(periphere Notate): Fliegt auseinander, klappt zusammen

Das Herziehen über die „Mainstreammedien“ wird einem viel zu leicht gemacht. Es ist ja wahrscheinlich so, daß niemand gerne über Blätter, Hefte und Sender schimpft, mit denen man früher mal aufgewachsen ist und sich ein (auch politisches) Bewußtsein gebildet hat. Da muß schon eine gehörige Portion Enttäuschung, Frustration, Fassungslosigkeit und Zorn im Spiel sein, wenn man sich so weit entfernt.

Ich selbst besitze Mappen mit angegilbten Artikeln aus der „Süddeutschen Zeitung“, aus FAZ und taz, „Zeit“ und „Woche“, gar „Spiegel“, „Stern“, „Playboy“ und manch anderer Publikation, die man heute noch oder erst recht mit Staunen lesen kann: So was wurde hierzulande mal gedruckt! Von „Konkret“ und „Sounds“ zu schweigen. Das gilt sogar fürs traditionell verblödende Fernsehen, das auch mal anders konnte – da braucht man sich nur die nach wie vor großartige „Scheibenwischer“-Folge zum 11. September 2001 anschauen und versuchen, sich vorzustellen, so etwas liefe heute auf einem öffentlich-rechtlichen Sender (oder überhaupt im Fernsehen). Um Gottes Willen!

Das gilt auch für frühere Erscheinungen, etwa Günter Gaus’ Fernsehgesprächsreihen „Zur Person“ bzw. „Zu Protokoll“: Dem durchaus konservativen Gaus gelang es in den verstaubkleisterten sechziger Jahren, unter anderem mit Hannah Arendt, Franz Josef Strauß, Herbert Wehner, Walter Hallstein, Rudi Dutschke, Martin Niemöller, Hermann-Josef Abs vor Kameras zu sprechen, also mit buchstäblich „diversen“ Persönlichkeiten von notorischen Altnazis und transatlantischen Atomkriegern bis hinüber zum gewendeten Ex- und studentisch-revolutionären Jungkommunisten. Zwar nie gemeinsam, wie das bei heutigen Plapperrunden üblich ist, in denen aber dann halt (umgerechnet) nur noch exaltierte Radikalrudimente von Strauß, Abs und Hallstein sitzen und so tun, als wären sie uneins. Während Wehner öffentlich beschimpft, Arendt von „Experten“ als irre diagnostiziert und Dutschkes Internetkanäle samt Bankkonten gelöscht werden. Ebenso wie die von Gaus selber.

Was insgesamt so sinnvoll ist wie eine vor einiger Zeit vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte Propaganda-Diskussion, von der es hieß, es werde das Goldene Kalb (nicht etwa „die Impfung“, die ist ja längst selbstverständlich, sondern der unerläßliche oder nur dringend nötige Impfzwang) ausführlich diskutiert. Passiert ist dann dies: Jeanne Rubner verkündete, „die Impfung“ sei unbedingt notwendig. Sie müsse zwangsweise durchgesetzt werden, Propaganda genüge nicht. Jan Zimmermann hielt energisch dagegen: Die Impfung sei unbedingt notwendig und ein Segen! Sie müsse aber mit Propaganda durchgesetzt werden; Zwang solle erst erfolgen, wenn die Propaganda nicht wirksam genug sei. Da sitzt der Bundesbürger da und staunt, welche kontroverse Standpunkte und was für ein Meinungsspektrum unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk zuläßt. Leben wir nicht im Paradies?

Doch, wir sind weit gekommen. Wer’s nicht glaubt, lese gerne einmal die Geschichte des Lebens und Wirkens von Galileo Galilei, notfalls auch auf dem Wikipedia-Blog, der zu diesem Thema erstaunlich informiert und informativ ist. Na gut, so erstaunlich auch wieder nicht – es geht ja weder um die Interessen der Pharmaindustrie noch um die der Philanthropokratie.

Um die ging es übrigens auch nicht, als die „Süddeutsche Zeitung“ im Juli 1973 gegen damalige „Querdenker“ hetzte:

Die hießen damals noch nicht so, auch nicht „Impfleugner“ und „Verschwörungsbürger“ oder so, sondern „Wochenend-Hippies“, „Gammler“, „Pop-Fans“ und „langhaarige Hasch-Konsumenten“. War irgendwie lustiger, aber im Grunde doch das gleiche.

