(periphere Notate): Die Nackten und die Blöden

Es ist eine seltsame Erfahrung, sich leerzuschreiben. Das bedeutet nicht, daß man so lange schreibt, bis nichts mehr zu schreiben und das Hirn ein Hohlraum ist. Es ist eher so wie bei einem Rad, das leerläuft: Es wird immer schneller, ohne etwas zu finden, woran es sich sozusagen festfahren könnte.

Das passiert, wenn man die Aufmerksamkeit auf bestimmte „Themen“ richtet und versucht, ihnen reflektierend gerecht zu werden und sie zugleich zu „durchdringen“, bis man sie versteht. Letzteres kann gelingen. Das, was man dabei versteht, geht deswegen aber nicht weg, sondern es läuft weiter leer wie das erwähnte Rad, und es wird immer schneller – oder scheint zumindest immer schneller zu werden, was auch an der stetig gesteigerten Aufmerksamkeit liegen mag.

Was wir in den letzten zwei Jahren im Rahmen der „Corona“-Kampagne an öffentlich (und offiziös) geäußerten Lügen, Folgelügen, Falschdarstellungen, dummen Mythen, Mißverständnissen, Ausblendungen, Verirrungen, Verleumdungen, Hetze und schierer Blödheit erdulden mußten, hat jedes zuvor bekannte Maß und – obwohl es nicht aus dem Nichts kam, sondern auf bekannten Mechanismen aufbaute – jeden vertrauten Rahmen vollständig gesprengt. Der Krieg in der Ukraine sattelt darauf nun sozusagen auf und erreicht ein noch schwindelerregenderes Niveau in einem Bruchteil der Zeit. Wer versucht, das alles auch nur zu protokollieren, wird erleben, wie er sich leerschreibt. Man kommt schlicht und einfach nicht mehr mit.

Aus Kriegen kennt man das: Sie bestehen – neben der Tötung von Menschen und der Zerstörung dessen, was man beschönigend „Infrastruktur“ nennt – aus Lügen, Märchen und Inszenierung. Schon die ersten Begründungen sind so gut wie immer falsch. Zum Beispiel genügt es, ein Fläschchen mit weißem Pulver vor eine Kamera zu halten und ein gefälschtes, unscharfes Bild von „Anlagen“ vorzuzeigen, um aufgrund dessen ein Land zu zerbomben und eine Million Menschen umzubringen. So geschehen im März 2003, als die USA, Großbritannien und eine in der Weltgeschichte nie dagewesene Veranstaltung namens „Koalition der Willigen“ einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak begannen, der am 1. Mai 2003 für beendet erklärt wurde und danach in einen Bürger- und Terrorkrieg überging, der im Grunde bis heute andauert und eigentlich schon viel früher begann.

Die „Brutkastenlüge“, die im Januar 1991 als Vorwand für den Angriff der USA und einiger Verbündeter auf den Irak (der zuvor Kuwait besetzt hatte) diente, findet einen modernen Wiedergänger in der „Geburtskliniklüge“. Der zufolge soll russisches Militär am 9. oder 10. März ein solches Haus voller wehrloser Gebärender in Mariupol bombardiert haben, weshalb die gleichen gattungsspezifischen Urinstinkte ansprangen wie damals angesichts des frei erfundenen Mordes an Säuglingen. Und die Geschichte ist ebenso wie diese eine Lüge – also nicht etwa ein Mißverständnis oder eine versehentliche Fehlinterpretation, sondern die absichtliche Weitergabe einer dreist inszenierten, leicht durchschaubaren Täuschung. Sie ist aber in den Köpfen nun mal drin, und wer die Geduld und Energie hat, jedem einzelnen, der erzählt, daß „die Russen wehrlose Frauen bombardieren“, das ganze widerwärtige Manöver zu erläutern, der sollte auf Kraftwerk umschulen.

Es bleibt zu hoffen, daß das Photomodell, das für die Kampagne herhalten mußte, wenigstens anständig bezahlt worden ist, also anständig genug, um künftig auf idiotische Jobs mit nacktem Kunstbauch nicht mehr angewiesen zu sein.

