(periphere Notate): Exponentielle Dummheit, böse Lehrer, zufällige Nazis

Die exponentielle Häufung von Absurditäten und Unsinnigkeiten in und an den „Maßnahmen“ und in Zusammenhang damit löst – wenn man sich (bevorzugt im Dialog) eingehender damit beschäftigt – immer eine euphorische Hochstimmung aus: Das alles ist dermaßen verrückt und wird mit jedem Tag verrückter, daß es nicht mehr lange dauern kann, bis das irre Konstrukt zusammenbricht. Am nächsten Morgen erwacht man in den Anblick verregneter Gräue und muß feststellen: Es geht einfach weiter. Welcher Eindruck ist richtiger? und sollte man sich vielleicht bemühen, einen davon aufrechtzuerhalten?

Monatelang wurde grimmig und sehr laut „Solidarität“ mit älteren Mitbürgern eingefordert, die einsam in Pflegeheimen dahinstarben, weil ein paar renitente Jüngere lieber spazieren oder demonstrieren gingen, als sich daheim einzusperren. Nun ändert sich der Ton: „Viele Ältere wollen sich ausschließlich mit Stoff von Biontech impfen lassen – obwohl es für sie Alternativen gäbe“, prangert ein „Spiegel“-Kommentator an. „Das ist unsolidarisch mit den Jüngeren.“ Und weiter heißt es da in dem Medium, das im Gegensatz zu anderen seine „Quellen“ nicht nennen muß: „So werden die Jüngeren zu den Resteverwertern für Millionen Dosen AstraZeneca und Johnson & Johnson, die in den nächsten Wochen kommen sollen. Auch, weil so viele gesunde Ältere diese hochwirksamen Impfstoffe verweigern und die knappen Biontech-Spritzen für sich hamstern.“

Man sollte diese Sätze dreimal lesen, um eine Ahnung zu erhalten, wie absurd und geisteskrank das Denken dahinter ist.

Schüler ab zwölf Jahren müßten dringend „ein Impfangebot in den Sommerferien“ bekommen, findet die JUSO-Vorsitzende Jessica Rosenthal. Als Lehrerin sehe sie nämlich „jeden Tag, was für eine unglaubliche Belastung diese Krise gerade für Kinder und Jugendliche ist“. Und das einzige Mittel gegen diese Belastungen und diese Krise ist nun mal ein „Impfangebot“.

Auch zu meinen Schulzeiten gab es böse Lehrer, Streß und Manipulation. Allerdings in wesentlich geringerem Umfang als heute. Und als Mittel dagegen standen keine „Impfstoffe“ zur Verfügung, sondern nur Solidarität, Vorwitzigkeit, Frechheit, Mut, Gleichgültigkeit, Faulheit, Interesse und Information. (Zur Bedeutung dieser Begriffe konsultieren Sie bitte ein älteres Lexikon.)

Seit einem Jahr, seit Mai 2020, wissen wir mit Gewißheit, daß ein „Lockdown“ zur Bekämpfung einer seltenen Ansteckungskrankheit nutz- und zwecklos ist und wesentlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Jetzt immer noch an dem Konzept festhalten kann man nur, wenn man es noch für andere Zwecke braucht und daher seine Unbrauchbarkeit nicht eingestehen darf.

„Die Menschen haben sich daran gewöhnt, unter Bedingungen einer ständigen Krise zu leben. Dabei scheinen sie nicht zu bemerken, dass sich ihr Leben auf eine rein biologische Funktion reduziert hat und nicht nur jeder politischen, sondern auch menschlichen Dimension verlustig gegangen ist.“ (Giorgio Agamben)

Daß die Pervertierung der Wissenschaft zu einer politischen Waffe ein Resultat von Bestrebungen der letzten 14 Monate ist, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich. Eher tritt da etwas zutage, was seit langem vor sich hin schimmelt und noch nicht das Ende seiner Entwicklung erreicht hat.

