(periphere Notate): Der Mensch hat hier nichts verloren!

Daß immer mehr Menschen in der Welt „fremdeln“, unsicher wirken, sich unbeholfen bewegen und dabei sichtlich unwohl fühlen, fällt mir seit längerer Zeit auf, seit den „Corona“-Verbrechen jedoch in enorm gesteigertem Ausmaß. Sie wirken wie jemand, dem man ein elektrisches Gerät in die Hand drückt, von dem er nicht weiß, wie man es bedient und wozu es gut sein soll, nur daß es sehr empfindlich ist und gefährlich sein könnte. Zugleich scheinen sie von dem nicht zu heilenden Verdacht befallen, sie hätten Hundescheiße an den Schuhen, das Hosentürl offen, die Perücke verkehrt herum auf und einen Batzen Tomatensauce auf dem Hemd und müßten sich dafür vor der gesamten Weltöffentlichkeit schämen.

Ob das die kriminellen Einsperrungsmaßnahmen („Lockdown“) bewirkt haben, denen sie sich frag- und klaglos unterworfen haben wie hirnlose Roboterameisensoldaten, ist schwer zu sagen. Vielleicht sitzen die Ursachen viel tiefer. Ich erinnere mich – ich weiß nicht mehr, wo, wann und wer das war – an eine Dame in einem chinesischen Restaurant, die den ganzen Abend vor einem vollen Teller saß und nichts von dem, was darauf lag, anrührte. Als der Teller abgeräumt war, hörte ich sie zu ihrem Begleiter sagen, sie habe nicht gewußt, „wie man das ißt“. Und ich (damals vielleicht zehn Jahre alt) fragte mich in höchstem Erstaunen, fast bestürzt, wie man irgend etwas denn anders essen solle oder könne als indem man es in den Mund steckt, kaut und schluckt.

Fünf Jahre zuvor allerdings hatten wir im Kindergarten zwei oder drei Nachmittage damit zugebracht, zu lernen, wie man als Bub einen anständigen Diener und als Mädchen einen Knicks macht. Das war wichtig, weil wir bald in die Schule kamen. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, auch nur ein einziges Mal einen Diener gemacht zu haben. Wenn ich in der zweiten oder dritten Klasse mit meinem Freund, dem Griechen Antonios, durchs Schulhaus streifte und wir zufällig dem Direktor begegneten, machten wir einen Knicks. Der Direktor sagte dann halblaut etwas mit „Hundskrüppel“ und „Rotzlöffel“, was wir als Erfolg verbuchten und kichernd davonrannten.

Vielleicht lernt man (auch) auf diese Weise, mit der Welt umzugehen oder vielmehr in ihr als Teil der Welt zu leben, wie man eben lebt und ist. Vielleicht kommt die Unbeholfenheit, das „Fremdeln“ vieler Menschen daher, daß sie hauptsächlich in der Scheinwelt digitaler und televisueller Phantasmen zu existieren (zu glauben) sich angewöhnt haben. Vielleicht ist das die Folge der seltsamen Gewohnheit, selbst bei schönem Wetter einen Großteil des Tages „indoor“ zu verbringen und nur dann „open air“ zu sein, wenn es Eintritt kostet. Vielleicht werden die Menschen von ihren Dompteuren und Herrschern deshalb mit „Hitzewarnungen“, „Pandemien“ und anderem Klimbim immer mehr darauf gedrillt, ja nicht hinauszugehen, wo alles gefährlich ist. Ich hege den Verdacht, daß sich ein großer Teil der Deutschen noch nie außerhalb der eigenen Wohnzelle vollständig entkleidet hat. Manche wohl nicht mal innerhalb, zumindest nicht bei Licht.

Hat man sich diesen Blödsinn erst einmal abgewöhnt, fällt es enorm schwer, sich den „Konventionen“ der anderen auch nur anzunähern. Den wärmsten und (nicht deshalb) schlimmsten Tag dieses Jahres verbrachte ich damit, von neun Uhr vormittags bis acht Uhr abends in verspäteten Eisenbahnzügen und auf grauenvoll lebensfeindlichen Bahnsteigen herumzusitzen, in einer vollkommen menschen- und lebensfeindlichen Umgebung also, an der sogar die Tauben und Krähen offensichtlich krank geworden waren. Ich konnte ahnen, wie man sich an so etwas gewöhnt, in einer Art von induktivem Fatalismus, und automatisch beginnt, das Leben auf „später mal“ zu verschieben, und zugleich wehrte sich jede Faser in mir dagegen.

