Kurt Hiller ist kaum noch einem Insassen des deutschen „Literaturbetriebs“ ein Begriff. Ein Wunder ist das nicht: Der vor 140 Jahren geborene und 1972 verstorbene Großgeist und furorisch „Engagierte“ hinterließ neben zahllosen vergessenen Beiträgen in „PAN“, „Sturm“ und Pfemferts „Aktion“ ein paar Gedichtbändchen, die als expressionistisch gedeutet wurden (er selbst behauptete viel später, nie Expressionist gewesen zu sein), sowie einige Essays, die aufgrund ihrer blühenden, blumigen Sprache, ihres funkelnden Esprits und ihrer Alltagsgelehrtheit heute niemand mehr versteht. So einer muß vergessen werden in der Zeit der trampelnden Trampel, mit deren Dung deutsche „Publikumsverlage“ heutzutage die zu einer Art Kapellen der kriegstüchtigen Woke-Dumpfheit umgewidmeten „Buchhandlungen“ vollschütten, im Monatstakt.

Hiller war aber auch Kommunist beziehungsweise nach Tageslaune Sozialist, radikaler (wirklich radikaler!) Pazifist, Mitbegründer der ersten deutschen Bewegung zur Befreiung der Homosexuellen, und er war Jude. Und er hat mit keinem dieser „Aspekte“ auch nur sekundenweise hinter dem Berg gehalten, sondern – siehe oben – sich flammend engagiert und blitzgescheite Kampfschriften verfaßt, die bisweilen unter seinem literarischen Genie litten, weil das Geschwurbel für den Mann und die Frau der Faust halt schwer zu lesen war.

Außerdem war er, sagen wir mal, „charakterlich“ das exakte Gegenteil des unlängst ermordeten Charlie Kirk: Niemals hätte sich ein Hiller mit Volltrotteln (egal welcher Coleur) auf eine Bühne gesetzt und diskutiert, „prove me wrong“ oder so. Er wußte immer, daß er recht hatte, und manchmal hat er sich da getäuscht. Und deswegen hatte er zeitlebens zehnmal mehr Feinde im eigenen Lager als Freunde und sowieso Feinde im „gegnerischen“ Lager. Das ist leicht zu verstehen, wenn einem seine Anliegen wirklich anliegen, also am Herzen, von wo man sie nur unter größten Schmerzen wegschneiden kann.

Aber ein bisserl Kirk war da schon auch drin: Als er 1938 vor den Nazis nach Prag fliehen mußte, verfaßte er dort mit Otto Straßer die „Prager Erklärung“, ein Manifest „gegen den deutschen Faschismus“. Leider war Straßer halt der Bruder des 1934 von einem Dachauer KZ-Kommandanten im Berliner Prinz-Albrecht-Palais ermordeten Gregor Straßer, des Säulenheiligen der bis heute virulenten „Es war nicht alles schlecht an Nazi“-Fraktion, von anderen „linker Flügel der NSDAP“ genannt. Hiller hielt zeit seines Lebens viel von Straßer (Otto), dem er genuine Einsicht attestierte; darüber mag man angesichts Straßers Nachkriegswirken streiten, aber man kann’s ihm auch lassen, wir haben ihn ja nicht gekannt.

Wie auch immer: Hiller ist weitgehend vergessen. Wer heute einen beliebigen vierzehn- bis vierundsechzigjährigen Deutschen fragt, wer das gewesen sein könnte, wird wenig mehr als ein Schulterzucken erfahren. Mal wieder zu lesen empfehle ich indes seine „Thesen zur Judenfrage“ von 1948, die selbstverständlich durch und durch geprägt sind vom Geist ihrer und der (damals wie heute eben nicht) vergangenen Zeit. Zentral erscheint mir hier ein Gedanke, der damals (vor der Gründung des Staats Israel) höchst aktuell war und heute aber wie eine Chimaire erscheint: „Wie heftig sich die Extremgruppe des jüdischen Nationalismus in ihren Methoden dem Nazismus assimiliert hat, ist seit etlichen Jahren Weltgespräch. Der Hakensternler ist dem Hakenkreuzler verwandter als einem Spinoza oder Mendelssohn, einem Bergson oder Karl Kraus. Nicht deren Nachfahren und Schüler sind dem ‚Arier‘ assimiliert, aber die nationalistischen Attentäter in Zion sind es … und übrigens der übelsten Gattung ‚Arier‘, dem Typus Rollkommando.“