Derweil schießen die Nazis von den Asow-Brigaden in Mariupol auf die Bewohner der Stadt und auf die Flüchtenden, die die Stadt über den verabredeten „Fluchtkorridor“ zu verlassen versuchen. Auch dies wird in den „westlichen“ Medien so umgedreht, daß man erfährt, „die Russen“ hätten die Stadt umzingelt (was wohl stimmt) und die Bewohner würden beschossen (von wem, wird nicht gesagt, das denkt man sich automatisch dazu).

Etwa 38.000 Flüchtlinge aus der Ukraine sollen inzwischen in Bayern eingetroffen sein. Laut BR handelt es sich „in der Mehrzahl“ (gemeint ist: Mehrheit) „um Frauen und Kinder“. Das wäre nachvollziehbar – schließlich hindert das ukrainische Regime männliche Menschen an der Ausreise, weil man die zum Schießen und zum Opfern auf dem Altar des Heldenmuts braucht. Es stimmt aber gar nicht: Den Zuständigen in vielen Landkreisen zufolge entsteigen den Bussen hauptsächlich Studenten aus afrikanischen Ländern wie Nigeria, aber auch aus Finnland.

Die tatsächlich auch angekommenen Kinder müssen selbstverständlich sofort in die Schule. Das ist aber nicht ganz leicht, weil es in Bayern kaum ukrainische Lehrer gibt. Nun sollen russische Lehrer den Unterricht übernehmen. Ob das ukrainische Regime deswegen Bayern zum feindlichen Verbündeten des bösen Aggressors ernennt, bleibt abzuwarten.

Und hier beginnt das Leerschreiben: Es ist einfach ein solches Ausmaß an Müll, das aus den Meldekanälen dringt, daß man es nicht bewältigen kann. Zumal der „andere“ Krieg ja im Schatten der Vorgänge in der Ukraine ebenfalls wieder aufflammt, indem der Tag naht, für den der deutsche Innenminister das Ende aller „Maßnahmen“ angekündigt hat.

Aufgrund dieses leichtfertigen Versprechens sieht sich der wahnsinnige Lockdownminister nun gezwungen, mal wieder an der zu Unrecht vergessenen Testschraube zu drehen und Inzidenzen herbeizuzwingen, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Weil ansonsten sein Konstrukt, das seit bald zwei Jahren an keinem legalen Faden mehr hängt, sondern nur noch mit den übelsten Manipulationen halbwegs aufrechtzuerhalten ist, vollends zusammenklappt. Und dann stünden die Befehlshaber von einer Minute auf die andere (am 20. März um 0 Uhr) ohne Befehlsgewalt da und müßten fürchten, vom berechtigten Zorn der zwei Jahre lang anlaßlos Entwürdigten und Entrechteten hinweggefegt zu werden.

Ein solcher Befehlshaber ist zum Beispiel der Herr Kretschmann aus Baden-Württemberg, der dort mit strenger Hand „sein“ Volk unterjocht. Selbst die zur Vertuschung der „Lockerungslüge“ vorgesehenen „Basisschutzmaßnahmen“ reichen dem Despoten nicht, weil er „damit viel zu wenige Instrumente zur Hand“ zu haben meint. „Die Pandemielage ist sehr volatil, die Zahlen steigen derzeit wieder“, blökt Kretschmann. „Deshalb halte ich es für grob fahrlässig, wenn die Bundesregierung ohne Not wirksame Instrumente für den Notfall aus der Hand gibt.“ Vor allem das Tragen von Masken bleibt Kretschmann zufolge „als sehr effektives Mittel zentral“, es werde aber „nach dem Entwurf massiv beschnitten“. „Das ist kein wirksamer Basiskatalog, sondern ein Rumpfgerüst“, blökt Kretschmann.

Klar: Der Mann hat Angst um seine liebgewonnene Despotenmacht. Weil seinem Volk dämmern könnte, daß anständige Politik weder mit „Rumpfgerüsten“ noch mit „Basiskatalogen“ das geringste zu tun haben kann. Und es ihn deswegen dahin stecken könnte, wo er hingehört.