Um die (die Mafia der Pharma- und Philanthro-Milliardäre) geht es jedoch in der Gegenwart. Die zeichnet sich in der Blase der „offiziellen“ Politik derzeit dadurch aus, daß sie mir keinerlei Interesse zu entlocken vermag, weil da offenbar sämtliche Narrative und Dogmen in so atemraubendem Tempo zusammenklappen und auseinanderfliegen, daß man gar nicht mehr zuschauen mag. Spahn und Wieler setzen Covid-19 mit der Grippe gleich (weil sie neuerdings für ihre Auftraggeber noch schnell Reklame für Grippeimpfungen machen sollen), was vor drei Wochen noch schlimmste Querketzerei war, werden aber nicht von Youtube gelöscht. Das RKI lügt sich mit seinen „Zahlen“ um Kopf und Kragen. Söder bricht Gesetze und Verfassung und schweigt, die „Opposition“ schweigt, Merkel schweigt, Lauterbach quasselt gegen Lauterbach, und Drosten steht ganz offenbar kurz vor dem Betonschuh und pfeift drauf. Was soll man zu diesem Affentheater noch sagen? Offensichtlich ist dem „Corona“-Laden ganz plötzlich die Führung abhanden gekommen, und jetzt schaut jeder, daß er sich so schnell wie möglich über die grüne Grenze nach Chile oder Paraguay absetzt.

Nicht ganz, aber punktuell im einzelnen: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) und Statistischem Bundesamt hat Deutschland in der ersten Oktoberwoche endlich das erreicht, wonach die „Corona“-Hysteriker und ihre Hirten seit eineinhalb Jahren gieren: die Herdenimmunität.

Das steht da selbstverständlich nicht, aber es läßt sich leicht errechnen, wenn man beider Angaben kompiliert: Laut RKI sind etwa 80 Prozent der volljährigen Deutschen doppelt gespritzt, laut Statistischem Bundesamt 36,1 Prozent der (etwa 14 Millionen) minderjährigen. Bei 83 Millionen Deutschen ergibt sich daraus eine „Impfquote“ von etwas über 72 Prozent. Das Statistische Bundesamt gibt als Grenze der „Herdenimmunität“ 70 Prozent an.

Man mag einwenden: Moment! Laut Statistischem Bundesamt haben wir die 70 Prozent aber noch gar nicht erreicht! Das ist wahr. Vielleicht mag man sich dort nicht so vorbehaltlos auf windige Telephonumfragen verlassen wie beim RKI, wo offenbar eine ganze Menge Leute auf recht heißen Öfen sitzen und angesichts des anscheinend drohenden (oder wenigstens befürchteten) Erwachens der deutschen Justiz arg bemüht sind, sehr schnell ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen.

Auch Herr Spahn übrigens, obwohl’s dem ja egal sein könnte: Strafmildernd wirkt derartiges Gequatsche über „Papierdinge“ und keine weiteren (!) Maßnahmen ganz bestimmt nicht, und den Dreck zusammenkehren muß dann ja (mutmaßlich) Herr Lauterbach.

So oder so redet der Spahn den üblichen Quark. Es läßt sich nämlich leicht ausrechnen, wie hoch im Frühjahr, wenn „wir“ seinen Worten zufolge „zur Normalität zurückkehren“ sollen, die „Impfquote“ sein wird: über den Daumen gepeilt zwischen 1 Prozent und 6 Prozent. Weil der „Impfschutz“ in den drei Monaten nach der Spritzung steil abfällt und nach sechs Monaten so gut wie verschwunden ist. Das heißt: Wer sich heute zum zweiten Mal spritzen hat lassen, ist am 7. April wieder ungeimpft und darf sich dann mit dem dritten oder vierten „Booster“ die nächste Ladung „Nebenwirkungen“ verpassen lassen. Außer wir fressen uns alle ganz schnell ganz fett. Aber wahrscheinlich hilft das auch nichts.