Man mag darüber denken, wie man mag. Hiller war ein Irrlicht und ein großer Geist, und gelegentlich über die Gedanken großer Geister nachzudenken, das kann nicht schaden, selbst in dem sicheren Wissen, daß es nichts, aber auch wirklich gar nichts bewirkt und die „Welt“ sich seitdem so grundlegend verändert hat, daß es gar nichts bewirken kann. Oder kann es das doch, nach achtzig Jahren Elendsdilemma? Ich meine: nein. Prove me wrong.

Ach, Hiller hatte übrigens auch ein Faible für Mussolini. Wir hätten uns nicht gemocht, fürchte ich. 1927 behauptete er dies: „Der Fascismus hat immerhin Wein im Blut, der deutsche Republikanismus Bier.“ Darüber muß ich länger sinnieren, weil mir Wein höchstens eine sehr sporadische Tisch-und-Bettgenossin ist und ich beim Blut ausnahmsweise streng dem Szientismus anhänge, also nicht überzeugt bin, daß sich darin Republikanismus, Faschismus oder eine Nationalität nachweisen läßt.

Ein sehr lieber Freund berichtete vor einiger Zeit von der Einweihung eines Platzes oder einer Straße (wen schert’s?) in einem neubetonierten Münchner Stadtteil, benannt (das Ding, nicht der Stadtteil) nach jemandem, der Jude gewesen und deshalb ehrenswert sei. Die Recherche des Freundes ergab, daß der Mann zudem noch Mitglied der zunächst als „Freikorps“ firmierenden Nazibande „Brigade Epp“ unter dem Kommando des Franz Ritter von Epp, war, die im Frühjahr 1919 an der Zusammenschießung der Münchner Räterepublik maßgeblich beteiligt war und der unter anderem Rudolf Heß, Ernst Röhm und Hans Frank angehörten. Der für die „Ehrung“ zuständige „Historiker“ hatte auf diesen Hinweis hin „plötzlich anderes zu tun“ und brach das Gespräch ab.

Was wiederum uns unseligen Geistern die Idee einflößte, bei der Stadt München einen Antrag zu stellen, eine Straße oder einen Platz (am besten in einem neuen Betonviertel) nach Ernst Röhm zu benennen, dem Gründer der SA. Dessen historische Ehrbarkeit ist schließlich hinlänglich belegt: Er war schwul, wurde auf Hitlers Geheiß und in einem Schwung mit Gregor Straßer ermordet (war also Nazigegner, obwohl Nazi), und seine SA lieferte das perfekte Abzieh-Vorbild für die heutige „Antifa“, inklusive finanzieller Stopfung durch Staat und Regime. Was das „Blut“ angeht – da muß man wohl noch ein bisserl forschen; der Typ war schon seeehr kartoffelig deutsch und unsemitisch; aber wer weiß. Ich weiß: Das alles ist sehr polemisch, aber was sind das für Zeiten? Say it loud: „Kiesehitlers Kampf für den Weltfrieden!“

Es wird noch komplizierter: Neben Rudolf Heß soll (!) auch Otto Straßer der „Brigade Epp“ angehört haben. Und nachdem Kurt Hiller von den Nazis verhaftet und in drei Konzentrationslagern brutal mißhandelt wurde, kam er 1934 durch eine Fürsprache von Rudolf Heß frei und konnte nach Prag fliehen. Vielleicht versucht mal jemand, diese ganze Geschichte (und viele andere) zum Beispiel einer blöden Schnellbabbel-Kreischgöre wie Heidi Reichinnek zu verklickern, die glaubt, das Problem an NSDAP und SA sei nicht (auch) die Methode, sondern nur die Richtung gewesen?