Das neue Modewort „volatil“ ist mittlerweile dabei, „niedrigschwellig“ als Lieblingsblödvokabel im „Ziel ist es Komma“-Jargon der Sekte zu ersetzen. Auf deutsch bedeutet es nichts anderes als „statistisch schwankend“, also „mal mehr, mal weniger“. Klingt aber irgendwie gefährlicher, wie so eine moderne Supervirenwaffe.

„Stell dir alle Völker vor, die in Frieden miteinander leben würden“, übersetzt eine BR-Plappergosche anläßlich des Kitschbrimboriums zum „Tag der Terroropfer“ eine dort nicht gesungene, sondern nur gedudelte Textzeile von John Lennon. Ein Freudscher Übersetzungsfehler, möchte man meinen.

Die Österreicher haben ihre vorbildlich tapfere Zwangsspritzung noch vor Inkrafttreten wieder ausgesetzt – erst einmal für drei Monate. Vielleicht kann sich dann keiner mehr erinnern, was das war (und schon gar nicht protestieren), wenn es plötzlich doch wieder da ist. Deutschland ist derweil das einzige Land auf der ganzen Welt, das stur und ungebremst auf eine Zwangsspritzung zuläuft (oder „schlafwandelt“?). Man mag an den ersten Weltkrieg denken: Da erklärte Deutschland am 1. August 1914 Rußland den Krieg, um Österreich beizustehen. Allerdings bemerkte man erst am 6. August, daß Österreich offenbar in der Eile vergessen hatte, Rußland schon vorher den Krieg zu erklären (damit Deutschland seinem Bündnispartner überhaupt „beistehen“ konnte), und holte das eilends nach.

Ein paar Wochen später übrigens, am 18. November 1914, erklärte Kriegsminister Falkenhayn dem deutschen Kanzler Bethmann Hollweg, der Krieg sei nicht mehr zu gewinnen. Was danach geschah, kostete mindestens 17 Millionen Menschen ihr Leben und geschah nur, weil noch Waffen da waren beziehungsweise geliefert wurden.

Die Deutschen, meldet der „Spiegel“, „setzen am liebsten auf Wandel durch Handel“ und seien deshalb „erschüttert“ über „Putins Überfall“. Und der ehemalige Präsidentendarsteller Gauck röhrt in eine Fernsehkamera: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit.“

Stimmt, das haben wir noch nicht probiert. Weiter meint der debile Tattergreis (bei dem es sich womöglich wie bei der „Geburtskliniklüge“ um einen geschickt plazierten Darsteller handelt – oder mag sich jemand vorstellen, so einer sei tatsächlich mal Bundespräsident gewesen?): „Und wir können auch mal ein paar Jahre ertragen, daß wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.“

Das ist zu viel, sorry. Da bin ich wieder leergeschrieben. Wem dazu etwas Angemessenes einfällt, der behält es lieber für sich, weil das Internet auf solche Wahrheiten in letzter Zeit empfindlich reagiert.

Nachtrag (3. Mai 2022): Daß an dieser Darstellung der Vorgänge in der Geburtsklinik vieles falsch ist, wurde inzwischen weithin diskutiert. Ich lasse es dennoch stehen, weil auch Irrtümer und Fehldeutungen zur Geschichte gehören und nicht im nachhinein retuschiert werden sollten. Thomas Röper hat die Geschichte weiter verfolgt, und die Neulandrebellen haben ein Interview mit Marianna Vishemirskaya geführt (bei Röper verlinkt), das einiges, wenn auch nicht alles klärt.

4 Antworten auf „(periphere Notate): Die Nackten und die Blöden“

  1. Es ist die Ignoranz, die Leere in den Köpfen der Verantwortlichen, deren Hang zur absoluten Selbstschädigung, wenn nicht sogar Selbstzerstörung (und immer mitgedacht: Schädigung/Zerstörung der ihnen „Anvertrauten“, auf deren „Wohlergehen“ sie einen Amtseid geleistet haben), die einen so sprachlos und „leergeschrieben“ fühlen lassen…es ist niemals nicht die eigene innere Leere… 🙂

