(periphere Notate): vom Umgang

Manchmal finde ich die sogenannten „Faktenchecker“ richtig nett. Hier hat das ZDF „gecheckt“ (vor elf Monaten):

Im weiteren erklärt der „Check“, die Gründer einer „selbst ernannten neuen Partei“ hegten ähnliche Befürchtungen. Sparen wir uns die Frage, ob die „Befürchtungen“ sich als plausibel erwiesen haben, das wäre unfair – „Checks“ von „Faktencheckern“ sind hilflose Rückzugsgefechte, die sich stets früher oder später als Fake erweisen. Aber wie sich eine neue Partei selbst ernennen kann (und zu was), das wüßten wir doch gerne.

Apropos Pflicht:

Dem Bürger die Verantwortung für seine Gesundheit und die seiner nächsten selbst zu überlassen, nannte man früher nicht unbedingt „abwälzen“. Hier könnte man doch fragen: zu was der Staat eigentlich gut ist. Sollte er die Grund- und Menschenrechte garantieren und schützen und dafür sorgen, daß raffgierige, böse, ausbeuterische, dumme, mächtige Kräfte in der Gesellschaft sie nicht zu ihrem Vorteil außer Kraft setzen können, um sich zu bereichern und andere zu unterwerfen und ihnen zu schaden?

Oder soll er als Herrscher die Verantwortung dafür übernehmen, daß seine unmündigen Untertanen nicht in Gefahr oder Versuchung geraten, sich zu erkälten, den falschen Leuten zuzuhören, aufzubegehren, zu entarten, ein wildes Treiben zu veranstalten und ihr Blut mit dem minderer Rassen zu mischen?

Ich hätte eine Idee, wie man die lodernden Kulturkämpfe zwischen „Coronagegnern“ und „Maßnahmenbefürwortern“ vielleicht zivilisieren könnte: Anstatt zu argumentieren, bittet man so einen „Schwurbel! Aluhut!“-Brüller einfach mal, kurz zu erklären, was in den letzten eineinhalb Jahren seiner Meinung nach geschehen ist.

Das Ergebnis meiner ersten Versuche ist ziemlich ernüchternd, frappierend und zugleich aufschlußreich. Die wissen nämlich in den meisten Fällen offenbar wirklich gar nichts. Was eine Inzidenz ist? Welche Symptome Covid-19 auslöst? Was Drosten genau meint, wenn er dies und das sagt? Was „predator journals“ sind? Nichts, Fehlanzeige. Ein bißchen „schwere Pandemie mit Millionen Toten, vor der wir solidarisch unsere Risikogruppen schützen müssen, indem wir die Kurve flachhalten“-Bla; dann „Wodarg, Jebsen, Reichsbürger und diese Quertrottel bilden ein Komplott, um die Macht zu ergreifen!“ und ähnliche Verschwörungsmythen, das war’s schon.

Wichtig: nichts erklären! Jeder Satz mit mehr als drei Wörtern, der von der Linie abweicht bzw. nicht aus offiziellem Munde ertönt, ist „Schwurbeln“. Lieber auch nicht konkret fragen – etwa nach der Wirkungsweise von mRNA-Stoffen, dem Prinzip der PCR, dem Nutzen von Masken usw. – wenn die merken, daß man eine Lücke entdeckt hat, schreien sie sofort „Aluhut!“ und sind weg. Ebensowenig sollte man aus purer Schadenfreude ihre eigene Taktik anwenden („Du hast da doch sicher ein paar peer-reviewed-Belege, hm?“). Wenn sie den Braten nicht riechen, schicken sie höchstens was von SZ, Correctiv oder Volksverhetzer und nennen es „Studie“. Das ist dann peinlich. Es empfiehlt sich auch nicht, allzu deutlich ihre hysterische Angst freizulegen. Das können sie nicht zulassen, weil das ihre psychischen Fundamente gefährdet, die auf Glauben, blindem Gehorsam und Hoffnung auf Belohnung ruhen.

Nein, einfach nur zuhören. Oder lesen halt. Es mag erschreckend sein, was für eine Mehrheit da heranwächst. Aber es hilft vielleicht auch bei der Vorbereitung auf den Sommer und Herbst, und lehrreich ist es allemal.

Eine Antwort auf „(periphere Notate): vom Umgang“

  1. Lieber Michael,
    damit Du’s nicht auf anderem Weg erfährst, teile ich Dir mit, daß ich eine Passage dieses vortrefflichen Postings in meinem eigenen Blog zitiert habe. – Was ich Dir sonst zu sagen hätte (nur Gutes!), erledige ich lieber telephonisch oder per E-Mail.
    Keep on with the bloody good work!
    Kay

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