Ein hübscher Youtube-Kommentar, der Kompliziertes vereinfacht: „Gunnar Kaiser redet mit Martin Sellner, also ist Gunnar Kaiser rechts; Paul Brandenburg redet mit Gunnar Kaiser, also ist Paul Brandenburg rechts; der Tagesspiegel redet mit Paul Brandenburg, ergo ist der Tagesspiegel …“

Hintergrund: Wer bislang dachte, hinter der Hetzkampagne des „Tagesstürmers“ gegen #allesdichtmachen, Oval Media, den Corona-Untersuchungsausschuß und andere stecke eine böswillige, fein geplante Verschwörung, muß wohl umdenken: Diese Leute mögen böse sein, sie sind aber vor allem unfaßbar dumm. Sie sind so dumm, daß sie selbst öffentlich zeigen, wie dumm sie sind, und sie sind so dumm, daß sie das noch nicht einmal bemerken. Sorry für die Wiederholung: Ein solches Maß an Dummheit ist mir im deutschen Journalismus noch nicht begegnet. (Dank an Paul Brandenburg , daß er sich dem gestellt hat.)

Diese Form der Dummheit scheint mir ein wesentliches Merkmal des „harten Kerns“ der „Corona“-Fanatiker zu sein, die zahlenmäßig einen winzigen Teil der Bevölkerung ausmachen, aber sehr mächtige Positionen in Politik und Medien besetzen: Sie sind einerseits kaum denkfähig, andererseits sehr laut, selbstgewiß und in einem geschlossenen Weltbild verfangen. Das leistet dem religiösen Dogmatismus Vorschub: Wenn solche Menschen behaupten, es werde eifrig und offen über die „Corona“-Maßnahmen diskutiert, dann ist das in ihren Augen zweifellos richtig. Da sie selbst nicht denken, daher auch nicht recherchieren, assoziieren, schlußfolgern können, brauchen sie für jede Diskussion eine feste Basis, einen axiomatischen Grundkonsens, der niemals hinterfragt werden darf. Weil sie den ganzen Komplex nicht verstehen können und sich daher „auf etwas verlassen“ müssen, was ihnen andere vorgeben. Die „Diskussion“, die dann stattfindet, ist eine Scheindiskussion über winzige, belanglose Details. Fragen wie: Sollten Geimpfte nach 14 Tagen begnadigt werden und einen Teil ihrer Grundrechte zurückbekommen, oder erst nach vier Wochen? Solche Sachen.

Was diesen Leuten niemals gelingen kann, ist zu erkennen, woraus der „Konsens“ besteht: aus windigen, mit nichts belegten oder belegbaren Setzungen, die oft einem Muster folgen. Wenn etwa die WHO auf Betreiben gewisser Kräfte ihre gesamte Strategie gegen Krankheiten auf die Punkte „Preparedness & Response“ konzentriert – also darauf, auf eventuelle „Pandemien“ vorbereitet zu sein und zu reagieren –, dann können diese Leute das Loch nicht sehen und die Frage nicht stellen: Wie definieren wir denn überhaupt die „Gefahr“, auf die wir uns vorbereiten sollen?

Gleiches gilt für die Zahl der Menschen, die an Atemwegserkrankungen sterben: Die ist seit Wochen „rückläufig“ (wie man heute sagt). Dieses seltsame Phänomen nennt man neuerdings „Impfeffekt“ und schreibt es der steigenden Zahl von mRNA- und Vektor-Verspritzungen zu. Daß exakt der gleiche „Impfeffekt“ seit Anbeginn der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte jedes Jahr zu beobachten ist, darf in diesem Weltbildkonsens nicht vorkommen. 2020, 2019, 2018 und so weiter endete mit dem Mai (der vielleicht deswegen „alles neu“ macht) einfach die Erkältungssaison. Diesmal wurde mittels Impfung eine Pandemie vorläufig „besiegt“, das ist was ganz anderes!