  2. Sowohl die Bilder der so ästhetisch und ohne Wunden verwundeten hübschen jungen Frau, als auch die Geschichte von den bösen Russen, die die Evakuierung von Mariupol verhindern, waren sofort als total groteske Fälschungen erkennbar. Ich habe mich mit meiner Mutter darüber unterhalten und sie war genau derselben Meinung, über die Bilder haben wir fast gelacht. Die Sache erinnert zu sehr an „Wag the dog“! Wirklich beängstigend scheint mir, daß Milliarden Menschen ein so gründlich gewaschenes Hirn haben, daß sie unfähig sind, eine schlechte Karikatur von der Wirklichkeit zu unterscheiden.

  3. gestern war das russische Fernsehen bei mir zu Gast in Lyubimovo. Leute aus Moskau. Es kam natürlich das Gespräch auf die jetzige Situation, das Embargo. Viele Russen, auch der, bei dem ich vorgestern das Holz für mein Blockhaus bestellte, sagen kopfschüttelnd, daß sie die Menschen im Westen nicht verstehen. Wenn jetzt die bestellten Werkzeuge und Maschinen nicht aus dem Westen kommen, verzögern sich manche Arbeiten um etwa ein halbes Jahr, doch dann hätten die Chinesen Ersatz geliefert und das war es dann auch für Europa… auf sehr lange Zeit. Wie blöde kann man sein….?? Der Fernsehfrau habe ich erklärt, daß mein Anliegen sei, friedensstiftend durch Kultur, in meinem Falle durch Musik, zu wirken. Ich bat um Nachsicht für die armen dummen Menschlein im Westen, die glauben, was ihnen die Medien auftischen. Weshalb nun allerdings selbst in meiner Familie die Leute den Dreck im Fernsehen mehr glauben als mir, das konnte ich leider auch nicht erklären. Mein Donezk-Bericht von 2016 hat mich etliche Freundschaften gekostet und überwiegend gleichgültiges Achselzucken hervorgerufen, nun brunzt man blau-gelb vor lauter medienorganisierter und -gelenkter Solidarität. Was steckt dahinter? Das wird noch spannend. Doch nun hat sich Deutschland auf eine Seite geschlagen und sich demzufolge schuldig gemacht.
    Den Bericht von meiner Donezk-Reise findet man in telgram: https://t.me/filmchenvonklaus

  4. OT, aber vielleicht trotzdem erlaubt:

    Ich habe mir mal überlegt, dass das „Impfen“ eine (frühe) Art des Transhumanismus darstellt. Soll das „Impfen“ nicht einen „verbesserten Menschen“ erzeugen? Soll der Mensch nach dem „Impfen“ nicht besser geschützt, „immuner“, angeblich weniger krank, weniger gefährdet sein? Soll der „geimpfte“ Mensch nicht einen Vorteil gegenüber dem Ungeimpften erhalten haben? Mit Hilfe der Wissenschaft und Technik! Also ein wissenschaftlich-technisch verbesserter Mensch. Also die Essenz des Transhumanismus. Und es ist kein Zufall, dass sich das „Impfen“ ohne Kriege und Militär kaum hätte durchsetzen können. Denn für den Krieg suchte man mindestens seit Beginn der Neuzeit nach dem verbesserten, transhumanen Menschen. Auch ist zB nicht von der Hand zu weißen, dass die modernen Kriege ohne Aufputschmittel (Methamphetamin, erstmals 1893, Pervitin, Merck, Boehringer, Temmler) undenkbar wären. Auch so ein Transhumanismus-Mittel zur „Menschenverbesserung“ – für den Krieg!

    Früher gab es ein Motorenöl mit dem Markennamen „STP“. Das steht für „scientifique treated petroleum“, also für wissenschaftlich behandeltes, (ergo: angeblich) verbessertes Öl.

    „Geimpfte“ könnte man heute als „STH“ … „scientifique treated humans“ bezeichnen. Durch Wissenschaft und Technik (ANGEBLICH!) „verbesserte Menschen“.

    Die Menschheit steht vor ihrem krachenden, völligen Versagen angesichts wissenschaftlich-technisch anfällig gemachter und verdummter Idioten en masse.

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