Ich erinnere mich an eine Zugfahrt nach Franken, es mag 2001 oder 2003 gewesen sein, als das Zugfahren noch eine wesentlich entspanntere und verläßlichere Sache war. Auch damals hatte ich jedoch einen Tag erwischt, der sehr sonnig und warm war, rannte in Forchheim aus dem idyllisch-altmodischen Bahnhof hinaus und legte mich ohne weiteres in die Wiese davor, was die wenigen vorbeikommenden Einheimischen – ihren Blicken nach zu urteilen – als eine Art Zusammenbruch deuteten, sich aber zum Glück nicht einzumischen trauten. Ich wollte nur den Himmel sehen und die Erde spüren. Ich trage im Sommer übrigens selten Schuhe.

Das sind alles subjektive, höchst individuelle Empfindungen und Eindrücke. Wahrscheinlich sollte man dazusagen, daß ich vor vielen Jahren mal eine sogenannte „Festanstellung“ in einem Lager am Münchner Hauptbahnhof hatte und mich dort an das Gewöhnen gewöhnte. Es gab kein Fenster, nur zwei Luken am hohen Dach, in denen man durch ein silbrig glänzendes Aluminiumgitter ein winziges Stück Blau sehen konnte. Meine Reaktion darauf war, den Arbeitsbeginn immer weiter vorzuverlegen, auf Pausen zu verzichten und am späten Mittag zum Schwabinger Bach oder an die Isar zu fliehen, wo ich das Gefühl hatte, mit dem Boden und dem Wasser förmlich zu verwachsen beziehungsweise mich aufzulösen. Der einzige Grund, weshalb ich es dort aushielt, waren sehr liebe Kolleginnen, von denen mir die liebste nach eineinhalb Jahren empfahl, nein: befahl, zu kündigen und ein Studium zu beginnen. Weil ich sonst sterben würde. Ich sollte mich doch mal im Spiegel anschauen (dort sah ich so wenig wie die Hauptfigur in Niels Fredrik Dahls recht lesenswertem Roman „Auf dem Weg zu einem Freund“).

Von Kommilitonen sowieso argwöhnisch beobachtet, weil ich viel zu viele Seminare belegte, bei schlechtem Wetter vollkommen fachfremde, teils „esoterische“ Vorlesungen (Runenkunde bei Professor Elmar Seebold!) besuchte, an schönen Tagen aber lieber mit einem Stapel Bücher am Bach herumlag oder sie zu fünf Maß Bier am Turm verschlang, als in Räumen zu sitzen, wurde ich des öfteren gefragt, was ich mit meiner seltsamen Auswahl an „Schwerpunkten“ (die es gar nicht gab, die „Auswahl“ folgte Lust, Laune und meiner angeborenen Abneigung gegen „Mainstream“-„Themen“) eigentlich mal arbeiten wolle, und noch argwöhnischer betrachtet, wenn ich antwortete, ich studierte, um nicht arbeiten zu müssen. Was allerdings teilweise gelogen war: Ich arbeitete ja weiterhin, an Wochenenden und Feiertagen. Eine Wohnung mußte abbezahlt werden, und obwohl es am nördlichen Münchner Stadtrand gute Möglichkeiten gab, sich ohne Supermarkt zu ernähren, mußte ein solcher doch hin und wieder aufgesucht werden.

Warum mir das alles ausgerechnet heute einfällt und wozu ich es erzähle, weiß ich nicht. Vielleicht war es die Frau, der ich heute am See dabei zusah, wie sie sich etwa eine halbe Stunde lang sehr umständlich auf den Vorgang des Badens vorbereitete, dann das Wasser doch unattraktiv fand, noch etwa zehn Minuten lang versuchte, eine Illustrierte zu lesen, dabei jedoch von einer Wespe und zwei Enten gestört wurde, eilig zusammenpackte und davoneilte und diesen Versuch des „Sommergenusses“ wahrscheinlich nie mehr wiederholen wird. Für das, was ich empfand, ist Mitleid vielleicht nicht das richtige Wort. Vielleicht aber doch.

Bei der Betrachtung einer Art Firmenfeier an insgesamt fünf Biergartentischen, wo wie üblich Männer damit auftrumpfen, sehr laut Urlaubsziele zu empfehlen, Handys vorzuzeigen und zu beweisen, aus wie vielen Sportarten sie die Namen einzelner Protagonisten aufzählen können, während die Frauen sich langsam an einem Tisch sammeln, leiser sprechen und besorgt wirken, teilweise sehr früh aufbrechen (ein Gewitter zieht auf, als die ersten Zigarren mißbraucht werden), gerate ich langsam in eine gewisse Unsicherheit hinein: Wenn alles, was die und alle anderen da und anderswo treiben, falsch erscheint, ist vielleicht doch der Schein des Scheins falsch und lebe womöglich ich in einer Scheinwelt neben der wirklichen, durch die Gestalten wie diese hindurchgeschleust werden?