Knapp fünf Jahre nachdem die hochgiftigen und ansonsten vollkommen nutzlosen modRNA-Spritzen mit einer historisch einmalig kriminellen Kampagne auf den „Markt“ gedrückt und in Millionen Menschenkörper hineingepumpt wurden, fordern wieder einmal hunderte Mediziner und Wissenschaftler – detailliert begründet – ein sofortiges „Moratorium“, also ein vorläufiges Verbot der schädlichen bis tödlichen Schmutzbrühen. Das ist selbstverständlich berechtigt, andererseits ist der Aufruf etwas ungeschickt formuliert; da heißt es: „bis das klinische Nutzen-Risiko-Verhältnis transparent geklärt ist“. Dies könnte den Verdacht nahelegen, das Dreckszeug werde wieder zugelassen, sobald erneut bewiesen ist, daß dessen Spritzung keinerlei Nutzen, aber ein unzumutbares Risiko bringt.

Und dann ist es ja offenbar und Gott sei Dank auch so, daß das verzweifelte Reklamegetrommel des Regimes und seiner Propagandamedien nicht mehr viel hilft: Wer sich diesen Herbst noch einmal die halbjährliche Dosis „Comirnaty“ oder so in die Venen (und damit vom Gehirn übers Herz bis in die Hoden in jedes Organ) einspritzen läßt, dem ist auch mit einem endgültigen Verbot nicht mehr zu helfen. Der holt sich das Zeug notfalls auf dem Schwarzmarkt im Hauptbahnhofuntergeschoß. (Auch dies noch mal zur Erinnerung: Vor vier Jahren war die Behauptung, das alles sei nicht mit „nur einem Pieks“ und auch nicht mit zwei oder drei oder vier oder acht vorbei, sondern werde zur allhalbjährlichen Geldmelkkuh, die schlimmste „Verschwörungstheorie“, die man überhaupt äußern konnte. Hi hi und hi.)

Das „öffentlich-rechtliche“ Regimefernsehen läßt einen seiner stündlich ausgestrahlten „Krimis“ mit folgender Beschreibung bewerben: „Auf einmal ist die Fantasie vom Blutbad Wirklichkeit – Der 17jährige Jeremy (Mikke Rasch) kommt mit Waffen in die Schule, am Ende wird er drei Lehrkräfte und zwei junge Menschen erschossen haben. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) ist vor Ort, als der Junge Teile der Schule in Geiselhaft nimmt. Schnell wird klar, daß er von den üblichen Verschwörungsmythen beeinflußt ist. Er glaubt offenbar an die Machtübernahme durch Reptiloide, bei ihm zu Hause im Bücherregal findet sich die übliche rechtsextreme Literatur.“ Ich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal vom Lesen eines solchen Bullshits tatsächlich schlecht geworden ist; es war wohl im Studium, und damals waren das Zeitungen wie „Der Stürmer“.

Interessant an der schwachsinnigen Reklame für einen (mutmaßlich) schwachsinnigen Propagandafilm finde ich indes die zweimalige Verwendung der Vokabel „üblich“. Es gibt also „übliche Verschwörungsmythen“ über „Reptiloide“, und zu diesem „Thema“ eine „übliche“ „rechtsextreme Literatur“? Meine Vermutung ist diese: Mit diesem Abgetue soll jegliche Diskussion über die vollkommene Idiotie solcher Behauptungen endgültig abgedreht werden. Was einer gewissen historischen Logik folgt: Wer hätte 1938 schon bezweifelt, daß „die übliche jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ hinter jeder – auch zwecks „Unterhaltung“ frei erfundenen – Gewalttat steckt?

Man muß sich allerdings immer wieder auch daran erinnern: Menschen, die ihr Leben ausschließlich im Büro, in Freizeiteinrichtungen und vor der Staatsglotze verbringen, lassen sich von so einem Scheißdreck nach wie vor „framen“. Daß der (sorry) „aufgewachte“ Teil der deutschen Bevölkerung davon seit Jahren nichts mehr mitkriegt, ändert daran nichts. Ich erinnere mich, daß ich am 2. Januar vor acht oder neun oder zehn Jahren den Fernseher (zum letzten Mal) eingeschaltet habe, weil eine liebe Freundin einen „Tatort“ anschauen wollte. Nach etwa zehn Minuten haben wir uns angeschaut und festgestellt, daß das, was da gezeigt wurde, so dumm, idiotisch, schlecht, blöd und unerträglich war, daß wir den Kasten (für immer) ausgeschaltet und uns lieber über Baumhoroskope und Kräuter unterhalten haben.

Daß die Welt seitdem noch blöder geworden ist, mag ich nicht recht einsehen. Tue ich aber, hin und wieder, wenn sie sich meldet (die „Welt“).