Die „Süddeutsche Zeitung“ titelt derweil: „Langsames Impfen bremst Aufschwung“, was möglicherweise der „Titanic“ ein paar Leser und dem Kölner 2G-Karneval ein paar Jecken abspenstig macht, ansonsten aber so irrsinnig ist, daß man gar nicht mehr darauf hinweisen mag: Günter Gaus hat mal für eine Zeitung geschrieben, die ebenfalls „Süddeutsche Zeitung“ hieß. Daß es sich um dasselbe Blatt handelt, ist eine ziemlich billige Verschwörungstheorie (wie üblich ohne Verschwörung).

(Die Zitate entstammen sämtlich dem vorletzten „Coronavirus-Update“ des NDR mit Christian Drosten und Beisitzerinnen, einem unerschöpflichen Quell satirischer Selbstverarschung und dem derzeit einsamen Höhepunkt des öffentlich-rechtlichen Kabaretts. Die neueste Folge ist möglicherweise aus Jubiläumsgründen noch irrer und toller als ihre Vorgänger. Leider wird diese Sendung ausgerechnet von den vorgeblichen Jüngern des deutschen Oberschwurblers seit vielen Monaten nicht mehr verfolgt und beachtet – da hätten sie wenigstens mal was zu lachen.)

3 Antworten auf „(periphere Notate): Fliegt auseinander, klappt zusammen“

  1. „Leider wird diese Sendung ausgerechnet von den vorgeblichen Jüngern des deutschen Oberschwurblers seit vielen Monaten nicht mehr verfolgt und beachtet“

    Sie irren: Drosten-Kloaken-Radio hat eine ganz heiße Fan-Gemeinde:

    Artur Aschmoneit und seine Co-Kommentatoren auf corodok, ganz nach dem Foren-Motto selbstverständlich: „Hier finden sich veröffentlichte, aber irgendwie wenig sichtbare Informationen.“

    Irgendwie wenige sichtbar eben. Also muss Aschmoneit et al. wenigstens so gut es geht zur Sichtbarkeit beitragen.

    Denn, Gott bewahre, sonst könnten ja Drostens Ergüsse etwa noch der Nichtwahrnehmung anheim fallen.

    Übrigens wird dort natürlich auch jeder Rülpser eines Lalle Lauterbachs „gewürdigt“. Könnte ja sonst irgendwie im ganzen Medienrummel untergehen. Auch das wäre natürlich unverzeihlich.

    Ein paar andere, in versteckten Medien-Nischen dümpelnde Zeitgenossen wie Ciesek, Wieler, Spahn, Cichutek, Merkel erfahren zwar nicht ganz so konsequente Beachtung im Blog, aber damit sie nicht völlig der Unbeachtetheit anfallen, wird es gerade genügen.

    1. Man kann sicher darüber streiten, wie sinnvoll es ist, den Bullshit des Herrn Lauterbach zu verfolgen und sich an seinen Irrungen und Wirrungen abzuarbeiten. Dokumentarischen Wert mag es haben.
      Aber bei Drosten geht es genau darum: Von denen, die ihn vor einem (halben) Jahr noch bei jeder Gelegenheit als Monstranz vor sich hertrugen, hört und liest offenbar niemand mehr, was er in seinem Podcast zusammenblubbert. Sonst wäre der ganze Circus wahrscheinlich längst vorbei. Die Möglichkeit, daß die Jünger von Anfang an nie begriffen haben, was er sagt, ist damit keineswegs bestritten.

      1. Ach, Drosten ist doch auch nur ein eitles, daher leicht nutzbares Pferd. Sicherlich hat der seit Jahren gezielt und mit hochfinanziöser Unterstützung auf seine Rolle hingearbeitet, an MERS und SARS und Zikka und Co geübt und erprobt. Und sein an Ur-„Wissenschafts“-Medienstar Alberner Einstein gemahnendes Image (Wuschelkopf, leicht vertrottelter Blick, angedeuteter Nonkonformismus, Punk-Allüren – man denke bei letzterem an die Zunge Einsteins, die dann durch die Rolling Stones zum festen Bestandteil der Pop-Ikonographie stilisiert wurde) ist auch gut gelungen.

        Der sitzt fest im Sattel so lange er nicht ausdrücklich die Hand beißt, die ihn füttert und führt. Wie das halt bei Schoßhündchen so ist …

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