Dazu fällt mir allerdings ein Satz von Herbert Wehner ein, den er Ende der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts anläßlich eines Besuchs beim Vorstand der Jungsozialisten geäußert haben soll: „Wollt ihr immer nur wichsen, oder wollt ihr auch mal ficken?“ Bei den unübersehbar falsch brüllachenden NPCs, die man mir da vorsetzt, fällt das wohl in eins zusammen, ohne daß sie es je merken werden.

Der deutsche „Führer“ Fritz Merz soll den russischen Präsidenten Putin den „vielleicht schwersten Kriegsverbrecher unserer Zeit“ genannt haben, hört man. Hat der kriminelle Trottel seinen vermeintlichen Kollegen gewogen? Oder hatte sein Idiotenkabinett von Redenschreibern mal wieder einen „Fun Day“ und sich gedacht: „Den würgen wir ihm noch rein, der merkt eh nichts!“?

Ich würde mal – ganz quellenfrei – vermuten, daß Putin kaum schwerer wiegt (in Kilogramm) als Merz. Eine vergleichende Gehirnzellenzählung ist aus diversen Gründen leider ausgeschlossen. Fraglich bleibt aber sowieso, ob das Weltkriegsgeplärr des deutschen Bundeskampflers nach irgendwelchen wissenschaftlichen Kriterien zu messen und beurteilen wäre. Realistischer ist die Vermutung, daß er ebenso wie Pistolerius, Kiesehitler, Strackula, Lallerbach, Ursula von der Lügen und den weiteren üblichen tatverdächtigen Tätern einfach nur ein absoluter Depp ist, um den man sich einfach nicht kümmern sollte. Das ist ja das Interessante an derlei Funktionshampeln: Sobald man sie ignoriert, existieren sie nicht mehr. Siehe Habbels: Der darf sich jetzt irgendwo in dortwo zu Tode saufen und für einen „Gelehrten“ halten. Während ihn sich laut Propaganda mindestens fünfhundert Prozent der deutschen Volksgenossinnen (nur diese, angeblich) „zurückwünschen“.

Der diesbezügliche Vergleich mit seinem Vorgänger, dem die Geschichte mit dem „Bündniskanzler“ dann ja auch gelang, ist sicher unfair, allen dreien gegenüber. Was aber nicht heißt, daß „wir“ den Brabbels tatsächlich loswären. Ich prophezeie: Der probiert’s noch mal, aus dem Off (sozusagen), vielleicht als Bundespräsident oder Weltführer. Oder irgendwas noch Schlimmeres.


2 Antworten auf „(periphere Notate): Der Mensch hat hier nichts verloren!“

  1. es hat mir freilich gefallen, die von dir beschriebenen Kreaturen zu provozieren. Allerdings hatte ich diesen Drang in meiner Italienzeit nicht und in Russland schon gleich gar nicht. Ich habe Gnus nie leiden können. Ich habe zwar nie eins kennengelernt, doch die schauen halt blöde, auch diese deutschen Gnus. So saß ich in Baden-Baden in meinem Stammcafe draußen, spärlich gekleidet – mit einem alten Bettuch um die Lenden gewickelt, barfuß – und vertrank da den Gegenwert meines zweiten und dritten Einfamilienhauses. Und es kamen die in Bussen angekarrten Touristen dort vorbei. Der größte Spaß war, als ich eine Sommersaison lang ein Schild vor mich hinstellte und eine große Schüssel. Auf dem Schild stand: „einmal Glotzen 10.-€“ Und ich hatte selber 30.-€ in die Schüssel getan, als Initialzündung. Was mir grad ein Lächeln hervorruft, einmal hat eine vorbeigehende Frau schallend losgelacht. Das war wohl kein Gnu. Daß der Habeck sich nochmal raustraut, glaube ich indes nicht. Vielmehr vermute ich, daß er die Irlmaier-Prophezeiungen zugesteckt bekam…. Gruss aus der Taiga

  2. Las grad erfrischend bis ca..
    “ … NPCs, die man mir da vorsetzt, fällt das wohl in eins zusammen, ohne daß sie es je merken werden.“
    Dann Putin, Merz, Kilogramm u.so. Und dann „rant“-elte es seltsam gestelzt los – tja – aber feiner Einstieg, bis dahin!
    ;*)

Die Kommentare sind geschlossen.