Eine Maß Bier kostet auf dem heurigen Oktoberfest umgerechnet etwa vierzig bis fünfundfünfzig oder sechzig Mark. Fast bin ich ein bisserl froh, daß meine Oma das nicht mehr erleben muß. Auch das ist mal wieder Anlaß für den wiederholten Gedanken: Wie schön, daß wir die gute Zeit noch erlebt haben.

Immer wieder erstaunlich finde ich den ungeheuren Drang, den so viele Menschen zur Zeit dieser Veranstaltung empfinden, sich öffentlich (also auf den Straßen und in „sozialen Medien“) ostentativ und offensiv als Volltrottel („lustig“) zu präsentieren, um direkt danach wieder superernsthaft „die Wissenschaft“ zu beschwören und sich aufgrund exzessiv-kursorischer Lektüre von Regimepropaganda für „aufgeklärte Staatsbürger“ zu halten.

Wer in seinem Wunsch nach dem Ende des Kriegs oder wenigstens einer Verhinderung von dessen weiterer Eskalation durch NATO und EU auf die AfD setzt, sollte sich nicht zu viel erhoffen. Einer der „Sieger“ der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen ist der zweiundzwanzigjährige AfD-Mann Tim Schramm aus Wuppertal, dessen pathologisch-rassistischer Russenhaß dem von Kiesehitler, KallasBaerbock, Whatafool, Leyen und der ganzen Herrschaftsbagage nicht nachsteht. Im Gegenteil: Der stramme Pursche verpflichtete sich sogar freiwillig als Söldner, um Russen töten zu dürfen und hetzt nun wie ein Rohrspatz gegen „Russenstusser“ in der eigenen Partei. Es wird vermutet, daß seine Einschleusung in die und sein Verbleib in der AfD (trotz Parteiausschlußverfahren) Teil einer Geheimdienstoperation sind, um die AfD sozusagen „umzudrehen“ und auf Kriegskurs zu bringen. Ganz abwegig ist das nicht, wenn man bedenkt, daß Regime- und Propagandamedien zu der Causa weitgehend schweigen.

Andererseits ist freilich auch denkbar, daß ihn seine Kameraden von der Nazipartei „Der III. Weg“, die dort an der Ostfront auch gerne als Söldner tätig sind, sozusagen „umgedreht“ und auf ihre Linie gebracht haben, die weitestgehend der Linie der deutschen und EUropäischen Herrscher entspricht.

Ich hege die Idee, einen Arbeitskreis „Anarchisten in der AfD“ zu gründen. Argument: Wenn’s gelingt – gut; wenn’s nicht gelingt – eigentlich noch besser. Allerdings müßte ich dazu zum ersten Mal in meinem Leben in eine Partei eintreten, und das ist mir doch zu sehr zuwider.

„‚Race‘ is a social construct that I want to break out of.“ Wer hat’s gesagt? (Was ohne das „I“ eigentlich egal wäre und ist.)

Würde sagen, „‚Race‘ is a social construct that I want to break out of.“ bzw. sehr ähnliche Formulierungen werden oft Charlie Kirk *zugeschrieben*, aber solange ich keine überprüfbare Quellenangabe dafür sehe, bleibe ich bei „zugeschrieben“ anstatt „gesagt“.
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„The trouble with quotes on the web is that you can never know
if they are genuine.“ — Albert Einstein (1879-1955)
Der Ausschnitt, auf den ich mich beziehe, findet sich bei „Gio unzensiert“: https://www.youtube.com/watch?v=pKY6nUcR46s (ab Minute 15:35).
„seine SA lieferte das perfekte Abzieh-Vorbild für die heutige „Antifa“, inklusive finanzieller Stopfung durch Staat und Regime“ – Dass die Antifa bereits Konzentrationslager errichtet hat, ist mir neu. Aber ein staatliches Salär nähme ich gerne entgegen.
ein staatliches Salär nähme er gerne entgegen… aha. Sehr erfolgreich bepflügst Du diesen Acker des wackeren Antifaschismus nicht, wenn Du als nicht förderungswürdig eingestuft wirst. Selbst die Omas gegen Rechts kassieren ab. Als das höchste Gut des Gutmenschen sollte doch das Gutmenschentum gelten, oder?