„Die Entdeckung Amerikas ist nicht das Verdienst der Amerikaner. Schande!“ (Stanislaw Jerzy Lec)

Es ist übrigens auch weiterhin informell verboten, irgendwelche Vergleiche der derzeit laufenden Entwicklung (nicht nur) in Deutschland mit der Zeit von 1930 bis 1947 anzustellen. Man darf jeden Trump, Milosevic, Saddam Hussein, Gaddafi, Erdogan, Putin, jeden lächerlichen „Reichsbürger“ und „Querdenker“ als Hitler-Wiedergänger bezeichnen. Man darf aber nicht ein Gesetz, in dem das Wort „Ermächtigung“ oder „ermächtigen“ mehrmals prominent vorkommt, als Ermächtigungsgesetz bezeichnen. Weil man damit „Opfer verhöhnt“, die die selbsternannten Wächter des Andenkens dieser Opfer gerne als Opfer einer historisch einmaligen Naturkatastrophe oder als Opfer einer ebenfalls historisch einmalig kriminellen Bande von zehn, zwölf abartig wahnsinnigen Jüngern eines historisch einmaligen Hyperwahnsinnigen in den Geschichtsbüchern sähen. Weil diese Wächter einfach nicht einsehen wollen, daß die Täter des Faschismus, des Nationalsozialismus, des Holocaust und des Weltkriegs „ganz normale“ Leute waren, die relativ plötzlich durchgedreht sind – und zwar hunderttausende, ja Millionen davon. Von denen hinterher fast kein einziger mehr wissen wollte, was da in ihn gefahren ist. Weil sie einfach nicht einsehen wollen, daß die Dynamik des Systems den Menschen zu dem macht, was er wird, wenn er sich nicht entzieht oder widersetzt.

Und weil ich gerade in der Stimmung bin, sei festgestellt: Selbstverständlich gibt es Verschwörungen, und Thesen, Theorien und Recherchen dazu sind unbedingt notwendig, um zu verstehen, was passiert (ist). Oder glaubt irgendwer immer noch, die deutsche Wehrmacht habe „seit fünf Uhr fünfundvierzig zurückgeschossen“? oder Julius Caesar sei zufällig in ein paar Dolche hineingestolpert?

Dann dies als Schlußgedanke: „Den Anfängen zu wehren“ heißt genau das: den Anfängen zu wehren. Nicht irgendwann daherzukommen und zu behaupten, man habe davon ja gar nichts mitbekommen, aber jetzt sei es auch zu spät und man müsse das wohl durchstehen und danach werde es schon wieder. Nein.

2 Antworten auf „(periphere Notate): Exponentielle Dummheit, böse Lehrer, zufällige Nazis“

  1. Ich finde, wer getestet, maskiert und vollständig geimpft ist, sollte ab jetzt ins Wirtshaus gehen können, sofern er sich allein an einen Tisch setzt und den Schweinsbraten per Deliveroo bestellt. Man muss ja auch mal ein Auge zudrücken können!

  2. Schöne Analyse zu den Tagesstürmern. Es gibt da ja diesen alten Spruch:

    „Tot zu sein ist – im Gegensatz zu den Leuten um einen herum – für einen selbst ja nicht schlimm, man kriegt es ja nicht (mehr) mit. Dasselbe gilt allerdings auch für Menschen, die dumm sind.“

    Alles, worauf dieser Corona-Bullshit aufbaut, war vom 1. Tag an strunzdumm. Bar jeglicher Logik. Vor allem die heiligen Regeln, die Chefveterinär Wieler in Steintafeln vom Berg Vakzinai hinab brachte, sind dermaßen hirnrissig und eine Beleidigung für jeden mit einem IQ oberhalb der Zimmertemperatur, dass man sich wirklich fragt, ob Corona ausschließlich über den Fernseher und Twitter übertragen wird? Und nicht die Lunge, sondern eher das Gehirn schädigt?

    Gustave Le Bon hatte schon vor über 125 Jahren absolut recht: In der Masse wird der Mensch zu einem primitiven, degenerierten, wahnhaften, reizbaren Vollidioten.

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