demonstrationen:

    „Wer sich über die Corona-Maßnahmen ärgert oder ihre Notwendigkeit anzweifelt, kann und darf dagegen demonstrieren. Mein Verständnis endet aber dort, wo Demonstranten sich vor den Karren von Demokratiefeinden und politischen Hetzern spannen lassen. Wer auf den Straßen den Schulterschluss mit Rechtsextremisten sucht, aber auch wer nur gleichgültig neben Neonazis, Fremdenfeinden und Antisemiten herläuft, wer sich nicht eindeutig und aktiv abgrenzt, macht sich mit ihnen gemein.“

    https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Downloads/DE/Reden/2020/08/200831-Statement-Polizisten-Gespraech.pdf?__blob=publicationFile&v=2

    Case closed.

    Nachtrag: Irgendwer nannte FWS mit Bezug auf Murat Kurnaz mal „Frank-Folter Steinmeier“. Diese Formulierung mache ich mir natürlich nicht zu eigen.

    Zu „tun, was getan werden muss“ fallen mir immer Jello Biafra und D.O.A. und ihr „Full Metal Jackoff“ ein (mit Bezug auf Iran-Contra und Oliver North):

    „Ollie for President, he’ll get things done! Ollie for President, he’ll get things done!“

    Im Hintergrund skandiert die Band: „Embrace the red, white and blue Reich“.

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